Bachelorarbeit, 2014
73 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
2 Theoretischer Teil
2.1 Personalauswahl
2.1.1 Prozess
2.1.2 Methoden
2.1.3 Urteile und mögliche Fehlurteile
2.2 Heuristiken
2.2.1 Definition
2.2.2 Beispiele aus dem Alltag
2.2.3 Abgrenzung zu Algorithmen und dem Homo oeconomicus
2.2.4 Vor- und Nachteile von Heuristiken
2.3 Urteilsheuristiken
2.3.1 Repräsentativitätsheuristik
2.3.2 Rekognitionsheuristik
2.3.3 Verfügbarkeitsheuristik
2.3.4 Affektheuristik
2.3.5 Ankerheuristik
2.3.6 Eliminationsheuristik
2.3.7 Take-the-best Heuristik
2.4 Zusammenfassung und Fazit
3 Fragestellung und Hypothesen
4 Methodik
5 Ergebnisse
5.1 Repräsentativitätsheuristik
5.2 Rekognitionsheuristik
5.3 Verfügbarkeitsheuristik
5.4 Affektheuristik
5.5 Ankerheuristik
6 Interpretation und Schlussfolgerung
7 Diskussion
Die Arbeit untersucht die Forschungsfrage, ob und in welchem Ausmaß Urteilsheuristiken im Prozess der Personalauswahl Anwendung finden. Dabei steht die Analyse im Fokus, ob Entscheidungsträger bei der Auswahl von Personal systematisch auf mentale Abkürzungen zurückgreifen, um komplexe Urteilsprozesse unter Unsicherheit und Zeitdruck zu vereinfachen.
2.3.1 Repräsentativitätsheuristik
Ein Urteil wird auf Basis der Repräsentativitätsheuristik („representativeness heuristic“) vorgenommen, wenn das Urteil darauf basiert, wie repräsentativ die gegebenen Informationen für eine gesamte Kategorie sind, ähnlich wie bei einer Stereotypisierung (Kahneman & Tversky, 1972).
Ein klassisches Beispiel für die Anwendung der Repräsentativitätsheuristik ist das bekannte „Linda-Problem“ von Tversky und Kahneman (1983):
Linda is 31 years old, single, outspoken, and very bright. She majored in philosophy. As a student, she was deeply concerned with issues of discrimination and social justice, and also participated in anti-nuclear demonstrations.
Which is more probable?
(a) Linda is a bank teller.
(b) Linda is a bank teller and is active in the feminist movement. (S.297)
Die Testpersonen mussten dabei beurteilen, ob die fiktive Person Linda eher eine (a) Bankkassiererin oder (b) eine Bankkassiererin ist, die auch in der feministischen Bewegung tätig ist. Von den Testpersonen haben sich 85% für Antwortmöglichkeit (b) entschieden. Für sie war somit die Tatsache, dass Lina eine feministisch aktive Bankkassiererin ist repräsentativer, als dass sie „nur“ eine Bankkassiererin ist.
Die kognitive Verzerrung bei der Repräsentativitätsheuristik liegt darin, dass bei der Wahrscheinlichkeitsschätzung die Basisrate vernachlässigt wird (Kahneman & Tversky, 1972; Kahneman, Slovic & Tversky, 1982; Tversky & Kahneman, 1983). Aus statistischer Sicht ist das ein Fehler, da die Wahrscheinlichkeit, dass Linda Bankkassiererin und Feministin (p(A∩B)) ist, nicht größer sein kann, als dass sie Bankangestellte (p(A)) oder Feministin (p(B)) ist (siehe Venn-Diagramm in folgender Abbildung).
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik ein, wie Menschen Urteile fällen, und stellt das Ziel der Bachelorarbeit vor, die Anwendung von Urteilsheuristiken im Kontext der Personalauswahl zu erforschen.
2 Theoretischer Teil: Dieses Kapitel erläutert den Prozess der Personalauswahl, definiert Heuristiken als mentale Abkürzungen und stellt die fünf untersuchten Urteilsheuristiken (Repräsentativität, Rekognition, Verfügbarkeit, Affekt, Anker) detailliert dar.
3 Fragestellung und Hypothesen: In diesem Abschnitt werden die Forschungsfrage präzisiert und fünf konkrete Hypothesen formuliert, die den Einsatz der jeweiligen Heuristiken bei Personalentscheidern postulieren.
4 Methodik: Hier wird der Aufbau des entwickelten Fragebogens mit 15 Items beschrieben sowie die Stichprobenziehung, die Datengewinnung und das statistische Vorgehen mittels Bernoulli-Versuchen dargelegt.
5 Ergebnisse: Dieses Kapitel präsentiert die erhobenen Daten der Umfrage, gegliedert nach den fünf Heuristiken, inklusive der statistischen Auswertung und Hypothesenprüfung für jedes Item.
6 Interpretation und Schlussfolgerung: Die Ergebnisse werden hier in Bezug auf die Hypothesen interpretiert und die zentrale Forschungsfrage beantwortet, ob Urteilsheuristiken tatsächlich bei der Personalauswahl zum Einsatz kommen.
7 Diskussion: Abschließend werden die methodischen Schwächen der Untersuchung reflektiert, die Reliabilität und Validität kritisch hinterfragt und Handlungsempfehlungen für die Praxis abgeleitet.
Personalauswahl, Urteilsheuristiken, Repräsentativitätsheuristik, Rekognitionsheuristik, Verfügbarkeitsheuristik, Affektheuristik, Ankerheuristik, Kognitive Verzerrungen, Fehlurteile, Entscheidungsfindung, Personaldiagnostik, Binomialverteilung, Bernoulli-Versuche, Mentale Abkürzungen, Personalauslese.
Die Arbeit untersucht, ob Entscheidungsträger bei der Personalauswahl unbewusst auf sogenannte Urteilsheuristiken zurückgreifen, um komplexe Beurteilungssituationen zu vereinfachen.
Die zentralen Themenfelder umfassen die psychologischen Grundlagen der Personenbeurteilung, die verschiedenen Arten von Heuristiken und deren Auswirkungen auf die Qualität der Auswahlentscheidungen im Personalwesen.
Das primäre Ziel ist es, empirisch festzustellen, ob bei der Auswahl von Personal in Unternehmen Urteilsheuristiken angewendet werden, um Bewerberleistungen und Kompetenzen einzuschätzen.
Der Autor entwickelte einen standardisierten Fragebogen mit 15 situativen Szenarien aus der Personalauswahlpraxis. Die Daten von 53 Fachpersonen wurden anschließend mittels Bernoulli-Versuchen statistisch auf heuristische Antworttendenzen geprüft.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Einleitung zu den Heuristiken, die Ableitung von Hypothesen für die fünf ausgewählten Heuristiken und eine detaillierte Darstellung und Auswertung der empirischen Ergebnisse.
Wichtige Schlüsselbegriffe sind Personalauswahl, Urteilsheuristiken, kognitive Verzerrungen, Entscheidungsfindung unter Unsicherheit und Personaldiagnostik.
Die Ankerheuristik zeigt, dass bereits genannte Zahlen (Ankerwerte) die nachfolgende Schätzung beeinflussen, was bedeutet, dass ein hoher Gehaltsanker die Verhandlungsbasis massiv verschieben kann.
Die Rekognitionsheuristik führt dazu, dass bekannte Namen von Unternehmen oder Universitäten oft als qualitativ hochwertiger wahrgenommen werden, selbst wenn dies sachlich nicht durch die tatsächliche Kompetenz der Bewerber belegt ist.
Der Autor schlussfolgert, dass der Einsatz von Heuristiken zwar effizient ist, aber das Risiko systematischer Fehlurteile birgt, weshalb eine Sensibilisierung und Schulung der Entscheidungsträger für die Praxis empfohlen wird.
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