Masterarbeit, 2013
102 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Spaltung der Ost- und Westkunst nach dem 2. Weltkrieg
2.1 Entwicklung in Westdeutschland
2.2 Hinwendung zum Sozialistischen Menschenbild in Ostdeutschland
2.2.1 Formalismus-Debatte
2.2.2 Über das marxistisch geprägte Menschenbild
2.2.3 Sozialistischer Realismus
3. Leipziger Schule als künstlerischer Kontext
3.1 Funktion der Leipziger Schule
3.2 Mattheuers Anspruch an die Kunstproduktion
4. Mattheuers Menschenbilder
4.1 Arbeiterbilder
4.1.1 Die Ausgezeichnete
4.1.2 Alter Genosse am Zaun
4.1.3 Freundlicher Besuch im Braunkohlerevier
4.1.4 Sisyphos
4.2 Ausbruchs- und Panikbilder
4.2.1 Ikarus
4.2.2 Geh aus deinem Kasten
4.2.3 Eingeschneite Aktion
4.3 Resignation
4.3.1 Das tragische Ende eines Unerkannten
4.3.2 Was nun? / Schwebendes Liebespaar
4.4 Verbindung zum Expressionismus und Neuer Sachlichkeit
5. Zwischen Anpassung und Zerrissenheit
6. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung des Menschen im Werk von Wolfgang Mattheuer während der 70er und 80er Jahre in der DDR. Ziel ist es zu analysieren, wie der Künstler die offizielle staatliche Ideologie des Sozialistischen Realismus in seinen Bildwelten kritisch reflektiert, unterwandert und dabei individuelle Facetten sowie gesellschaftliche Widersprüche sichtbar macht.
4.1.2 Alter Genosse am Zaun
In dem Gemälde „Alter Genosse am Zaun“ (Abb. 4) von 1971 lehnt ein älterer Mann im Bildvordergrund auf der Tür seines Gartenzauns. In seiner Hand hält er eine Zeitung, die er aus dem Briefkasten geholt hat. Er schaut den Betrachter direkt an. Im Bildmittelgrund sieht man sein Haus, eine ältere Dame schaut aus dem Fenster und beobachtet das Geschehen. Dahinter erkennt man eine von Autos befahrene Autobahn. Der Himmel ist in braun-gräulicher Farbe gehalten, eine Farbgebung, die sich durch den gesamten Bildraum zieht und die dem Bild eine unheimliche Stimmung verleiht.
Gezeichnet vom Leben und von der Arbeit, schaut der Genosse den Betrachter starr an: Völlig unbeteiligt der Blick, müde, abgeklärt und gleichermaßen geheimnisvoll. Trostlos wirkt die in braun und grau gehaltene Landschaft, isoliert steht das Haus, isoliert und verloren auch der Mann hinterm Zaun.
Es zeigt sich in diesem Bild das Gegenteil des aktiven, optimistischen Menschen und Arbeiters, wie es die führenden Vertreter des Sozialistischen Realismus von den Künstlern gefordert haben: Dieser alte Genosse wirkt ernüchtert und passiv, wie ein Mann, der sich mit seinem Schicksal arrangiert hat, der es gelernt hat auszuhalten und sich den Umständen anzupassen, unabhängig davon, ob ihn diese glücklich machen oder nicht.
Auffällig ist der Zaun, der den gesamten Bildvordergrund ausfüllt und durch seine Höhe den Eindruck des Eingesperrtseins erweckt. Eine scheinbar nicht zu überwindende, den Betrachter von der dargestellten Person trennende Barrikade konnte man schon bei „Die Ausgezeichnete“ ausmachen. Die Brücke im Hintergrund verstärkt beim „Genossen“ das evozierte Gefühl zusätzlich.
1. Einleitung: Einführung in die Bedingungen der Kunstproduktion in der DDR und Vorstellung der Forschungsabsicht, Mattheuers Menschenbilder der 70er und 80er Jahre als kritische Auseinandersetzung mit staatlichen Vorgaben zu untersuchen.
2. Spaltung der Ost- und Westkunst nach dem 2. Weltkrieg: Untersuchung der unterschiedlichen kulturpolitischen Entwicklungen in Ost- und Westdeutschland nach 1945, mit Fokus auf die Etablierung des Sozialistischen Realismus und der damit verbundenen Formalismus-Debatte in der DDR.
3. Leipziger Schule als künstlerischer Kontext: Erörterung der Funktion der Leipziger Schule als Zentrum der DDR-Kunst sowie der spezifischen künstlerischen Haltung von Wolfgang Mattheuer innerhalb dieses Kontextes.
4. Mattheuers Menschenbilder: Detaillierte Analyse ausgewählter Werkgruppen von Mattheuer, darunter Arbeiter-, Ausbruchs- und Panikbilder sowie Darstellungen von Resignation, unter Einbeziehung mythologischer Motive und stilistischer Anleihen.
5. Zwischen Anpassung und Zerrissenheit: Untersuchung des Spannungsfeldes, in dem sich Mattheuer als anerkannter, aber kritischer Künstler bewegte, sowie der persönlichen Existenzkrise, die sich in seinen späten Arbeiten widerspiegelt.
6. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse, wonach Mattheuer durch sein Werk das offiziell geforderte Menschenbild unterwandert und als kritischer Realist die gesellschaftlichen Widersprüche der DDR thematisiert.
Wolfgang Mattheuer, DDR-Kunst, Sozialistischer Realismus, Leipziger Schule, Menschenbild, Kritischer Realismus, Entfremdung, Mythologie, Sisyphos, Ikarus, Masken, Anpassung, Zerrissenheit, Malerei, Moderne.
Die Masterarbeit untersucht die künstlerische Auseinandersetzung von Wolfgang Mattheuer mit dem Menschenbild in der DDR. Sie analysiert, wie Mattheuer trotz staatlicher Anforderungen an den Sozialistischen Realismus eine kritische und eigenständige künstlerische Position entwickelte.
Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Kunst und Politik, die Bedeutung der Leipziger Schule, die Rolle von Mythen und Symbolen wie Sisyphos oder Ikarus sowie die Darstellung von Arbeitern und gesellschaftlicher Vereinsamung im real existierenden Sozialismus.
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Mattheuer als zeitkritischer Realist durch Metaphern und die Gestaltung menschlicher Ambivalenz die offizielle ideologische Sichtweise auf den Menschen in der DDR unterwandert und deren Widersprüche offenlegt.
Die Autorin kombiniert kunsthistorische Bildanalyse ausgewählter Werke von Mattheuer mit einer historisch-kontextuellen Einordnung, basierend auf Quellen zur Kulturpolitik, zeitgenössischen Debatten und theoretischen Schriften zum Marxismus-Leninismus.
Der Hauptteil gliedert sich in eine systematische Analyse von Mattheuers Bildmotiven, insbesondere Arbeiterbilder, Masken und mythische Gestalten, sowie deren stilistische Verbindung zur Neuen Sachlichkeit und zum Expressionismus, um Mattheuers individuelle Formsprache zu deuten.
Wichtige Begriffe sind Wolfgang Mattheuer, Sozialistischer Realismus, Leipziger Schule, Menschenbild, Entfremdung, kritischer Realist, Ikarus, Sisyphos, Anpassung und Zerrissenheit.
Masken dienen bei Mattheuer als Ausdruck der Identitätslosigkeit und Passivität. Sie symbolisieren den Zwang, sich den gesellschaftlichen Erwartungen anzupassen, und verdeutlichen die Bedrohung des Individuums durch Konformität.
Der "Jahrhundertschritt" ist eine symbolhafte Plastik, die die Zerrissenheit der Menschheit zwischen Gewalt und Hilflosigkeit darstellt. Sie thematisiert die Ideologien des 20. Jahrhunderts und Mattheuers eigenes Ringen mit politischer Anpassung.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

