Bachelorarbeit, 2016
49 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Begriffsklärung
2.1 Die Herkunft verschiedener Suizidbegriffe
2.2 Eine inhaltliche Annäherung an den Begriff Suizid
2.3 Formen der Sterbehilfe
2.4 Die Freiheit des Menschen als Grundrecht
3. Philosophische Ideen über den Suizid als historische Skizze
3.1 Die Antike – griechische und römische Philosophie
3.2 Mittelalter – Aquin, Dante und Montaigne
3.3 Die Neuzeit – Kant, Hume und Schopenhauer
3.4 Die Moderne – philosophische Heterogenität
4. Politische und rechtliche Regularien Deutschlands
4.1 Die Strafbarkeit von Suizid und Sterbehilfe
4.1.1 Direkte aktive Sterbehilfe und Suizid im Vergleich
4.1.2 Die indirekte aktive und passive Sterbehilfe
4.2 Das politische Statement zu einer moralischen Frage
5. Warum Suizid? Eine polykausale Ergründung
5.1 Zahlen und Fakten
5.2 Suizid – eine vererbbare Krankheit des Geistes?
5.3 Soziologische Einflussgrößen
5.4 Eine Annäherung an die Psyche von Suizidenten
6. Ambivalenzen der Freiheit im Suizid
6.1 Eine kurze Zusammenschau
6.2 Die Freiheit zu sterben – eine Widersprüchlichkeit?
7. Umgang der Polizei mit Suizid(enten)
8. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht multiperspektivisch das Thema Suizid und die damit verbundene ethische sowie rechtliche Problematik der Freiheit des Menschen über das eigene Leben. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich mit der Ambivalenz zwischen dem Wunsch zur Selbstbestimmung und den staatlichen sowie gesellschaftlichen Schutzpflichten für das menschliche Leben.
3.1 Die Antike – griechische und römische Philosophie
In der Antike wurde der Suizid bereits kontrovers diskutiert. Auf der einen Seite stellten lyrische, epische oder dramatische Texte sowie tragische Theaterstücke den frei gewählten Tod positiv dar. Insbesondere Suizidenten, die dem Tod mit dem Motiv der Ehre entgegentraten wurden in Sagen als Helden verehrt. Der griechische Philosoph Hegesias (um 300 v. Chr.) verbreitete seine pessimistische Lebenseinstellung durch Vorträge so überzeugend, dass er in Ägypten seitens der Herrschaft ein Verbot ausgesprochen bekam, seine Lehre zu verbreiten.
Auf der anderen Seite standen bedeutende griechische Philosophen wie Pythagoras (570–495 v.Chr.) oder Platon (428–348 v.Chr.) aus moralisch-religiösen Gründen nicht für den Suizid ein. Für Platon können zwar Entwürdigungen und unerträgliches Maß an Leid und Schmerz den Tod als Notlösung begründen, grundsätzlich distanziert er sich jedoch in seiner Philosophie von einer Legitimation des Suizids. Vor allem in Platons letztem Dialog „Gesetze“ wird dies deutlich, wenn er den Suizid als „unmännliche Feigheit“, der einer „Energielosigkeit“ zu Grunde liegt, bezeichnet.
Das Beenden des eigenen Lebens sei eine widerrechtliche Strafe gegen sich selbst und eine unerträgliche Schande des Menschen. Noch deutlicher wird dieses Urteil über Suizidenten in den Schriften von Aristoteles, einer der Schüler Platons. Dieser setzt den Suizidenten mit einem Kriminellen gleich, indem er schreibt, dass beide dieselbe Art der Ehrlosigkeit überkommt. Nach Aristoteles soll der erwachsene Mensch seine Kräfte für das Fortleben der Bürgerschaft einsetzen.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik des Suizids ein und verdeutlicht die emotionale Relevanz sowie die Ambivalenz des Themas in Bezug auf menschliche Freiheit und staatliche Eingriffsmöglichkeiten.
2. Begriffsklärung: Dieses Kapitel differenziert verschiedene Suizid-Begriffe wie Selbstmord, Freitod und Opfertod sowie verschiedene Formen der Sterbehilfe und verknüpft diese mit dem grundrechtlichen Kontext der menschlichen Freiheit.
3. Philosophische Ideen über den Suizid als historische Skizze: Hier werden die unterschiedlichen philosophischen Strömungen von der Antike bis zur Moderne analysiert, wobei das Suizid-Verständnis von der Ablehnung bis hin zur Legitimation als Ausdruck höchster Freiheit nachgezeichnet wird.
4. Politische und rechtliche Regularien Deutschlands: Das Kapitel beleuchtet die aktuelle Rechtslage in Deutschland, insbesondere die Strafbarkeit des Tötens auf Verlangen sowie die gesellschaftspolitische Debatte um die geschäftsmäßige Förderung der Selbsttötung.
5. Warum Suizid? Eine polykausale Ergründung: Hier wird untersucht, welche biologischen, soziologischen und psychologischen Einflussgrößen zu suizidalem Verhalten führen und warum dieses Phänomen nie monokausal betrachtet werden kann.
6. Ambivalenzen der Freiheit im Suizid: Dieses Kapitel synthetisiert die vorangegangenen Erkenntnisse und hinterfragt kritisch, ob der Suizid tatsächlich als Ausdruck individueller Freiheit oder als Flucht vor Überforderung zu werten ist.
7. Umgang der Polizei mit Suizid(enten): Es wird erläutert, wie die Polizei bei Suizidgefährdung interveniert und auf welcher gesetzlichen Legitimation (Gefahrenabwehr) dieses Handeln gegenüber dem Selbstbestimmungsrecht beruht.
8. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Suizid ein historisch komplexes Thema bleibt, bei dem der deutsche Staat zwar die persönliche Freiheit grundsätzlich achtet, aber im Konfliktfall dem Schutz des Lebens den Vorrang einräumt.
Suizid, Sterbehilfe, Lebensrecht, Selbstbestimmung, Philosophie, Strafgesetzbuch, Freitod, Psychologie, Soziologie, Ethik, staatliche Schutzpflicht, Polizeirecht, Menschenwürde, Autonomie, Prävention.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob der Suizid als Ausdruck individueller Freiheit verstanden werden kann und wie sich dieser Anspruch mit den rechtlichen und ethischen Schutzpflichten des Staates in Deutschland vereinbaren lässt.
Die zentralen Themen umfassen die historische Philosophie zum Suizid, die aktuelle deutsche Rechtslage zur Sterbehilfe, psychologische sowie soziologische Einflussfaktoren und das praktische Handeln der Polizei bei Suizidversuchen.
Das Ziel ist es, die Ambivalenzen der Freiheit im Suizid multiperspektivisch aufzuzeigen und zu klären, warum der Suizid trotz seiner rechtlichen Straffreiheit staatlich unterbunden wird.
Die Arbeit basiert auf einer interdisziplinären Literaturanalyse, die philosophische, rechtliche, historische, soziologische und psychologische Quellen und Theorien auswertet und gegenüberstellt.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische philosophische Skizze, eine juristische Analyse der Paragraphen des StGB sowie eine Untersuchung der Ursachen und Einflussgrößen für suizidales Verhalten.
Zu den prägenden Schlüsselwörtern gehören: Suizid, Sterbehilfe, Rechtslage, Selbstbestimmung, ethische Legitimation und staatliche Schutzpflicht.
Die Arbeit stellt dar, dass die Polizei trotz der Straffreiheit des Suizids verpflichtet ist, im Rahmen der Gefahrenabwehr Leben zu schützen, da dieses Rechtsgut verfassungsrechtlich den höchsten Stellenwert genießt.
Die Arbeit verdeutlicht, dass Begriffe wie "Selbstmord", "Freitod" oder "Suizid" unterschiedlich konnotiert sind und jeweils unterschiedliche geschichtliche, moralische oder medizinische Kontexte widerspiegeln.
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Entscheidung für den Suizid als "Freiheitshandlung" paradox ist, da sie die Freiheit selbst – und damit die Bedingung für jede weitere Wahlmöglichkeit – endgültig vernichtet.
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