Examensarbeit, 2017
108 Seiten, Note: 1,0
1. EINLEITUNG
1.1 ERKENNTNISINTERESSE UND FRAGESTELLUNG
1.2 FORSCHUNGSSTAND
1.3 QUELLENLAGE
1.4 BEGRIFFSDEFINITION
2. BILDUNGSPOLITIK UND BILDUNGSWESEN IN DER SBZ/DDR BIS ZUM MAUERBAU
3. WIDERSTAND UND OPPOSITION AN DEN OBERSCHULEN - EIN ÜBERBLICK
4. WIDERSTAND UND OPPOSITION ANHAND VON FALLBEISPIELEN
4.1 DIE OBERSCHULE IN ALTENBURG
4.2 DIE OBERSCHULE IN GÜSTROW
4.3 DIE OBERSCHULE IN EISENBERG
5. STAATLICHE REAKTIONEN
5.1 PARTEI- UND STAATSAPPARAT
5.2 JUSTIZ
5.3 SCHULEN
6. GESELLSCHAFTLICHE REAKTIONEN
6.1 SCHÜLER UND LEHRER
6.2 ANGEHÖRIGE
6.3 MEDIEN
7. LANGFRISTIGE FOLGEN
7.1 BETROFFENE
7.2 JURISTISCHE UND GESELLSCHAFTLICHE AUFARBEITUNG
8. FAZIT
9. PERSONENVERZEICHNIS
10. QUELLEN- UND LITERATURVERZEICHNIS
10.1 QUELLEN
10.1.1 Gedruckte Quellen
10.1.2 Ungedruckte Quellen
10.1.3 Elektronische Quellen
10.2 LITERATUR
Die vorliegende Arbeit untersucht das oppositionelle und widerständige Handeln von Schülern und Lehrern an Oberschulen in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und der frühen DDR im Zeitraum von 1945 bis 1961. Ziel ist es, die Motive, Widerstandsformen, staatlichen sowie gesellschaftlichen Reaktionen anhand ausgewählter Fallbeispiele chronologisch zu analysieren.
1.1 ERKENNTNISINTERESSE UND FRAGESTELLUNG
„Wir waren alle starr. Obwohl uns bekannt war, dass die Todesstrafe im Februar 1950 von der Sowjetunion still und heimlich wieder eingeführt worden war, hatten wir mit einem derartig harten Urteil nicht gerechnet. Niko Ostermann war völlig geistesabwesend. Siegfried Flack blickte starr geradeaus. Achim Näther grinste leise vor sich hin.“
Was Jörn-Ulrich Brödel in diesem Auszug aus einem Zeitzeugenbericht Jahrzehnte nach der Verurteilung niedergeschrieben hat, lässt ein bedrückendes Gefühl der Betroffenheit zurück. Nach eigenen Angaben saß er eine Reihe hinter den Hauptangeklagten. Er kam mit dem Leben davon und wurde zu 25 Jahren „Besserungsarbeitslager“ verurteilt. Heute ist er neben Rudi Edling der letzte Überlebende einer kaum bekannten Widerstandsgruppe.
Die Gruppenmitglieder Niko Ostermann, Siegfried Flack und Hans-Joachim Näther wurden am 13. September 1950 zum Tode verurteilt. Sie waren Schüler und Lehrer an einer Oberschule im ostthüringischen Altenburg. Was waren ihre Verbrechen, die ein solch drakonisches Strafmaß gerechtfertigt hätten?
Sie hatten „antidemokratisch[e]“ Flugblätter verteilt und den Buchstaben „F“ an Haustüren und Postkästen geklebt. Für die Ankläger waren damit Kontakte zu der als Spionageorganisation geltenden „Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit“ nachgewiesen. Zudem hatten sie ein „antisowjetisches“ Gedicht verbreitet und wollten mit Hilfe eines selbstgebauten Senders eine „antisowjetische“ Radiosendung durchführen. Ihre Gnadengesuche wurden von der stalinistischen Justiz nicht erhört. Sie wurden im Dezember 1950 in Moskau hingerichtet.
1. EINLEITUNG: Definiert das Thema, begründet den Untersuchungszeitraum von 1945 bis 1961 und erläutert die methodische Vorgehensweise anhand von Zeitzeugengesprächen und Aktenstudien.
2. BILDUNGSPOLITIK UND BILDUNGSWESEN IN DER SBZ/DDR BIS ZUM MAUERBAU: Beschreibt die Transformation des Schulwesens durch die sowjetische Besatzungsmacht und die SED, geprägt von Entnazifizierung und ideologischer Umgestaltung.
3. WIDERSTAND UND OPPOSITION AN DEN OBERSCHULEN - EIN ÜBERBLICK: Bietet eine chronologische Übersicht über oppositionelle Aktivitäten an verschiedenen Oberschulen in der SBZ und DDR.
4. WIDERSTAND UND OPPOSITION ANHAND VON FALLBEISPIELEN: Analysiert detailliert die Widerstandsgruppen in Altenburg, Güstrow und Eisenberg hinsichtlich ihrer Entstehung, Struktur und Aktionsformen.
5. STAATLICHE REAKTIONEN: Untersucht die Rolle von Partei, Staatsapparat, Justiz und Schulen bei der Zerschlagung und Verfolgung der identifizierten Widerstandsgruppen.
6. GESELLSCHAFTLICHE REAKTIONEN: Beleuchtet die Reaktionen von Mitschülern, Angehörigen und die mediale Berichterstattung in Ost und West.
7. LANGFRISTIGE FOLGEN: Beschreibt die individuellen Auswirkungen auf die Betroffenen und die juristische sowie gesellschaftliche Aufarbeitung nach 1989.
8. FAZIT: Fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen und ordnet das jugendliche Aufbegehren in den historischen Kontext ein.
Widerstand, Opposition, DDR, SBZ, Oberschulen, FDJ, SED, Staatssicherheit, Jugendwiderstand, Repression, Schauprozesse, Politische Verfolgung, Aufarbeitung, Zeitzeugen, Kalter Krieg
Die Hausarbeit untersucht jugendliche Widerstands- und Oppositionsgruppen an Oberschulen in der SBZ und der frühen DDR zwischen 1945 und 1961.
Neben der politischen Bildungspolitik stehen die Entstehung konspirativer Gruppen, ihre Aktionen gegen das SED-Regime sowie die repressiven Reaktionen des Staates im Mittelpunkt.
Das Ziel ist es, Formen des Widerstands zu dokumentieren, Motive der Akteure zu beleuchten und das Ausmaß der staatlichen Verfolgung sowie die langfristigen Folgen für die Betroffenen darzustellen.
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Quellenrecherche, ergänzt durch die Analyse von Zeitzeugengesprächen und Akteneinsichten in Archiven.
Im Hauptteil werden detaillierte Fallbeispiele (Altenburg, Güstrow, Eisenberg) sowie staatliche Repressionsinstrumente und gesellschaftliche Reaktionen auf diese Vorfälle analysiert.
Zu den zentralen Begriffen zählen Jugendwiderstand, SED-Diktatur, politische Opposition, Repression und die historische Aufarbeitung in der Nachwendezeit.
Das MfS infiltrierte die Gruppe gezielt durch den Einsatz von informellen Mitarbeitern und V-Leuten, um die Struktur aufzudecken, was schließlich zu einer großangelegten Verhaftungswelle im Jahr 1958 führte.
Die Geschwister Scholl und die „Weiße Rose“ dienten vielen Schülern als moralisches Vorbild, um gegen Unfreiheit und Unterdrückung zu protestieren.
Die Einschätzungen sind unterschiedlich: Während einige die Aufarbeitung als zufriedenstellend betrachten, fordern andere eine differenziertere Auseinandersetzung und kritisieren, dass der frühe Widerstand in der Erinnerungskultur oft zugunsten der Protestbewegung der 80er Jahre in den Hintergrund tritt.
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