Bachelorarbeit, 2017
46 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Moral
2.1. Begriffsbestimmung
2.2. Moral in der Kinder- und Jugendliteratur
3. Diachrone Betrachtung der Moral in der Kinder- und Jugendliteratur
3.1. Aufklärung: Joachim Heinrich Campe Robinson der Jüngere
3.1.1. Anpassung an die zeitgenössische Konzeption von Moral
3.1.2. Erzählperspektive und Moral
3.1.3. Figurenverhalten in moralischen Konfliktsituationen
3.2. Nachkriegszeit: Erich Kästner Die Konferenz der Tiere
3.2.1. Anpassung an die zeitgenössische Konzeption von Moral
3.2.2. Erzählperspektive und Moral
3.2.3. Figurenverhalten in moralischen Konfliktsituation
3.3. Gegenwart: Andreas Steinhöfel Rico, Oskar und die Tieferschatten
3.3.1. Anpassung an die zeitgenössische Konzeption von Moral
3.3.2. Erzählperspektive und Moral
3.3.3. Figurenverhalten in moralischen Konfliktsituationen
4. Entwicklung der Moralvorstellung in der Kinder- und Jugendliteratur
5. Moralische Wertevermittlung im Deutschunterricht durch Kinder- und Jugendliteratur
6. Fazit
Die Arbeit untersucht die diachrone Entwicklung moralischer Werteerziehung in der Kinder- und Jugendliteratur von der Aufklärung bis zur Gegenwart, um die Hypothese zu belegen, dass diese Literatur auch heute noch eine moralische Erziehungsfunktion erfüllt, wenn auch in gewandelter Form.
3.1.1. Anpassung an die zeitgenössische Konzeption von Moral
Nach Troeltsch ist die Aufklärung die "immanente Erklärung der Welt aus überall gültigen Erkenntnismitteln und eine rationale Ordnung des Lebens im Dienste allgemeingültiger praktischer Zwecke“ (Wild, 2002, S. 46), was das praktische Ziel integrierte, die Welt so zu gestalten, dass Glück für alle möglich gemacht wird. Die Grundvorstellung der Aufklärung ist also die Idee einer fortschreitenden Vervollkommnung, die sich erreichen lässt durch die „Erziehung des Einzelnen und des Menschengeschlechts“ (Wild, 2002, S. 51). Besonders starken Einfluss auf die Pädagogik der Epoche hatten John Locke, Jean-Jacques Rousseau und Immanuel Kant mit ihren Werken und sollen deshalb kurz vorgestellt werden. 1693 schrieb Locke seinen Essay Gedanken über die Erziehung in welchem er die Vernunft nicht nur als Erkenntnisvermögen, sondern auch als Instanz der Tugenden beschreibt. Insbesondere bei Kindern, welche als ganz von Trieben und Sinnen beherrscht galten, war eine frühe Erziehung zur Vernunft nötig. An ihm orientierte sich Jean-Jacques Rousseaus Erziehungsroman Emile ou de L´Education (Emile oder Über die Erziehung) (1762). Die Konzeption der natürlichen Erziehung folgte dem Prinzip, dass die Ausbildung der Natur des Kindes notwendig zur Tugendhaftigkeit führt, da die Natur gut sei. Außerdem kennzeichnete der Roman den Beginn der Kinder- und Jugendliteratur und die Abgrenzung der Kindheit als eigene Phase vom Erwachsensein, durch Rousseaus Vorstellungen von der Eigenständigkeit des Kindes und den eigenen Bedingungen und Gesetzmäßigkeiten der Kindheit. An diesen Erkenntnissen und Vorstellung orientiert sich auch die Pädagogik der Philanthropen im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts. Die Erziehung der Kinder sollte sich an die Eigenheit der Kinder anpassen, so dass beispielsweise spielerische Elemente in den Lernvorgang integriert wurden. Die Vermittlung rein theoretischer Inhalte tritt so in den Hintergrund, während praktische und körperliche Erfahrungen in den Vordergrund rücken.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problemstellung der moralischen Erziehung in der Kinder- und Jugendliteratur ein und stellt die Hypothese auf, dass diese Literatur auch heute noch erzieherisch wirkt.
2. Moral: Hier werden theoretische Grundlagen geschaffen, indem der Begriff "Moral" definiert und verschiedene moralpsychologische Ansätze, unter anderem nach Kohlberg und Lind, diskutiert werden.
3. Diachrone Betrachtung der Moral in der Kinder- und Jugendliteratur: Dieses Kapitel analysiert anhand von drei Werken (Campe, Kästner, Steinhöfel) die Veränderung der moralischen Vermittlung über verschiedene Epochen hinweg.
4. Entwicklung der Moralvorstellung in der Kinder- und Jugendliteratur: Das Kapitel fasst die historische Entwicklung zusammen und konstatiert den Wandel von expliziter Belehrung hin zur impliziten Auseinandersetzung mit moralischen Werten.
5. Moralische Wertevermittlung im Deutschunterricht durch Kinder- und Jugendliteratur: Es wird erörtert, wie Kinder- und Jugendliteratur didaktisch genutzt werden kann, um moralische Kompetenzen und kritisches Denken bei Schülern zu fördern.
6. Fazit: Das Fazit resümiert die Ergebnisse der Arbeit und bestätigt, dass moralische Aspekte in Kinderbüchern auch heute, wenn auch subtiler, eine wesentliche Rolle bei der literarischen Bildung spielen.
Kinder- und Jugendliteratur, Moral, Werteerziehung, Aufklärung, Nachkriegszeit, Gegenwartsliteratur, Joachim Heinrich Campe, Erich Kästner, Andreas Steinhöfel, Moralkompetenz, Deutschunterricht, Literaturdidaktik, Robinson der Jüngere, Die Konferenz der Tiere, Rico, Oskar und die Tieferschatten.
Die Arbeit untersucht die Rolle der Moral in der Kinder- und Jugendliteratur vom 18. Jahrhundert bis heute.
Die zentralen Felder sind die historische Wandlung der Moralvorstellungen, die Darstellung moralischer Konflikte in den Werken und die Funktion der Literatur als Instrument der Werteerziehung.
Das Ziel ist es zu belegen, dass die Kinder- und Jugendliteratur auch heute nicht autonom von moralischen Wertvorstellungen ist, sondern diese weiterhin vermittelt, wenn auch in einer weniger direkten Form als zur Zeit der Aufklärung.
Die Arbeit nutzt eine diachrone Analyse von drei ausgewählten literarischen Werken, unter Berücksichtigung pädagogischer Konzepte und moralpsychologischer Theorien, etwa nach Kohlberg.
Der Hauptteil analysiert detailliert, wie sich die Anpassung an zeitgenössische Moral, die Erzählperspektive und das Figurenverhalten in moralischen Konfliktsituationen in Campes "Robinson der Jüngere", Kästners "Die Konferenz der Tiere" und Steinhöfels "Rico, Oskar und die Tieferschatten" äußern.
Wichtige Schlüsselwörter sind moralische Erziehung, literarische Kompetenz, didaktische Funktion und die Verbindung von Pädagogik und Literatur.
In der Aufklärung war das Ziel eine explizite moralische Belehrung (Erziehung zur Tugend), während heute die Literatur eher dazu einlädt, durch Identifikation mit den Figuren und Reflexion von Handlungsspielräumen eigene moralische Schlüsse zu ziehen.
Kästner nutzt Tiere als moralische Akteure, um menschliches Fehlverhalten (wie Kriege und politische Sturheit) zu spiegeln und den Lesern eine Vorbildfunktion zu bieten, die moralische Empathie fördert.
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