Magisterarbeit, 2004
104 Seiten, Note: 2,0 - gut
1 Einleitung
2 Zur Diffusionstheorie
2.1 Diffusion als spezieller Fall von Kommunikation
2.2 Aspekte der Diffusion technischer Innovationen in der Telekommunikation
2.3 Ansichten zur Prognostizierbarkeit technischer Innovationen in der Telekommunikation
3 DAB - der neue Standard für Hörfunkübertragungen?
3.1 Die Entwicklung von Digital Audio Broadcasting
3.2 Technischer Stand von DAB
3.3 Prognosen zur Zukunft von DAB und die Realität
4 Wer würde von DAB profitieren?
4.1 Interessenlage der Empfangsgeräteindustrie und des Handels
4.2 Interessenlage der Netzbetreiber
4.3 Interessenlage der Werbewirtschaft
4.4 Interessenlage der Programmanbieter
4.5 Interessenlage der Zulassungsbehörden
4.6 Interessenlage der Rezipienten
5 Anlage der Untersuchung
5.1 Forschungsstand
5.2 Fragestellung
5.3 Operationalisierung
5.4 Fragebogendesign
5.5 Entscheidung für eine Telefonumfrage
5.6 Stichprobendesign
5.7 Datenauswertung
6 Ergebnisse der Untersuchung
6.1 Kennzahlen zum Stand der Diffusion von DAB
6.2 Einflussfaktoren auf den Diffusionsprozess von DAB
7 Fazit
7.1 Interpretation der Untersuchungsergebnisse
7.2 Zukunftsszenarien für DAB
7.3 DAB - am Anfang oder am Ende?
Die Magisterarbeit untersucht den aktuellen Stand der Markteinführung von Digital Audio Broadcasting (DAB) auf Basis der Diffusionstheorie, um durch eine empirische Pilotstudie Erkenntnisse über den Diffusionsprozess, die Wahrnehmung beim Publikum sowie notwendige strategische Anpassungen zu gewinnen.
2.1 Diffusion als spezieller Fall von Kommunikation
Jeder neuen Idee, jeder neuen Erfindung, jeder neuen Praxis, jeder Entdeckung steht zum Zeitpunkt ihrer „Geburt“ ein ungewisses Schicksal bevor. Vielleicht wird sie unser aller Leben beeinflussen. Vielleicht wird nie jemand von ihr erfahren. Vielleicht liegt ihre Zukunft irgendwo dazwischen. Diesem Prozess der „Ausbreitung einer neuen Idee von der Quelle ihrer Entdeckung bis hin zu ihren letzten Benutzern oder Übernehmern“ (Kaas 1973: 2) widmet sich die Forschung, die ihrem Forschungsgegenstand in Anlehnung an dessen naturwissenschaftliche Bedeutung den Namen „Diffusion“ (vgl. u.a. Rogers 2003: 1ff., Kaas 1973: 1ff.) gegeben hat.
In seiner in der Literatur als Standard allgemein anerkannten Definition umreißt Rogers diesen Begriff wie folgt: „Diffusion is the process in which an innovation is communicated through certain channels over time among the members of a social system.” (Rogers 2003: 5).
Oft beschränken sich die Untersuchungen solcher Prozesse lediglich auf die Betrachtung der Absatzzahlen neuer Produkte (vgl. u.a. Hesse 1987: 1ff.). Der Innovationsbegriff kann jedoch auch deutlich weiter gefasst werden (vgl. Kortmann 1995: 30), neue Verhaltensweisen (vgl. u.a. Kaas 1973: 2), neue Informationen (vgl. u.a. Rogers 2003: 79), sogar neue Meinungen und Einstellungen einschließen (vgl. Fantapié Altobelli 1990: 2).
Ob die Klassifizierung einer Idee als Innovation dabei objektiv messbar ist, darüber herrscht in der Literatur Uneinigkeit. Verschiedentlich ist versucht worden, Kriterien dafür zu finden, etwa eine Idee dann als neu zu erklären, wenn sie in einem bestimmten geografischen Gebiet (noch) weniger als zehn Prozent Verbreitung gefunden hat (Bodenstein 1971: 58). Kaas plädiert für einen ähnlichen Ansatz, der allerdings interindividuelle Divergenzen in der Bewertung von Innovationen berücksichtigt. Für jeden einzelnen Konsumenten sei ein Produkt so lange neu, „wie er es noch nicht gekauft bzw. konsumiert hat“ (Kaas 1973: 2).
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die langjährige Entwicklung von DAB, die Herausforderungen bei der Ablösung der UKW-Technik sowie die Diskrepanz zwischen politisch-technischem Optimismus und der Marktrealität.
2 Zur Diffusionstheorie: Dieses Kapitel legt die theoretischen Grundlagen dar, indem es Diffusion als Kommunikationsprozess definiert und auf Besonderheiten bei Telekommunikationstechnologien sowie Prognosemodelle eingeht.
3 DAB - der neue Standard für Hörfunkübertragungen?: Der Exkurs analysiert die technische Entwicklung von DAB, den aktuellen Stand der Verbreitung sowie die Diskrepanzen zwischen früheren Prognosen und der tatsächlichen Marktentwicklung.
4 Wer würde von DAB profitieren?: Hier werden die Interessenlagen verschiedener Marktakteure wie der Geräteindustrie, Netzbetreiber, Werbewirtschaft und der Rezipienten kritisch hinterfragt, um den „Digital Radio-Teufelskreis“ besser zu verstehen.
5 Anlage der Untersuchung: Dieses Kapitel begründet das methodische Vorgehen der Pilotstudie, einschließlich Fragestellung, Operationalisierung und des Stichprobendesigns für die Telefonumfrage in Halle an der Saale.
6 Ergebnisse der Untersuchung: Die Ergebnisse präsentieren Daten zum Bekanntheitsgrad von DAB, zur Einstellung der Nutzer und prüfen die aufgestellten Hypothesen zu soziodemografischen und affinitätsbasierten Einflussfaktoren.
7 Fazit: Das Fazit interpretiert die Ergebnisse und entwirft verschiedene Zukunftsszenarien für DAB, wobei die Sinnhaftigkeit einer einseitigen Digitalisierungsstrategie aus Nutzersicht in Frage gestellt wird.
Digital Audio Broadcasting, DAB, Diffusionstheorie, Innovationsdiffusion, Rundfunk, UKW, Markteinführung, Telekommunikation, Pilotstudie, Medienwissenschaft, Nutzerakzeptanz, Netzeffekte, Digitalradio, Prognosemodelle, Medienpolitik.
Die Arbeit untersucht den Stand der Markteinführung von Digital Audio Broadcasting (DAB) in Deutschland und analysiert, warum sich die Technologie bisher trotz öffentlicher Förderung nur schwer am Markt durchsetzen konnte.
Zentrale Themen sind die theoretischen Modelle der Diffusionsforschung, die technische Entwicklung von DAB, die divergierenden Interessen der Marktakteure sowie eine eigene empirische Untersuchung zur Wahrnehmung von DAB.
Das primäre Ziel ist es, auf Basis einer Pilotstudie den Diffusionsstatus von DAB zu ermitteln und zu hinterfragen, ob die bisherige Einführungsstrategie – insbesondere die Doppelverbreitung von Programmen über UKW und DAB – zielführend ist.
Die Arbeit nutzt einen theoretischen Teil zur fundierten Literaturrecherche und einen empirischen Teil, bestehend aus einer telefonischen Befragung (Pilotstudie) von Einwohnern in Halle an der Saale.
Der Hauptteil behandelt die Diffusionstheorie, den technischen Stand von DAB, die Interessenanalysen von Wirtschaft und Politik sowie die methodische Anlage und die Ergebnisse der eigenen Untersuchung.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Digital Audio Broadcasting, Innovationsdiffusion, Mediennutzung, Marktstrategien und Nutzerakzeptanz charakterisieren.
Der Autor argumentiert, dass viele Prognosen auf einem „pro-innovation bias“ basieren und die komplexen Netzwerkeffekte sowie die mangelnde Nachfrage nach einem Ersatz für das funktionierende UKW-System unterschätzt haben.
Die Studie deutet darauf hin, dass die aktuelle Strategie, UKW-Programme identisch auf DAB auszustrahlen, keinen Mehrwert für den Nutzer bietet und somit kaum Anreize für einen Umstieg schafft.
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