Bachelorarbeit, 2016
59 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Theorie der Warteschlange
2.2 Erving Goffman
2.3 Harold Garfinkel
2.4 Zur Aktualität von Ethnomethodologie
2.5 Vergleich: Krise bei Goffman und Garfinkel
3 Methodik
3.1 Probanden, Experimentatoren und Design
3.2 Verfahrensweise
3.3 Messinstrument und Typisierung
4 Ergebnisse
5 Zusammenfassung und Fazit
Das Hauptziel dieser Bachelorarbeit besteht darin, den Bruch alltäglicher Erwartungshaltungen durch ein soziologisches Krisenexperiment zu untersuchen, um die Reaktionen von Individuen auf normverletzendes Verhalten in Warteschlangen zu analysieren und theoretisch einzuordnen.
2.1 Theorie der Warteschlange
Die Warteschlangentheorie entstammt der Wahrscheinlichkeitsforschung und wird überwiegend in Unternehmen eingesetzt. Sie gibt Rückschlüsse auf die Zahl der Wartenden im Schlangensystem, die benötigte Personalanzahl in Unternehmen, der voraussichtlichen Wartezeit der sich in der Schlange befindenden Personen und über mögliche Unregelmäßigkeiten im Abfertigungsprozess. Zimmermanns Theorie dient der Optimierung von Wartebereichen in Supermärkten. Ich mache mir diese Theorie für die Beschreibung eines Alltagsphänomens aus soziologischer Perspektive zu eigen.
Warteschlangen kommen Werner Zimmermann zufolge dann zustande, wenn es vor einer oder mehrerer Abfertigungsstationen in einer bestimmten Zeiteinheit mehr Einheiten eintreffen als im gleichen Zeitraum abgefertigt werden können (Zimmermann 2001: 361).
Die Wartenden empfinden häufig Unbehagen, da für sie ein Zeitverlust entsteht, auf den sie keinen Einfluss nehmen können (Zimmermann 2001: 361). Dieses Unbehagen kann anhand Alfred Schützs und Thomas Luckmanns Annahmen in „Strukturen der Lebenswelt“ erläutert werden. Sie unterschieden in dem Werk zwischen innerer und äußerer Zeit: „die Struktur der Lebensweltlichen Zeit baut sich in Überschneidungen der subjektiven Zeit des Bewusstseinsstroms, der inneren Dauer, mit der Rythmik des Körpers wie der 'biologischen Zeit' überhaupt mit den Jahreszeiten wie der Welt-Zeit überhaupt und dem Kalender, der 'sozialen Zeit'“ (Schütz, Luckmann 1979: 75). Es existiert also eine Differenz zwischen innerer, äußerer und auch sozialer Zeit. Des weiteren führt Zimmermann den Begriff des Warteschlangensystems ein, welches besagt, dass die Ankunft oder Reihenfolge der Einheiten in einem System und die Abfertigung dieser stochastisch verteilt sind, d.h. durch viele zufällige Variablen variieren (Zimmermann 2001: 361). Es handelt sich um kein Warteschlangensystem, wenn Ankunft und Abfertigung streng determiniert sind wie beispielsweise bei der Fließbandabfertigung (ebd.). Ein Warteschlangensystem besteht dabei aus folgenden Elementen: Der ankommenden, der wartenden und der gerade bedient werdenden Einheit.
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die soziologische Bedeutung von Werten, Normen und Erwartungshaltungen ein und stellt die Forschungsfrage zur Wirkung von Normbrüchen auf Individuen.
2 Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel erläutert die Theorie der Warteschlange sowie die theoretischen Ansätze von Erving Goffman und Harold Garfinkel bezüglich des Krisenbegriffs und der sozialen Ordnung.
3 Methodik: Hier wird das Design der Krisenexperimente, die Auswahl der Probanden und die Vorgehensweise bei der teilnehmenden Beobachtung detailliert dargelegt.
4 Ergebnisse: Die Ergebnisse präsentieren die empirischen Daten der durchgeführten Experimente, kategorisiert nach Geschlecht, Alter und Standort.
5 Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit reflektiert die Ergebnisse, diskutiert die Grenzen der Untersuchung und unterstreicht die Relevanz der soziologischen Hinterfragung alltäglicher Handlungen.
Krisenexperiment, Harold Garfinkel, Erving Goffman, soziale Normen, Alltagshandeln, Warteschlange, Ethnomethodologie, Normbruch, Interaktion, kognitive Dissonanz, soziale Ordnung, teilnehmende Beobachtung, Krisenbewältigung, Erwartungshaltungen, soziale Interaktion.
Die Arbeit untersucht den Bruch von alltäglichen Erwartungshaltungen im Kontext von Warteschlangen, um besser zu verstehen, wie soziale Ordnung durch unbewusste Regeln konstruiert wird.
Die zentralen Themen sind soziale Normen, das Konzept der "Krise" bei den Soziologen Goffman und Garfinkel, die methodische Durchführung von Krisenexperimenten und die Analyse von Interaktionsstrukturen.
Das Ziel ist es zu beantworten, welche Konflikte entstehen, wenn alltägliche Erwartungshaltungen in einer Warteschlange bewusst gebrochen werden, und welche Folgen dies für das betroffene Individuum hat.
Es wird eine qualitative Erhebungsmethode in Form einer teilnehmenden Beobachtung angewandt, ergänzt durch Krisenexperimente nach Harold Garfinkel.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung durch Goffman und Garfinkel, die methodische Planung sowie die detaillierte Darstellung und Auswertung der empirischen Experimentergebnisse.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Krisenexperiment, soziale Normen, Ethnomethodologie, Normbruch, Erwartungshaltungen und soziale Interaktion.
In Halle (Saale) zeigten die Probanden tendenziell längere Reaktionszeiten und öfter verbale Äußerungen, während in Pocking die Reaktionszeit kürzer war und häufiger ein direktes Überholen des Experimentators stattfand.
Die Autorin führt dies auf Faktoren wie das gewählte experimentelle Setting, die unzureichende soziale Isolation der Probanden und mögliche Mentalitätsunterschiede zurück, die dazu führten, dass nicht alle Probanden mit deutlicher Krise oder Ärger reagierten.
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