Masterarbeit, 2017
105 Seiten, Note: 1,3
1. Der Fall Rachel Dolezal
2. Methodologische Vorgehensweise
2.1 Untersuchungsgegenstand und Fragestellung
2.2 Forschungsmethode: Wissenssoziologische Diskursanalyse
2.3 Datenerhebung und Auswertung
3. Die soziale Praxis des Kategorisierens
3.1 Die Kategorisierungsschemata Geschlecht und Rasse
3.2 Die Kategorien Transgender und Transracial
4. Grundzüge der Debatte
5. Die diskursive Deviantisierung Rachel Dolezals
6. Die Diskurse des Feldes
6.1 Der Konservative Diskurs
6.2 Der Liberale Diskurs
6.3 Der Postmoderne Diskurs
7. Das dominante Transgendernarrativ
8. Konkurrierende Essenzkonstruktionen
8.1 Biologischer Essentialismus
8.2 Mentaler Essentialismus
8.3 Soziologischer Essentialismus
8.3.1 Soziologischer Geschlechteressentialismus und der Transgenderkritische-Feministische Diskurs
9. Die Logik und Norm von Repräsentation und Authentizität
10. (Schicksals-)Gemeinschaften oder intime Qualitäten?
11. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die mediale Debatte um Rachel Dolezal als einen politisch-symbolischen Kampf um die Deutungshoheit über die Kategorien Rasse und Geschlecht. Dabei wird analysiert, wie Identitäten als ontologische Gewissheiten ausgehandelt werden und warum das Konzept „Transgender“ eine zunehmende Akzeptanz erfährt, während „Transracial“ als illegitim oder absurd bewertet wird.
3. Die soziale Praxis des Kategorisierens
Klassifikationen stellen einen basalen Bestandteil einer jeden sozialen Ordnung, wie auch eine Daseinsgrundlage für die menschlichen Fähigkeiten zu Sprache und Erkenntnis, dar. Sie reflektieren nicht nur das Denken und Wissen, sondern konstituieren es erst, indem sie eine Konzeptualisierung von Realität erlauben (Vgl. Bowker/Star 2000; Jenkins 2008: 7; Keller 2011a: 244). Klassifizieren kann als wechselseitiger Prozess des Benennen (Identifizierens) und Erschaffen von Gemeinsamkeiten, Differenzen und den Grenzen zwischen ihnen, verstanden werden.
Aus Sicht der wissenssoziologischen Diskursanalyse sind Klassifikationen „mehr oder weniger ausgearbeitete, formalisierte und institutionell stabilisierte Formen sozialer Typisierungsprozesse“ (Keller 2011a: 244). Wie jeder Sprachgebrauch teilt auch die Sprachverwendung in Diskursen die Welt in bestimmte Kategorien auf. Sie entwerfen über Klassifikationen nicht nur die Wirklichkeitsbereiche von denen sie handeln, sondern zwischen Diskursen finden auch Wettstreite um solche Klassifikationen und deren Interpretation statt (Keller 2011a: 239ff.). Hierbei ist der Performativität diskursiver Aussagen im Allgemeinen und von diskursiven Klassifikationen im Speziellen, zu beachten, dernach die Deutung und Konstruktion von Wirklichkeit in der diskursiven Aussagepraxis zusammenfallen. Jede Klassifizierung führt zu einer gewissen Anschauungsweise eines Gegenstands und verschweigt und unterdrückt andere Sichtweisen.
1. Der Fall Rachel Dolezal: Einführung in den medialen Skandal um Rachel Dolezal und die anschließende öffentliche Kontroverse über ihre Identität.
2. Methodologische Vorgehensweise: Erläuterung der wissenssoziologischen Diskursanalyse nach Rainer Keller als theoretisches und methodisches Fundament der Arbeit.
3. Die soziale Praxis des Kategorisierens: Theoretische Herleitung der Bedeutung von Klassifikationen als Grundlage menschlicher Erkenntnis und sozialer Ordnung.
4. Grundzüge der Debatte: Analyse der ersten medialen Reaktionen, die den Fall als kuriosen Betrugsfall darstellten.
5. Die diskursive Deviantisierung Rachel Dolezals: Untersuchung, wie Dolezal als soziale Abweichlerin konstruiert wurde, um die Grenzen bestehender Kategorien zu sichern.
6. Die Diskurse des Feldes: Differenzierte Betrachtung des konservativen, liberalen und postmodernen Diskurses in der Debatte.
7. Das dominante Transgendernarrativ: Analyse, wie das Transgendernarrativ als Stützkonstruktion der Geschlechterordnung fungiert.
8. Konkurrierende Essenzkonstruktionen: Untersuchung biologischer, mentaler und soziologischer Essentialismen bei der Definition von Identität.
9. Die Logik und Norm von Repräsentation und Authentizität: Reflexion über die Forderung nach Übereinstimmung zwischen innerem Sein und sozialer Rolle.
10. (Schicksals-)Gemeinschaften oder intime Qualitäten?: Auseinandersetzung mit der kollektiven Identitätsbildung im Vergleich zwischen Rasse und Geschlecht.
11. Fazit: Zusammenführende Reflexion der Ergebnisse über die Stabilität und Veränderbarkeit rassistischer und geschlechtlicher Klassifikationssysteme.
Wissenssoziologische Diskursanalyse, Rachel Dolezal, Kategorisierung, Identität, Transgender, Transracial, Boundary Work, Biologischer Essentialismus, Mentaler Essentialismus, Soziologischer Essentialismus, Authentizität, soziale Konstruktion, Rassismus, Geschlecht.
Die Masterarbeit analysiert die öffentliche mediale Debatte um Rachel Dolezal, die sich als Schwarze ausgab, obwohl sie keine schwarzen Vorfahren hat, und vergleicht diesen Fall mit der Debatte um Caitlyn Jenner.
Die zentralen Themen sind soziale Identitätskonstruktion, die Kategorisierung von Rasse und Geschlecht sowie die Mechanismen, durch die Gesellschaften diese Kategorien als „natürlich“ oder „wahr“ legitimieren.
Das Ziel ist zu verstehen, wie und warum Identitätswechsel innerhalb bestimmter Kategorien (wie „Transgender“) als legitim angesehen werden, während andere (wie „Transracial“) als moralisch verwerflich oder unmöglich diskreditiert werden.
Die Autorin nutzt die wissenssoziologische Diskursanalyse (WDA) nach Rainer Keller, um öffentliche Medienberichte und Online-Publikationen strukturiert auszuwerten.
Der Hauptteil analysiert die unterschiedlichen Diskurse (konservativ, liberal, postmodern) und untersucht verschiedene Formen des „Essentialismus“ (biologisch, mental, soziologisch), die zur Untermauerung von Kategorien herangezogen werden.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Identitätspolitik, Boundary Work, Essentialismus, soziale Konstruktion, Authentizität und die soziologische Praxis des Kategorisierens.
Der Vergleich dient dazu, die unterschiedlichen moralischen und diskursiven Maßstäbe aufzudecken, die angewandt werden, wenn es um die angebliche „Natürlichkeit“ von Geschlechtsidentität gegenüber der rassischen Identität geht.
Die Eltern fungieren als „moralische Autoritäten“, deren Aussagen zur Herkunft der Tochter genutzt werden, um deren Verhalten als Betrug oder „racial hoax“ zu etikettieren und somit die Eindeutigkeit der rassischen Ordnung zu bewahren.
Es besagt, dass Transgender-Identitäten durch ein „wahres inneres Selbst“ legitimiert werden, was das binäre Geschlechtersystem eher bestätigt als in Frage stellt, indem der Wechsel als Angleichung an eine innere Wahrheit umgedeutet wird.
Das Konzept wird abgelehnt, weil es als Versuch gesehen wird, sich Privilegien anzueignen, ohne die historische Erfahrung systemischer Unterdrückung (die als Essenz von „Schwarz-Sein“ definiert wird) tatsächlich geteilt zu haben.
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