Bachelorarbeit, 2016
43 Seiten, Note: 2,0
I. Einleitung
II. Die Rezeption literarischer Werke im deutschen Rap
1. Theoretischer Einstieg: Intertextualität und Hip-Hop Kultur
1.1. Fünf Typen der Transtextualität nach Gérard Genette
1.2. Hypertextuelle Verfahren
1.2.1. Differenzierung: Transformation und Nachahmung
1.2.2. Register: Spielerisch, satirisch und ernst
1.3. Einführung in die Hip-Hop Kultur
2. Rezeptionsbeispiel: hypertextuelles Verfahren in Prezidents Liedtext "Es heißt, dass sie heiß ist"
2.1 Hypotext Kafka – Kontextualisierung des Briefes
2.2 Hypertext Prezident – Kontextualisierung und hypertextuelles Verfahren
III. Fazit
Diese Bachelorarbeit untersucht die Rezeption literarischer Werke im deutschen Rap, indem sie die intertextuellen Strukturen zwischen literarischen Klassikern und modernen Raptexten analysiert. Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie komplexe literaturwissenschaftliche Konzepte der Intertextualität nach Gérard Genette zur Analyse von Hip-Hop-Texten genutzt werden können, um die künstlerische Tiefe des Genres jenseits gängiger Klischees zu illustrieren.
2.1 Hypotext Kafka – Kontextualisierung des Briefes
Zur Illustration davon, wie sich ein hypertextuelles Verfahren praktisch gestaltet, wird im Folgenden ein Beispiel präsentiert. Der vorliegende Hypotext stammt von Franz Kafka. Es handelt sich dabei um einen Brief an Oskar Pollak, welcher am 8. November 1903 in Prag verfasst worden ist. Durch den Umstand, dass Kafkas Werke stets biographische Bezüge beinhalten, kann man nach Genettes Typologie die meisten seiner Briefe als paratextuelle Elemente, in diesem Fall also Epitexte, betiteln, sodass auch ein Brief ohne weiteres als literarisches Werk determiniert werden kann. Damit das Schreiben in seiner Vollkommenheit aufgefasst werden kann, wird zunächst die Person Oskar Pollak sowie seine Beziehung zu Franz Kafka erläutert. Des Weiteren wird darauf eingegangen, wie Kafkas Leben um 1903 herum gestaltet war. Als Bezugspunkt dafür fungieren vor allem Briefe, welche er zu dieser Zeit verfasst hat.
Oskar Pollak wurde am 5. September 1883 in Prag geboren und stammt damit aus demselben Jahrgang wie Franz Kafka. Ebenso wie Kafka besuchte Pollak das "Altstädter Deutsche Gymnasium", an welchem er als Kafkas Mitschüler in Erscheinung getreten ist. Das Verhältnis zueinander war einzigartig: Pollak, ein "jugendlicher Universalgelehrter mit uferlosen Interessen"90 fungierte für Kafka als maßgeblicher Einfluss in der Identitätssuche. In der Beziehung ließ sich eine Art Schüler-Lehrer-Verhältnis erkennen, in welcher Pollak eine "geistige Energiequelle"91 Kafkas darstellt. Dieser Sachverhalt ist daher sehr erwähnenswert, da Kafka nach der Freundschaft mit Pollak nie wieder ein solches hierarchisches Verhältnis des Intellekts aufgebaut hat. Pollaks geistiger Habitus war darüber hinaus nicht nur als Inspiration Kafkas wichtig, sondern wurde von diesem partiell nachgeahmt92. Welche Ausmaße dies für Kafka angenommen hat, zeigt sich in dem Brief, welchen er am 4. Februar 1902 an Pollak geschrieben hat. Dort schreibt Kafka, dass er oft nicht wüsste, "was aus mir oder aus Dir [Oskar Pollak]"93 sei, was die kognitive Annährung an Pollak enorm betont.
I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Präsenz von Rap im Feuilleton und stellt die Forschungsfrage nach der Rezeption literarischer Klassiker in der modernen Rapmusik anhand von Gérard Genettes Theorie.
II. Die Rezeption literarischer Werke im deutschen Rap: In diesem Kapitel wird die theoretische Grundlage der Transtextualität nach Genette dargelegt, gefolgt von einer Einführung in die Hip-Hop-Kultur und einer detaillierten Analyse des Rapsongs von Prezident.
III. Fazit: Das Fazit resümiert, dass Genettes Typologie erfolgreich auf Rapmusik angewendet werden kann und dass die Arbeit Prezidents eine wertvolle literarische Auseinandersetzung darstellt, die moderne Musik mit klassischer Literatur verbindet.
Intertextualität, Transtextualität, Hypertextualität, Gérard Genette, Hip-Hop Kultur, Rap, Prezident, Franz Kafka, Oskar Pollak, Literaturwissenschaft, Lyrik, Songanalyse, Transformation, Nachahmung, Literaturrezeption.
Die Arbeit untersucht, wie literarische Werke in deutschsprachigen Rap-Texten rezipiert und verarbeitet werden, wobei der Fokus auf den intertextuellen Bezügen liegt.
Zentrale Themen sind die literaturwissenschaftliche Theorie der Transtextualität nach Gérard Genette, die Strukturen der Hip-Hop-Kultur sowie die konkrete Analyse von Prezidents Raptexten in Bezug auf Kafkas Briefe.
Das Ziel ist zu illustrieren, wie scheinbare Gegensätze zwischen "hoher Literatur" und moderner Rapmusik durch hypertextuelle Verfahren produktiv miteinander verknüpft werden können.
Die Arbeit nutzt die strukturalistische Typologie der Transtextualität von Gérard Genette als theoretisches Instrumentarium, um die Relationen zwischen Hypotext (hier: Kafka) und Hypertext (hier: Prezident) systematisch zu analysieren.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur Intertextualität, eine Vorstellung der Hip-Hop-Kultur und eine detaillierte Fallstudie zu Prezidents Song "Es heißt, dass sie heiß ist" im Vergleich zum Brief Kafkas an Oskar Pollak.
Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie Intertextualität, Hypertextualität, Gérard Genette, Hip-Hop-Kultur, Prezident und Franz Kafka charakterisieren.
Im Gegensatz zu oberflächlichen Erwähnungen bekannter Autoren in anderen Rap-Songs nutzt Prezident komplexe hypertextuelle Verfahren wie die diegetische Transposition, um eine tiefgreifende inhaltliche Auseinandersetzung zu führen.
Der Brief an Oskar Pollak dient als konkreter Hypotext, der in Prezidents Song transformiert wird, um Themen wie Isolation, Apathie und die Suche nach dem eigenen Selbst in einer künstlichen Gesellschaft zu reflektieren.
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