Diplomarbeit, 2007
104 Seiten, Note: 1,0
1. EINLEITUNG
2. DIE SPRACHSITUATION DER SCHWEIZ
2.1 Mehrsprachigkeit
2.2 Sprachenstatistik
2.3 Zusammenleben der Sprachgemeinschaften
2.3.1 Territorialprinzip
2.3.2 Cross cutting cleavages
2.3.3 Konflikte zwischen den Sprachgruppen
2.3.4 Sprachpolitische Herausforderungen
2.4 Gesetzliche Rahmenbedingungen
2.4.1 Bundesverfassung
2.4.2 Sprachengesetz
2.5 Sprachen im öffentlichen Leben
2.5.1 Schule und Ausbildung
2.5.2 Politisch-administrativer Bereich
2.5.3 Auf- und Inschriften
2.5.4 Medien
3. DIE ITALIENISCHSPRACHIGE BEVÖLKERUNG
3.1 Tessin und Italienischbünden
3.1.1 Sprachsituation im Tessin
3.1.2 Ausbreitung der italienischen Sprache im Tessin
3.1.3 Sprachliche Varietäten im Tessin
3.1.4 Sprachsituation in Italienischbünden
3.1.5 Das Tessin zwischen der Schweiz und Italien
3.1.6 Das gegenwärtige Verhältnis des Tessins zu Italien
3.2 Die italienische Sprache außerhalb des Sprachgebiets
3.2.1 Italienische Einwanderer in der deutschsprachigen Schweiz
3.2.2 Fremdarbeiteritalienisch
3.2.3 Gebrauch der italienischen Sprache bei anderssprachigen Schweizern
3.2.4 Italienischsprachige Binnenwanderer
4. DIE FRANZÖSISCHSPRACHIGE BEVÖLKERUNG
4.1 Suisse romande
4.1.1 Sprachsituation
4.1.2 Ausbreitung der französischen Sprache
4.1.3 Die französische Varietät in der Suisse romande
4.1.4 Die Beziehung zu Frankreich
4.1.5 Die Francophonie
4.1.6 Sprachbewertung und Normenproblematik
4.1.7 Sprachgebrauch in den zweisprachigen Kantonen
4.2 Die französische Sprache außerhalb des Sprachgebiets
4.2.1 Französischsprachige Binnenwanderer
4.2.2 Französisch als Berufssprache
5. DIE BEZIEHUNGEN ZWISCHEN DEN SPRECHERGRUPPEN
5.1 Vergleich der beiden Sprachen
5.1.1 Verbreitung
5.1.2 Soziolinguistische Situation
5.1.3 Sprachliche Minderheiten
5.2 Kontakte zwischen italienisch- und französischsprachigen Schweizern
5.2.1 Solidarité latine
5.2.2 Politische Einstellung
5.3 Sprachkenntnisse
5.4 Spracheinstellungen
6. BEFRAGUNG FRANZÖSISCH UND ITALIENISCHSPRACHIGER SCHÜLER
6.1 Methode
6.2 Die befragten Schulklassen
6.2.1 Die italienischsprachige Gruppe
6.2.2 Die französischsprachige Gruppe
6.3 Ergebnisse
6.3.1 Muttersprache
6.3.2 Fremdsprachenkenntnisse
6.3.3 Soziale Kontakte zu gleichsprachigen und anderssprachigen Gruppen
6.3.4 Sprache und Identität
6.3.5 Spracheinstellungen
6.3.6 Fazit
7. AUSBLICK
Die vorliegende Arbeit untersucht soziolinguistische Aspekte der italienischen und französischen Sprache in der Schweiz, um deren Rolle als Minderheitensprachen, ihre Beziehung zu den jeweiligen Nachbarländern sowie ihre Verwendung und Stellung innerhalb der schweizerischen Gesellschaft zu beleuchten.
3.1.3 Sprachliche Varietäten im Tessin
Im Laufe der Auflösung der Diglossie-Beziehung wurden die Tessiner Dialekte durch die Standardsprache überlagert, wodurch regionale Varietäten (italiani regionali) entstanden. Dieselbe Entwicklung findet auch in den Regionen Italiens statt (vgl. D´Achille 2003: 31; siehe auch 3.1.2).
Das italiano regionale, das im Tessin gesprochen wird, ist als eine Art Ausgleichssprache (‚Koiné’) zwischen den Mundarten von Lugano, Locarno und Bellinzona entstanden und orientiert sich an der Sprache der norditalienischen Städte (vgl. Lurati 2000: 206). Der dialektale Charakter des Regionalitalienischen geht, vor allem in Phonologie und Intonation, immer mehr verloren (vgl. Bianconi/Patocchi 1993: 350). Nach Beobachtungen von Bianconi und Patocchi (1993: 350ff) sind viele phonetische Besonderheiten wie die Vereinfachung von Doppelkonsonanten und die Abschwächung des intervokalischen -v-, die als typische Merkmale der lokalen, dialektalen Aussprache galten, verschwunden. Die Tendenz der Entregionalisierung betrifft allerdings nicht die Charakteristika der Aussprache, die allgemein in Norditalien verbreitet sind, wie die „vom Standard abweichende Realisierung des offenen und geschlossenen e und o“. Hierzu ein Beispiel: Perchè [per´ke] wird in den nördlichen Regionen Italiens und in der Südschweiz mit offenem -e [per´kε] ausgesprochen (vgl. Bianconi/Patocchi 1993: 350).
Lange Zeit war das italiano regionale der Schweizer durch Hyperkorrektismus geprägt. Die Tessiner wollten sich an das Vorbild der italienischen Sprachvarietät anpassen und veränderten aus Angst vor Fehlern ihre Aussprache teilweise so stark, dass sie über das Vorbild hinausging (vgl. Lurati 1976: 130). Sie sind sich bewusst, dass sich ihr Italienisch von dem, das in Italien gesprochen wird, unterscheidet. Vielen gefällt die in Italien gesprochene Varietät besser und sie sind der Meinung, dass ihre regionale Varietät des Italienischen schlechter sei (vgl. Franceschini 1991: 111).
Die regionale Varietät ist in sich nicht homogen, sondern variiert je nach Sprachkenntnissen, Bildung und dem Wunsch des Sprechers, sich der italienischen Norm anzupassen (Lurati 1976: 130). Im schweizerischen Italienisch gibt es einige Sprachformen, die in den Sprachvarietäten in Italien nicht vorkommen.
1. EINLEITUNG: Überblick über das Ziel der Arbeit, soziolinguistische Aspekte der italienischen und französischen Sprache in der Schweiz zu untersuchen.
2. DIE SPRACHSITUATION DER SCHWEIZ: Darstellung der allgemeinen Mehrsprachigkeit, der rechtlichen Rahmenbedingungen und der Rolle der Sprachen im öffentlichen Leben.
3. DIE ITALIENISCHSPRACHIGE BEVÖLKERUNG: Analyse der Sprachverhältnisse im Tessin und in Italienischbünden sowie der Situation italienischsprachiger Migranten außerhalb ihres Kerngebiets.
4. DIE FRANZÖSISCHSPRACHIGE BEVÖLKERUNG: Untersuchung der Sprachsituation in der "Suisse romande", der sprachlichen Identität und der Beziehung zu Frankreich.
5. DIE BEZIEHUNGEN ZWISCHEN DEN SPRECHERGRUPPEN: Vergleich der beiden romanischen Sprachen sowie Analyse der Kontakte, Sprachkenntnisse und Einstellungen zwischen den Sprechergruppen.
6. BEFRAGUNG FRANZÖSISCH UND ITALIENISCHSPRACHIGER SCHÜLER: Vorstellung der empirischen Untersuchungsmethode und der Ergebnisse zu Sprachkenntnissen, Kontakten und Spracheinstellungen bei Jugendlichen.
7. AUSBLICK: Zusammenfassende Einschätzung zur Zukunft der italienischen und französischen Sprache in der Schweiz angesichts gesellschaftlicher und internationaler Einflüsse.
Schweiz, Soziolinguistik, Italienisch, Französisch, Mehrsprachigkeit, Sprachminderheiten, Tessin, Suisse romande, Spracheinstellungen, Identität, Territorialprinzip, Diglossie, Sprachkontakt, Fremdsprachenunterricht, Minderheitensituation
Die Arbeit analysiert die soziolinguistische Situation der italienischen und französischen Sprache in der Schweiz unter Berücksichtigung ihrer Funktion als Minderheitensprachen und ihres Umgangs mit dem sprachlichen Mehrheitskontext.
Zu den zentralen Themen gehören die Sprachsituation in den jeweiligen Sprachgebieten, die Bedeutung der Sprachen im öffentlichen Leben, der Einfluss von Sprachkontakten sowie die Einstellungen und Identitätsbildung der Sprecher.
Das Ziel ist es, einen Überblick über soziolinguistische Aspekte dieser beiden Sprachen zu bieten, ihre Beziehung zueinander zu untersuchen und die aktuelle Situation durch eine eigene Befragung zu ergänzen.
Die Autorin kombiniert eine Literaturanalyse zu soziolinguistischen Themen mit einer schriftlichen, postalischen Befragung von Schülern in der italienisch- und französischsprachigen Schweiz.
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Beschreibung der Sprachsituation, rechtliche Aspekte wie die Bundesverfassung, die spezifischen Verhältnisse im Tessin und in der Romandie sowie die Beziehung zwischen den Sprechergruppen.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Schweizer Mehrsprachigkeit, Sprachminderheiten, Territorialprinzip, Diglossie, Spracheinstellungen und kulturelle Identität charakterisiert.
Während im Tessin das Italienische als alleinige Amtssprache dient, zeigt die Arbeit auf, dass Tessiner sich oft in einer doppelten Minderheitensituation befinden und eine starke kulturelle Orientierung an Italien aufweisen, wohingegen in der Romandie das Französische eine stärkere Assimilationskraft besitzt.
Die Befragung zeigt, dass Jugendliche in beiden Sprachregionen ein hohes Bewusstsein für die eigene Sprache haben, Englisch als wichtigste Sprache für die berufliche Zukunft betrachten und eine überwiegend positive Einstellung zu den anderen schweizerischen Sprachgruppen pflegen.
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