Magisterarbeit, 2012
92 Seiten, Note: 1.0
1. Hinführung
1.1. Vorgehensweise und Methode
1.2. Stand der Forschung
1.3. Lebensbegriff in der Frühen Moderne
1.4. Leben und Weiblichkeit
1.5. Männliche Herrschaft und weibliche Unterwerfung bei Pierre Bourdieu
2. Der Weiblichkeitsdiskurs im ausgehenden 19. Jahrhundert
2.1. Imagination eines Ideals – Die Sexualität der Frau
2.2. Die Frau als Ehefrau und Mutter
2.3. Die Abnormität des Weiblichen – Das krankhafte Geschlechtsleben des Weibes
3. Frau Berta Garlan
3.1. Die Erzählsituation als Indiz für die Unklarheit über sich selbst
3.2. Bertas Potentiale
3.3. Berta und Mutterschaft – „Das einzige, was ihr etwas bedeutet“
3.4. Sexualität
3.4.1. Sexualität und Alter
3.4.2. Musik und Sexualität
3.4.3. Ahnungen, Unbewusstes und Unterbewusstes – Ein Kratzen an der eigenen Normenhülle?
3.4.4. Passive Resexualisierung als die Auflehnung gegen patriarchale Normen?
3.5. Männliche Dominanz und Doppelmoral
3.6. Resignation als Unterwerfung unter die männliche Dominanz
4. Die Jagd nach Liebe
4.1. Die Frau als Objekt
4.2. Die Ökonomie der Körper – Prostitution als Unterwerfung?
4.2.1. Exkurs: Sexualitätskonzeption als Problembestimmung
4.2.2. Die Starke – Ute Ende
4.2.3. Die Weiche – Bella Walgauer
4.2.4. Die Andere – Gilda Franchini
4.3. Umgekehrte Dominanzrelationen – Der Machtwille Ute Endes
4.4. Gildas Macht durch Manipulation
4.5. Bellas Eheplan - Die besiegte männliche Herrschaft?
5. Schlussbetrachtung
Die Arbeit untersucht weibliche Lebenskonzepte in den Erzählungen "Frau Berta Garlan" von Arthur Schnitzler und "Die Jagd nach Liebe" von Heinrich Mann vor dem Hintergrund von Pierre Bourdieus Konzept der männlichen Herrschaft, um aufzuzeigen, wie gesellschaftliche Normen und männliche Dominanz die weibliche Lebensführung einschränken und pathologisieren.
3.4.4. Passive Resexualisierung als die Auflehnung gegen patriarchale Normen ?
Zeitgleich mit dem Beginn der dargestellten Handlung deutet der Text bereits Bertas „Resexualisierung“ an. Textuell wird diese auf unterschiedlichste Weisen dargestellt – selten jedoch wirklich als von Berta bewusst ausgeführte Handlung oder Willen. Wie zu zeigen sein wird, formiert sich Sexualität und der Wunsch nach deren Befriedigung bei Berta im Unterbewusstsein. Die von Bertas internalisierten gesellschaftlichen Normvorstellungen für eine Frau sind anfänglich noch dermaßen dominant, dass sie unter ihnen ihr sexuelles Verlangen kaum erkennen bzw. begreifen kann. Bertas Umgang mit ihrer aufflammenden Sexualität und dem angestrebten Ausleben ist im Fortgang dann geprägt von Unsicherheiten und dem extremen Wandel von strikter Ablehnung und lustvoller Überwältigung.
Dem Leser wird dieses Wiedererwachen als eine Störung der für Berta geltenden alltäglichen Ordnung dargestellt. Die Grenzen, die ihre Person als Teil der Kleinstadt-Gesellschaft umgibt und durch die sich Berta als asexuelle Mutter definiert, werden hier überschritten. Die Figur ist außerhalb dieser verinnerlichten Moralvorstellungen orientierungslos. Paetzke spricht Berta aufgrund dieser Anzeichen von Orientierungslosigkeit eine personale Identität ab, deren ich als verloren, wenn nicht gar als unrettbar gilt. Berta ist nicht nur „überrascht“ über die unbekannten Zeichen ihres Körpers, einer Form ermattenden „Schläfrigkeit“, sondern sie verliert auf einem Spaziergang, den sie seit etlichen Jahren mehrmals die Woche absolviert und daher gewohnt ist, auch die zeitliche Orientierung (vgl. BG 6 f). Dieses Phänomen der fehlenden Orientierung zieht sich wie ein roter Faden durch die Erzählung und markiert die fehlende Kompatibilität normabweichender sexueller Bedürfnissen und Wünsche Bertas mit den herrschenden und von ihr internalisierten Gesellschaftsnormen. Direkt nachdem sie von einem jungen Herren in Wien auf der Straße angesprochen wird, wodurch sie erneut mit ihren unterbewussten sexuellen Wünschen konfrontiert wird, meint sie zum wiederholten Male, die Zeit vergessen zu haben – was sich jedoch als falsch herausstellt.
1. Hinführung: Einführung in das Thema der männlichen Herrschaft in der Frühen Moderne und Vorstellung der Analysegrundlage anhand Bourdieus Konzept.
2. Der Weiblichkeitsdiskurs im ausgehenden 19. Jahrhundert: Darstellung der zeitgenössischen Normen, die weibliche Sexualität als pathologisch oder nicht existent klassifizierten.
3. Frau Berta Garlan: Analyse von Berta Garlans Emanzipationsversuchen innerhalb der engen Grenzen eines von Männern geprägten Wertesystems.
4. Die Jagd nach Liebe: Untersuchung der weiblichen Figuren Ute, Bella und Gilda bei Heinrich Mann hinsichtlich ihres Umgangs mit Objektivierung und Dominanz.
5. Schlussbetrachtung: Synthese der Ergebnisse, die eine allumfassende männliche Dominanz in beiden Werken konstatieren.
Männliche Herrschaft, Pierre Bourdieu, Frühe Moderne, Arthur Schnitzler, Heinrich Mann, Frau Berta Garlan, Die Jagd nach Liebe, Weiblichkeit, Sexualität, Patriarchat, Doppelmoral, Habitus, Emanzipation, Geschlechterrollen, Literaturanalyse.
Die Arbeit analysiert, wie weibliche Figuren in ausgewählten Erzähltexten der frühen Moderne unter dem Einfluss männlicher Normen und Herrschaftsstrukturen agieren und scheitern.
Die Schwerpunkte liegen auf der Konstruktion von Weiblichkeit, der Rolle der Sexualität im patriarchalen System sowie der Bedeutung gesellschaftlicher Machtverhältnisse.
Es wird untersucht, inwieweit weibliche Lebensentwürfe in der Literatur um 1900 die bestehenden, männlich geprägten Geschlechternormen aufbrechen können oder ob sie an ihnen scheitern.
Die Untersuchung basiert primär auf dem soziologischen Konzept der "männlichen Herrschaft" von Pierre Bourdieu, angewendet auf eine literaturwissenschaftliche Textanalyse.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, die Analyse von Schnitzlers "Frau Berta Garlan" und die Untersuchung von Heinrich Manns "Die Jagd nach Liebe".
Zentrale Begriffe sind männliche Herrschaft, symbolische Gewalt, geschlechtlicher Habitus, Nicht-Leben, Doppelmoral und weibliche Subjektivität.
Musik fungiert für Berta als Ersatz für ihre unterdrückte Sexualität und als Indikator für ihren schleichenden Prozess der Re-Sexualisierung.
Während Berta in internen Normen gefangen bleibt und ihre Wünsche passiv-unbewusst erlebt, versucht Ute durch bewusste Schauspielerei und strikte Verweigerung männlicher Ansprüche Autonomie zu erzwingen.
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