Doktorarbeit / Dissertation, 2006
188 Seiten, Note: cum laudae
I. Themenaufriss
1. Problemstellung
2. Gegenstand und Ziel der Arbeit
II. Eiskunstlauf: Eine Sportart stellt sich vor
1. Geschichte
1.1 Wettbewerbe
1.2 Regeln
1.3 Technik
1.4 Ein kritischer Blick auf die Leistungsbeurteilung bei Wettkämpfen
III. Sozialwissenschaftliche Perspektiven
1. Sozialökologischer Ansatz
2. Der Ansatz der konstruktivistischen Sozialisationsforschung
2.1 Das Konzept des Kindes als Akteur
2.1.1 Agency und Sozialisation
2.1.2 Reichweite und Grenzen des Akteurskonzepts
3. Handlungstheoretische Grundlagen
3.1 Soziale Lern- und Erwartungs-Wert-Theorien
3.2 Das handlungstheoretische Partialmodell der Persönlichkeit
4. Selbstdarstellung als Persönlichkeitseigenschaft oder Impression-Management?
4.1 Begriffsverortung und -abgrenzung von Persönlichkeit
4.2 Die Impression-Management-Theorie
5. Spezielle Lerneffekte
5.1 Der Imagefaktor
5.2 Körperbild und Körpereinstellung
5.3 Die Selbstdarstellung und personale Zusammenhänge
6. Strukturelle und systemspezifische Einflüsse im Leistungssport Eiskunstlauf
6.1 Der Zeitfaktor
6.2 Motivations- und Disziplinierungsmethoden bis Mitte der 1990er Jahre
6.3 Konsequenzen für den Handlungsspielraum des Eiskunstläufers
6.4 Das Ausscheiden aus dem Leistungssport
7. Berufliche Sozialisation
7.1 Begriffsverortung der beruflichen Sozialisation
7.2 Berufsbeeinflussende Sozialisationsinstanzen in der Kindheit
7.3 Die Einflussfaktoren Schicht und Geschlecht auf den beruflichen Habitus
7.4 Hauptphasen und -instanzen beruflicher Sozialisation
7.5 Selektion und Anforderungsprofile von Arbeitgebern
7.6 Zusammenschau und Abgleich der erlernten Fähigkeiten im Eiskunstlauf mit den Anforderungen im Berufsleben
8. Ableitung theoretischer Ansätze für den empirischen Teil
IV. Empirische Untersuchungen und Befunde
1. Methodisches Vorgehen
1.1 Fragebogen „Eiskunstlauf und Beruf“
1.2 Stichprobe
2. Untersuchungsvariablen und Operationalisierung
2.1 Berufskarriere
2.2 Hochleistungssport-Karriere
3. Durchführung
4. Idealtypisches Basismodell
5. Statistische Auswertungen und Ergebnisdiskussion
5.1 Grundlegende Ergebnisse zur Charakterisierung der Stichprobe
5.2 Ergebnisse zum idealtypischen Basismodell
5.3 Typen von empirisch nachweisbaren beruflichen Werdegängen
5.3.1 Einfluss des Alters
5.3.2 Eiskunstlauf und der berufliche Werdegang
5.3.3 Präsentations- und Selbstdarstellungsfähigkeit
5.3.4 Eiskunstlauf, Beruf und Schicht
5.3.5 Bereichsspezifisches und generalisiertes Kontrollgefühl
5.4 Diskussion zum Themenschwerpunkt Eiskunstlauf und Beruf
V. Entwicklung und Ausblick
1. Veränderungen seit der aktiven Zeit der Untersuchungsgruppe
1.1 Optimierung des Bewertungssystems seit den 1990er Jahren
1.2 Eiskunstlauf als Spiegel gesamtgesellschaftlicher Entwicklungen
1.3 Sportliche Motivations- und Disziplinierungsmethoden nach 1995
1.4 Pädagogische Ansätze für den Trainingsbereich
1.5 Unterstützende Institutionen: Laufbahnberatung an Olympiastützpunkten
2. Ausblick: Schule und Leistungssport
VI. Zusammenfassung
Diese Dissertation untersucht den Zusammenhang zwischen der sportlichen Sozialisation im Eiskunstlauf in der Kindheit und Jugend und der späteren beruflichen Integration der ehemaligen Sportler. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob die im Leistungssport erworbenen Kompetenzen wie Disziplin und Selbstdarstellungsfähigkeit den beruflichen Werdegang begünstigen oder ob die hohen Anforderungen und die notwendige Doppelbelastung durch Schule und Training negative Auswirkungen haben.
5. Spezielle Lerneffekte
„Um im Eiskunstlauf Erfolg zu haben, ist ein konsequentes und ausdauerndes Training notwendig, sonst erreicht man nur ein Hobby-Niveau, das einen selbst nicht zufrieden stellt. Leider haben sowohl im beruflichen als auch im privaten Umfeld hierfür eher wenige Leute Verständnis und man muss sich mit Sturheit durchsetzen“ (männlicher Eiskunstläufer 32 Jahre, Beamter und Trainer).
Welche Eigenschaften nehmen die Läufer durch die intensive Ausübung und Konzentration auf ihren Sport häufig an? Diese Frage wird in zwei Schritten beantwortet: Zunächst wird vorgestellt, welche Einstellungen bei allen Eiskunstläufern stark ausgeprägt sind, bevor auf spezifische Aspekte eingegangen wird.
Der Großteil der im Rahmen dieser Arbeit befragten Eiskunstläufer gibt an, durch das Eiskunstlaufen positiv für den Beruf geprägt worden zu sein. Durchgängig wurden sehr hohe Werte genannt bezüglich Disziplin, Ehrgeiz, Zielorientierung und Zeitmanagement.
Aber auch andere Faktoren werden angeführt, wie das folgende Zitat verdeutlicht: „Was habe ich gelernt? 1. Zielorientiertes Arbeiten 2. Diplomatie (!) 3. Ruhe bewahren, egal was kommt 4. Lügner von ehrlichen Menschen unterscheiden 5. Fingerspitzengefühl / Menschenkenntnis 6. Ballett/Bladen/Gewichtheben 7. Eislaufen“ (männlicher Eiskunstläufer, 30 Jahre, Angestellter Diplom-Kaufmann im Sportmanagement).
I. Themenaufriss: Einleitung in die Problematik der Doppelbelastung im Eiskunstlauf und Definition des Forschungsziels.
II. Eiskunstlauf: Eine Sportart stellt sich vor: Historische Entwicklung sowie die spezifischen Wettbewerbs- und Bewertungsbedingungen des Eiskunstlaufs.
III. Sozialwissenschaftliche Perspektiven: Theoretische Herleitung durch sozialökologische Ansätze, konstruktivistische Sozialisationsforschung und handlungstheoretische Modelle.
IV. Empirische Untersuchungen und Befunde: Darstellung des methodischen Vorgehens, Operationalisierung der Variablen und Auswertung der Fragebogendaten sowie der Leitfaden-Interviews.
V. Entwicklung und Ausblick: Analyse aktueller Veränderungen im Eiskunstlauf, insbesondere in Bezug auf pädagogische Konzepte und die Verzahnung von Schule und Leistungssport.
VI. Zusammenfassung: Synthese der Forschungsergebnisse und Fazit zum Einfluss des Eiskunstlaufs auf die berufliche Integration.
Eiskunstlauf, Leistungssport, Berufliche Sozialisation, Kindheit, Jugend, Doppelbelastung, Schule, Handlungskompetenz, Impression-Management, Beruflicher Erfolg, Sozialisation, Identitätsentwicklung, Kontrollüberzeugung, Sportpädagogik.
Die Arbeit untersucht den Einfluss einer Eiskunstlaufkarriere in der Kindheit und Jugend auf die spätere berufliche Integration und Laufbahnentwicklung.
Neben der sportartspezifischen Sozialisation stehen die psychologischen Aspekte der Persönlichkeitsentwicklung, der Einfluss von Trainer- und Elternverhalten sowie die Vereinbarkeit von leistungssportlichem Training und Schulausbildung im Fokus.
Das Ziel ist es, aufklärend und unterstützend zu wirken, indem häufig auftretende Problemfelder im Kinderhochleistungssport identifiziert und der Zusammenhang zwischen erlernten sportlichen Fähigkeiten und beruflichem Erfolg geklärt wird.
Es wird eine Kombination aus quantitativer Befragung mittels standardisiertem Fragebogen und qualitativen Leitfaden-Interviews verwendet, um sowohl objektive Daten als auch subjektive Erfahrungen abzubilden.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische sozialwissenschaftliche Perspektiven und den darauf aufbauenden empirischen Teil, in dem die Daten der befragten ehemaligen Eiskunstläufer ausgewertet werden.
Zentrale Begriffe sind neben Eiskunstlauf und Leistungssport vor allem Sozialisation, Doppelbelastung, Handlungskompetenz und beruflicher Werdegang.
Die Studie deutet darauf hin, dass ein zu junges Einstiegsalter mit einer höheren Fremdbestimmung korrelieren kann, während ein etwas späterer Einstieg eher positive Lernerfahrungen und ein höheres Maß an Selbstbestimmung begünstigt.
Das im Eiskunstlauf notwendige "Impression-Management" zur Präsentation vor Publikum wird von vielen ehemaligen Sportlern als Fähigkeit wahrgenommen, die sie in kommunikativen beruflichen Situationen erfolgreich anwenden können.
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