Bachelorarbeit, 2017
75 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 Definitionen der Schlüsselwörter
2.1 Erleben und Erlebnis
2.2 Motiv und Motivation
3 Theoretische Grundlage
3.1 Theorie der Reisetriebe
3.1.1 Neugier
3.1.2 Entdeckungsdrang
3.2 Fluchttheorie
3.2.1 Modell der Konträr- und Komplementärhaltung
3.2.2 Flow
4 Untersuchungsmethode
5 Methodologisches Vorgehen
5.1 Deduktive Kategorienbildung
5.2 Deduktive Kategorienanwendung
6 Literarische Analyse
6.1 An Francesco Dionigi von Borgo San Seplocro in Paris
6.2 Robinson der Jüngere
7 Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des 'Erlebens' als touristisches Reisemotiv in der Literatur vor 1800. Ziel ist es, mittels einer qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring zu ergründen, welche psychologischen Bedürfnisse und Triebfedern das Reiseverhalten in dieser Epoche prägten und ob sich moderne tourismuspsychologische Konzepte wie die 'Fluchttheorie' oder das 'Flow-Erleben' bereits in historischen Werken wie Petrarcas Briefen oder Campes 'Robinson der Jüngere' nachweisen lassen.
3.2.2 Flow
Im Alltag ist der Mensch häufig seelisch und vor allem auch körperlich unterfordert. Oft fehlt ihm die Möglichkeit zur Selbstbetätigung. Eine Reise kann ihm dagegen den nötigen Freiraum verschaffen sich und seinen Körper in einer begrenzten Zeit herauszufordern. Indem er bewusst auf gewohnten Komfort verzichtet und sich eigene Ziele setzt, ergibt sich für ihn die Möglichkeit des psychischen und physischen Erlebens (ANFT und HEß 1993, S. 354; AUFMUTH 1989, S. 18-55; STEINECKE 2006, S. 49). Der Flow kann somit bewusst auf einer Reise angestrebt werden als auch Nebenprodukt sein. Die Auseinandersetzung mit der Verbindung von Körper und Sinnen spielt bereits in den Pilgerreisen seit dem Mittelalter eine Rolle. Der persönliche Heilsgewinn und der Drang den Spuren ihres Erlösers zu folgen, sind Motive der Pilger, die sich auf die Reise zu 'Heiligen Orten' begeben (HERBERS 1986, S. 23, 31ff.; WOLF 1989, S. 83).
In den 60er Jahren stellt Knebel die Theorie auf, wonach der Mensch mit optischen und akustischen Reizen so überflutet wird, dass er als Ausweg das Ausweichen auf 'Gebiete kinästhetischer Empfindungen' anstrebt (KNEBEL 1960, S. 99). Einer anderen Theorie zufolge, sehne sich der Mensch nach 'Bewegungsempfindungen'. Opaschowskis Ansicht zufolge bietet z.B. das Autofahren eine Möglichkeit rauschartige Zustände auszulösen. Neben dem Nervenkitzel, dem 'Thrill', kann das Gefühl eigener Macht und teilweise auch Grenzenlosigkeit erlebt werden. Hierbei kann eine Sucht nach neuen Bewegungsgefühlen als Ausgleich und Ventil für sinnliche Reizüberflutungen auftreten (OPASCHOWSKI 1999, S. 51, 237).
1 Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage zur Bedeutung des Erlebens als Reisemotiv in der Literatur vor 1800.
2 Definitionen der Schlüsselwörter: Erläuterung der psychologischen und tourismuswissenschaftlichen Grundlagen von Erleben, Erlebnis, Motiv und Motivation.
3 Theoretische Grundlage: Zusammenfassung relevanter Theorien, darunter die Reisetriebe, die Fluchttheorie sowie das Konzept des Flows.
4 Untersuchungsmethode: Darstellung des qualitativen Inhaltsanalyse-Verfahrens nach Mayring.
5 Methodologisches Vorgehen: Beschreibung der deduktiven Kategorienbildung und der Anwendung auf das zu untersuchende Material.
6 Literarische Analyse: Untersuchung von Petrarcas Brief und Campes Robinson der Jüngere hinsichtlich der definierten Kategorien.
7 Schlussbetrachtung: Synthese der Ergebnisse und Beantwortung der Ausgangsfrage zur Bedeutung des Erlebens.
Tourismusforschung, Erleben, Erlebnisorientierung, Motiv, Motivation, Reisetriebe, Fluchttheorie, Flow, Petrarca, Robinson der Jüngere, qualitative Inhaltsanalyse, Tourismuspsychologie, deduktive Kategorienbildung, Selbstverwirklichung, Literatur vor 1800.
Die Arbeit untersucht, wie das Motiv 'Erleben' in der Literatur vor 1800 dargestellt wurde und welche psychologischen Hintergründe das Reisen damals motivierten.
Die Arbeit verknüpft historische Literaturreisen mit modernen Konzepten der Tourismuspsychologie, insbesondere dem Erlebensbegriff und Motivationsstrukturen.
Das Ziel ist es, mittels einer deduktiven Inhaltsanalyse zu zeigen, dass menschliche Reisemotive wie Neugier, Entdeckungsdrang und die Suche nach Selbstverwirklichung in historischen Texten bereits vorhanden waren.
Es wird die Qualitative Inhaltsanalyse nach Philipp Mayring verwendet, um Kategorien deduktiv aus der Theorie zu bilden und diese auf zwei ausgewählte literarische Werke anzuwenden.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Begriffe, die methodische Herleitung des Kategoriensystems und die detaillierte Analyse der Reiseberichte von Petrarca und Robinson.
Zentrale Begriffe sind 'Erlebnisgesellschaft', 'Flow', 'Motivation', 'Fluchttheorie' und 'deduktive Inhaltsanalyse'.
Bei Petrarca steht das Naturerlebnis und die transzendentale Selbstreflexion im Vordergrund, während bei Robinson primär das explorative, kognitive Erleben und der Entdeckungsdrang dominieren.
Der Brief gilt als eines der frühesten Zeugnisse touristischer Literatur, in dem die Bergbesteigung nicht nur als körperliche Anstrengung, sondern als psychologischer Prozess zur Selbstfindung beschrieben wird.
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