Bachelorarbeit, 2016
44 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Vorgeschichte
3. Medizin in der Edo-Zeit
3.1 Die Kanpō-Medizin im abgeschlossenen Feudalsystem
3.2 Die Rezeption der westlichen Medizin in Edo-Japan
3.3 Die Landesöffnung
4. Die Modernisierung der Medizin zur Meiji-Zeit
5. Nationalismus und Medizin im Japan des 20. Jahrhunderts
6. Nachkriegszeit bis Gegenwart
7. „Tradition und Moderne“?
8. Fazit
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und den gesellschaftlichen Status der Kanpō-Medizin in Japan, um kritisch zu hinterfragen, ob die häufig bemühte Kategorisierung der japanischen Medizingeschichte als harmonisches Zusammenspiel von „Tradition und Moderne“ den tatsächlichen Gegebenheiten entspricht oder ein Konstrukt darstellt.
3.1 Die Kanpō-Medizin im abgeschlossenen Feudalsystem
1603 erlangte die Tokugawa-Familie den lang erkämpften Sieg um die Vorherrschaft Japans, das durch über hundert Jahre andauernden Bürger- und Familienkriege zersplittert war. Daraufhin errichteten sie das Schogunat, eine Militärregierung. Die Landeseinigung durch die Tokugawa sicherte ihnen die Macht und die Gefolgschaft der übrigen Fürstenfamilien im Land, die dem Shogun, der fortan zur Treue verpflichtet waren. Um die 260 Fürstentümer zu kontrollieren wurden den Lehnsherren hohe Steuern und verpflichtende Reisen in die Hauptstadt auferlegt. Doch nicht nur die strikte Kontrolle im Inneren des Landes, sondern auch die Kontrolle über die Beziehungen zum Ausland war ein Thema, das die neue Regierung, auch bakufu genannt, sehr fokussierte. Es isolierte Japan auf politischer, ökonomischer und gesellschaftlicher Ebene vom Rest der Welt und ließ nur ausgewählte Nationen mit Sondergenehmigung zum Handel an bestimmten japanischen Häfen stationieren. Diese Form der Isolationspolitik wird als „Land in Ketten“ bezeichnet. Jedoch führten die isolierenden Ketten zu einem weitgehend stabilen Frieden im Land, den die Bevölkerung mehr als 250 Jahre lang genießen durfte. Denn für den Schogun war klar, dass ausländischer Einfluss das Land nicht leichter regierbar machen würde. Der Regierungssitz der Tokugawa in Edo wurde zum neuen Knotenpunkt Japans und aus dem einstigen Fischerdorf-Aerial entstand eine zu respektierende Großstadt. Die zweite, wichtige Großstadt war Kyoto, in der der japanische Kaiser, der Tenno, residierte. Doch dieser hatte in der Edo-Zeit keine politische Gewalt und lebte eine repräsentative Rolle. Alle Entscheidungen fielen beim Schogun in Edo (Zöllner 2006: 45–46).
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle der Medizin im Spannungsfeld zwischen Schulmedizin und alternativen Heilverfahren und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Einordnung der Kanpō-Medizin in Japan.
2. Vorgeschichte: Dieses Kapitel zeichnet die Ursprünge der Kräutermedizin in China und deren Transfer sowie erste Adaptionen nach der Ankunft in Japan im 6. Jahrhundert nach.
3. Medizin in der Edo-Zeit: Es wird die Phase der Isolation beschrieben, in der sich die Kanpō-Medizin eigenständig entwickelte, gefolgt von der ersten, schleichenden Rezeption westlicher Medizin durch holländische Schiffsärzte.
4. Die Modernisierung der Medizin zur Meiji-Zeit: Das Kapitel analysiert den radikalen Modernisierungskurs Japans nach 1868, der zur gesetzlichen Marginalisierung der Kanpō-Medizin zugunsten westlicher Standards führte.
5. Nationalismus und Medizin im Japan des 20. Jahrhunderts: Es wird untersucht, wie die Kanpō-Bewegung unter dem Einfluss des japanischen Nationalismus versuchte, ihre Medizin als nationale Identität wiederzubeleben.
6. Nachkriegszeit bis Gegenwart: Die Entwicklung von der Besatzungszeit bis zum „Kanpō-Triumph“ 1976, bei dem erstmals Medikamente der Kanpō-Medizin in das staatliche Versicherungssystem aufgenommen wurden, steht hier im Fokus.
7. „Tradition und Moderne“?: Hier erfolgt die theoretische Reflexion und Dekonstruktion des Konzepts „Tradition und Moderne“ unter Anwendung der Theorie der „erfundenen Tradition“.
8. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Kanpō-Medizin keine harmonische Komponente eines pluralistischen Systems ist, sondern eine durch historische Umwälzungen geprägte Nische einnimmt.
Kanpō-Medizin, Japan, Medizingeschichte, Edo-Zeit, Meiji-Zeit, Schulmedizin, Tradition und Moderne, erfundene Tradition, westliche Medizin, Medizinalpolitik, Nationalismus, Gesundheitswesen, komplementäre Medizin, Integration, Japanisch-Chinesischer Krieg.
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und den heutigen Status der Kanpō-Medizin (traditionelle japanische Medizin) im Kontext der Modernisierung Japans und hinterfragt das gängige Narrativ einer friedlichen Koexistenz zwischen „Tradition und Moderne“.
Zentrale Themen sind die Auswirkungen politischer Isolations- und Öffnungsprozesse (wie die Meiji-Restauration), die Rolle des Nationalismus bei der Definition von Tradition sowie der Vergleich der medizinischen Entwicklung in Japan und China.
Das Ziel ist es, zu analysieren, warum das Konzept von „Tradition und Moderne“ im Fall der japanischen Medizin unangebracht ist und wie historische Ereignisse die heutige Position der Kanpō-Medizin geformt haben.
Die Autorin nutzt eine historisch-analytische Methode, stützt sich auf Fachliteratur zur japanischen Medizingeschichte sowie auf eigene empirische Beobachtungen (z.B. Besuche in Museen und Buchhandlungen) zur Validierung ihrer These.
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch von der Edo-Zeit über die Meiji-Restauration bis zur Nachkriegszeit und untersucht die Verdrängung sowie die spätere Wiederbelebung der Kanpō-Medizin durch medizinpolitische Maßnahmen.
Die Arbeit ist primär durch die Begriffe Kanpō-Medizin, Medizingeschichte Japans, Modernisierung, erfundene Tradition und Medizinalpolitik charakterisiert.
Während China seine traditionelle Medizin (TCM) trotz politischer Herausforderungen stärker in das nationale Gesundheitssystem integrieren und den Austausch auf Augenhöhe („integrated medicine“) fördern konnte, wurde die Kanpō-Medizin in Japan durch Gesetze der Meiji-Zeit nachhaltig an den Rand gedrängt.
Die Autorin nutzt das Konzept nach Eric Hobsbawm, um aufzuzeigen, dass die heutige Kanpō-Medizin bestimmte „traditionelle“ Werte erst im 20. Jahrhundert betonte, um im nationalistischen Umfeld eine Daseinsberechtigung als nationale Identität zu reklamieren.
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