Masterarbeit, 2013
103 Seiten, Note: 18/20
Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
Einleitung
I. Theoretischer Hintergrund
1. Herders Kulturbegriff
2. Orientalismus
3. Multikulturalität und Interkulturalität
3.1. Der Multikulturalismus
3.2. Die multi- und interkulturelle Debatte
4. Transkulturalität
II. Entwurzelung und Identitätslosigkeit in Gefährliche Verwandtschaft und Murmures à Beyoğlu
1. Narrative Strategien der Entwurzelung
2. Narrative Strategien der Identitätslosigkeit und die Schaffung von Ersatzidentitäten
3. Handlungsorte als Sinnbilder der Identitätskrise
III. Eigenes und Fremdes
1. Die multikulturelle Dichotomie und ihre Überbrückung
2. Stereotypen – das eindimensionale Fremdbild
3. Eigen-Fremd-Dichotomie – von außen manipuliert?
IV. Überbrückung kultureller Grenzen
1. Erinnerung und Geschichtsverarbeitung
2. Kritische Darstellung der Globalisierung
3. Schreiben und Sprache – Mittel und Raum für die literarische Vernetzung kultureller Identitäten
Abschließende Betrachtungen
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand der Romane "Gefährliche Verwandtschaft" von Zafer Şenocak und "Murmures à Beyoğlu" von David Boratav, inwieweit literarische Texte zu einem zeitgemäßen, kulturüberbrückenden Verständnis von Identität beitragen können, anstatt in dichotomen Kategorien von Eigenem und Fremdem zu verharren.
II.1. Narrative Strategien der Entwurzelung
Die Thematik der Entwurzelung, die der Identitätslosigkeit vorangeht, wird in beiden Romanen auf verschiedene Weise eingebracht und verarbeitet. Sascha Muhteschem, der Ich-Erzähler von Gefährliche Verwandtschaft, ist der Sohn einer jüdisch-deutschen Mutter und eines türkischen Vaters. Er wird im Jahre 1954, kurz nach der Emigration seiner Eltern aus der Türkei, in München geboren.
Die Problematik seiner multikulturellen Herkunft besteht für ihn bereits darin, dass er durch deren Nicht-Tradierung aufgrund schwer belastender Vorkommnisse in den Generationen vor ihm von ihr abgeschnitten wurde und dadurch die innere Orientierung verloren hat.
Seine jüdisch-deutsche Familie wurde bis auf die Mutter und deren Eltern von den Nazis während des Holocausts ausgelöscht. Sein türkischer Großvater väterlicherseits dürfte aktiv am Völkermord an den Armeniern in der Türkei beteiligt gewesen sein, bevor er 1936 Selbstmord beging (40). Die genauen Hintergründe zu beiden Geschichten werden Sascha von seinen Eltern bewusst verschwiegen.
Einleitung: Die Einleitung führt in die philosophische Identitätsdebatte ein und erläutert die Rolle der Literatur bei der Hinterfragung traditioneller Kulturkonzepte.
I. Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel skizziert die kulturtheoretischen Grundlagen von Herders Kulturbegriff bis hin zu den Konzepten der Multi-, Inter- und Transkulturalität.
II. Entwurzelung und Identitätslosigkeit in Gefährliche Verwandtschaft und Murmures à Beyoğlu: Es wird analysiert, wie Entwurzelung und Identitätskrisen durch narrative Strategien, etwa durch das Verschweigen von Familiengeschichte, in den Romanen dargestellt werden.
III. Eigenes und Fremdes: Das Kapitel untersucht die dichotome Abgrenzung zwischen Eigenem und Fremdem sowie die kritische Rolle von Stereotypen in der Identitätsbildung.
IV. Überbrückung kultureller Grenzen: Dieser Teil befasst sich mit der Rolle von Erinnerung, Geschichtsverarbeitung und Sprache als Mittel zur Überwindung kultureller Barrieren.
Abschließende Betrachtungen: Das Fazit fasst zusammen, dass Identitätsfindung als stetiger Prozess begriffen werden muss, wobei Erinnerung und eine transkulturelle Offenheit zentrale Voraussetzungen darstellen.
Identitätssuche, Transkulturalität, Entwurzelung, Gefährliche Verwandtschaft, Murmures à Beyoğlu, Literaturwissenschaft, Migration, Orientalismus, Erinnerungskultur, Mehrsprachigkeit, Dichotomie, Postnazideutschland, kulturelle Identität, Erzählstrategien, Erinnerung
Die Arbeit untersucht, wie zwei zeitgenössische Romane die Identitätssuche ihrer Protagonisten vor dem Hintergrund kultureller Entwurzelung und multikultureller Prägung darstellen.
Zu den Schwerpunkten gehören das Spannungsfeld zwischen eigenem und fremdem Erbe, der Umgang mit traumatischer Familiengeschichte und die Rolle der Sprache als Brücke oder Grenze.
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Literatur dazu beitragen kann, überholte, dichotome Kulturkonzepte zu hinterfragen und Wege zu einer transkulturellen Identität zu ebnen.
Die Autorin wählt eine vergleichende literaturwissenschaftliche Analyse, die kulturtheoretische Ansätze, wie die von Wolfgang Welsch, mit einer tiefgehenden Textanalyse verbindet.
Der Hauptteil analysiert narrative Strategien der Entwurzelung, die Konstruktion von Identitätslosigkeit durch das Schweigen der Elterngeneration und die Rolle von Städten als Identitätssymbole.
Neben Transkulturalität und Identitätsfindung sind dies vor allem das "kulturelle Gedächtnis", der "Orientalismus" und die "Dekonstruktion" von nationalen Mythen.
Während bei Şenocak die bewusste Auseinandersetzung mit historischer Schuld (Holocaust und armenischer Genozid) im Zentrum steht, wird bei Boratav der Bruch mit der türkischen Muttersprache und die Rückkehr nach Istanbul in den Fokus gerückt.
Die Quitte fungiert als zentrales Symbol für verdrängte Schuld und als versteckter Hinweis auf die notwendige, aber schmerzhafte Erinnerungsarbeit, um eine integrierte Identität zu finden.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

