Bachelorarbeit, 2013
47 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Subjektives Wohlbefinden
2.1 Lebenszufriedenheit versus Glück
2.2 Persönlichkeit versus Lebensumstände
3. Elternschaft und Glück: Empirische Evidenz
3.1 Alter
3.2 Geschlecht
3.3 Familienstand
3.4 Wohlstand
3.5 Fazit der empirischen Befunde
4. Elternschaft und Glück: Laientheorien
4.1 Der Glaube, dass Kinder glücklich machen
4.2 Der Glaube, dass kinderlose Menschen traurig und egoistisch sind
4.3 Genetische und kulturelle Quellen der Laientheorien
5. Erklärungen für Widerspruch zwischen Laientheorien und empirischer Evidenz
5.1 Theorie der kognitiven Dissonanz
5.2 System Justification Theory
5.3 Affective Forecasting/Focusing Illusion
6. Diskussion
7. Referenzen
Die Arbeit untersucht die psychologischen Mechanismen, die erklären, warum Eltern am Glauben festhalten, dass Kinder glücklich machen, obwohl empirische Belege oft auf das Gegenteil oder nur geringe Effekte hinweisen. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Diskrepanz zwischen dieser kulturell weit verbreiteten Laientheorie und den tatsächlichen Auswirkungen der Elternschaft auf das Wohlbefinden.
Theorie der kognitiven Dissonanz
Die Theorie der kognitiven Dissonanz wurde Ende der 1950-er Jahre von Leon Festinger entwickelt. Sie besagt folgendes: Wenn eine Person verschiedene Dinge weiß, die psychologisch inkonsistent mit anderen Dingen sind, wird sie versuchen, sie konsistent zu machen. Kognitive Dissonanz ist gemäß Festinger daher ein motivierender Zustand. So wie etwa Hunger eine Person antreibt zu essen, treibt Dissonanz sie dazu an, ihre Meinungen oder ihr Verhalten zu ändern (Festinger, 1962). Festinger verdeutlicht dies anhand mehrerer Beispiele. Kognitive Dissonanz kann etwa produziert werden, wenn Personen lügen. Die Inkonsistenz besteht darin, dass man weiß, was man wirklich glaubt, aber etwas anderes gesagt hat. Wenn die Aussage unwiderruflich ist, wird die Dissonanz am erfolgreichsten reduziert, indem die private Meinung so geändert wird, dass diese sich mit der Lüge deckt.
Der Grad, zu dem Dissonanz das Individuum motiviert, seine Meinung zu ändern, hängt jedoch von zwei Faktoren ab. Erstens: Je stärker die öffentliche Aussage von dem privaten Glauben abweicht, desto größer ist die Dissonanz. Zweitens: Je schlechter das Individuum die Lüge rechtfertigen kann und je geringer der Druck war zu lügen, desto größer ist die Dissonanz und desto wahrscheinlicher ist es, dass das Individuum seinen privaten Glauben ändert (Festinger, 1962). Diesen Effekt untersuchten Festinger und Carlsmith (1959) in einem Experiment. Studenten wurden zu einer Aussage bewegt, die im Widerspruch zu ihren Überzeugungen stand. Zunächst nahmen die Studenten als Freiwillige in einem vermeintlichen Experiment teil, das eine Stunde dauerte und sehr langweilig und ermüdend war. Anschließend wurden die Studenten jedoch gebeten, dem jeweils nächsten teilnehmenden Studenten – aus experimentellen Gründen – zu sagen, dass die Stunde sehr interessant und spannend war.
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Elternschaft, die Kosten-Nutzen-Diskrepanz und die zentrale Fragestellung der Arbeit.
2. Subjektives Wohlbefinden: Abgrenzung von kognitiven und affektiven Komponenten des Wohlbefindens sowie Diskussion von Persönlichkeitsfaktoren gegenüber Lebensumständen.
3. Elternschaft und Glück: Empirische Evidenz: Analyse empirischer Studien unter Berücksichtigung von demografischen Variablen wie Alter, Geschlecht, Familienstand und Wohlstand sowie deren Einfluss auf das Glücksempfinden.
4. Elternschaft und Glück: Laientheorien: Untersuchung der gesellschaftlichen Annahmen und Mythen über Elternschaft sowie deren genetische und kulturelle Ursprünge.
5. Erklärungen für Widerspruch zwischen Laientheorien und empirischer Evidenz: Psychologische Analyse der Mechanismen (Dissonanz, System Justification, Focusing Illusion), die den Glauben an Kinder als Glücksbringer aufrechterhalten.
6. Diskussion: Synthese der Ergebnisse und Reflexion über die Implikationen für die Sozialpolitik und die Wahrnehmung von Elternschaft.
7. Referenzen: Aufstellung der wissenschaftlichen Quellen und Literaturangaben.
Elternschaft, Glück, Subjektives Wohlbefinden, Kinder, Kinderlosigkeit, Kognitive Dissonanz, System Justification, Affective Forecasting, Focusing Illusion, Lebenszufriedenheit, Psychologie, Sozioökonomische Faktoren, Erziehungskosten, Sozialpolitik, Sinnstiftung.
Die Arbeit untersucht, warum Menschen trotz hoher Erziehungskosten und empirischer Gegenbeweise an dem Glauben festhalten, dass Kinder glücklich machen.
Die Arbeit deckt die Psychologie des Wohlbefindens, die empirische Forschung zur Elternschaft, soziokulturelle Laientheorien sowie psychologische Erklärungsmodelle zur Rechtfertigung von Lebensentscheidungen ab.
Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der wahrgenommenen Glückserfahrung durch Elternschaft und der objektiven, empirischen Datenlage aufzudecken und psychologisch zu erklären.
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und der Auswertung zahlreicher empirischer Studien aus den Bereichen Ökonomie und Psychologie basiert.
Es werden drei Hauptmechanismen identifiziert: die Theorie der kognitiven Dissonanz, die System Justification Theory und das Konzept der Focusing Illusion.
Elternschaft, Glück, Subjektives Wohlbefinden, Kognitive Dissonanz und System Justification sind zentrale Begriffe.
Die Arbeit zeigt, dass Kinder bei jüngeren Eltern oft mit geringerem Wohlbefinden korrelieren, während erwachsene Kinder im Alter einen positiven Effekt auf das Wohlbefinden der Eltern haben können.
Reichere Eltern haben höhere Opportunitätskosten, was paradoxerweise zu einem Konflikt zwischen persönlichen Zielen und der elterlichen Rolle führen kann, wodurch das Gefühl von Sinn im Leben beeinflusst wird.
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