Masterarbeit, 2017
131 Seiten, Note: 1,3
1 Vorwort
2 Einordnung: Migrationsdiskurse
3 Textlinguistik und Textdefinition
3.1 Textfunktion
3.2 Textsorten
3.3 Pressesprache
4 Grobskizze der „Flüchtlingskrise“
5 Korpus
5.1 Auswahl der Inhalte
5.2 Annotation
5.3 Erfasste Eigenschaften
6 Auswertung
6.1 Bezeichnungen und Eigenschaften der „Flüchtlinge“
6.1.1 „Flüchtlinge“
6.1.1.1 „Flüchtling“ als Zweitglied eines Kompositums
6.1.1.2 Varianten: „Flüchtende“, „Geflüchtete“, „Refugees“
6.1.1.3 „Asylbewerber“, „Asylsuchende“, „Asylanten“: Bezug auf Asyl
6.1.1.4 „Migranten“ und „Immigranten“, „Ein-“ und „Zuwanderer“: Bezug auf den Ortswechsel oder Zuzug
6.1.1.5 „Reisende“, „Wanderer“: Bezug auf Fortbewegung
6.1.1.6 „Schutzbedürftige“, „Zufluchtsuchende“: Bezug auf Schutz
6.1.1.7 „Neuankömmlinge“: Bezug auf das Ankommen
6.1.1.8 „Heimbewohner“, „Nachbarn“: Bezug auf den Lebensmittelpunkt
6.1.1.9 „Eindringling“, „Grenzverletzer“: Bezug auf einen Grenzübertritt oder Rechtsbruch
6.1.1.10 „Ausländer“ und „Fremde“: Bezug auf Fremdartigkeit
6.1.1.11 „Gestrandete“, „Verzweifelte“: Bezug auf Zustände, Eigenschaften oder Emotionen
6.1.1.12 „Syrer“, „Afghanen“: Bezeichnungen nach Herkunft
6.1.1.13 Bezeichnungen nach Alter, Geschlecht, Familie, Beruf oder Religion
6.1.1.14 „Menschen“, „Personen“, Eigennamen: Generelle Begriffe
6.1.1.15 Eigennamen
6.1.1.16 Weitere Bezeichnungen
6.1.1.17 Diskurs und Diskussion
6.1.2 Komposita aus Gruppenbezeichnungen als Erstglied
6.1.3 Zugeschriebene Eigenschaften
6.1.3.1 Systematische Kombination
6.1.3.2 Eigenschaften der Erstgliedkomposita
6.1.4 Gruppengröße
6.1.5 Kollektiver Singular
6.2 „Flüchtlingskrise“ als situativer Begriff
6.3 Veränderungen im Laufe der Zeit
6.4 Pressespezifisches
6.5 Zitate
6.6 Einschränkungen
7 Zusammenfassung
8 Schlusswort
Die Arbeit untersucht die sprachlichen Ausdrucksformen in der medialen Berichterstattung während der sogenannten „Flüchtlingskrise“ in den Jahren 2015 und 2016. Das primäre Ziel ist es, durch eine korpuslinguistische Analyse von drei Printpublikationen zu entschlüsseln, wie Gruppenbezeichnungen, zugeschriebene Eigenschaften und der situative Begriff der „Flüchtlingskrise“ sprachlich konstruiert werden.
1. Vorwort
Selten hat ein Thema den medialen Diskurs so dominiert wie die „Flüchtlingskrise“ in den Jahren 2015 und 2016. Unter dem „überwältigenden“ Eindruck der „öffentliche[n] Allgegenwart des Themas“ wurde seit dem Spätsommer 2015 eine „Flut [von] Nachrichtenbeiträgen“ verfasst (Herrmann 2016: 7), die bis zum Jahresende 2016 zwar an Umfang verlor, ohne dass das Thema dabei jedoch als abgeschlossen betrachtet werden kann (vgl. Wehling 2016: Online). Wenn man nun annimmt, dass die gesellschaftliche und politische Bedeutung eines Themas einen unmittelbaren Einfluss auf die mitunter alltägliche Sprachverwendung ausübt, so kann das von der Gesellschaft für deutsche Sprache gewählte ‚Wort des Jahres‘ 2015 – „Flüchtlinge“ – kaum überraschen (vgl. Eisenberg 2015: Online), dessen Wahl möglicherweise „als nächstliegende“ angesehen werden kann (Hildebrand 2015: Online). „Gebildet aus dem Verb flüchten und dem Ableitungssuffix -ling“ (Gesellschaft für deutsche Sprache e.V. 2015: Online) ist das Substantiv vergleichbar mit Wörtern wie „Eindringling, Emporkömmling [oder] Schreiberling“, „Prüfling, Lehrling, [...] Sträfling oder Schützling“. Es kann so mitunter eine „negative Konnotation“ oder eine „passive Komponente“ besitzen und wird daher einerseits „sprachlich interessant“ (ebd.) und zugleich als „nicht selbstverständlich“ angesehen (Hildebrand 2015: Online).
Wenig in der Öffentlichkeit diskutiert wurden allerdings weitere linguistische Eigenschaften des Wortes, darunter sein semantischer Bedeutungsumfang und die mit ihm verbundenen semantischen Relationen hinsichtlich Hyperonymie oder Synonymie mit Wörtern des gleichen Wortfeldes. Gleichwohl wurden auch die zugehörigen morphologischen Aspekte, sowohl zum Wort selbst als auch zur Bildung von Komposita und damit verbundenen Produktivität, bisher nur wenige diskutiert. Dies gilt ebenso für die Verknüpfung der Gruppenbezeichnung mit bestimmten Eigenschaften und letztlich auch für dessen Verwendungshäufigkeit. Es ist nicht zuletzt ein Ziel dieser Arbeit, diese Lücken zumindest zu verkleinern.
1 Vorwort: Einleitende Darlegung der Relevanz des Begriffs „Flüchtlinge“ und der Zielsetzung der linguistischen Untersuchung.
2 Einordnung: Migrationsdiskurse: Theoretische Einbettung der Arbeit in den migrationssoziologischen und diskurslinguistischen Forschungskontext.
3 Textlinguistik und Textdefinition: Methodische Grundlagen zur Definition von Texten, Funktionen und relevanten Textsorten im Journalismus.
4 Grobskizze der „Flüchtlingskrise“: Chronologischer Überblick über die politischen Ereignisse und Entwicklungen im Untersuchungszeitraum 2015/16.
5 Korpus: Detaillierte Beschreibung der Datenauswahl, der Annotation und der methodischen Eingrenzung des Untersuchungsmaterials.
6 Auswertung: Zentrale Analyse der Gruppenbezeichnungen, Komposita, Eigenschaften und medialer Spezifika der untersuchten Publikationen.
7 Zusammenfassung: Synthese der wichtigsten Erkenntnisse über die sprachliche Konstruktion der Migrationsdiskurse.
8 Schlusswort: Reflexion über die Bedeutung der Analyse für zukünftige medienlinguistische Untersuchungen.
Flüchtlingskrise, Migrationsdiskurs, Gruppenbezeichnungen, Textlinguistik, Printmedien, Korpusanalyse, Wortbildung, semantische Annotation, mediale Sprache, Asylbewerber, Komposita, Diskursanalyse, Flüchtlingsbegriff, Berichterstattung, Nachrichtensprache.
Die Arbeit untersucht, wie deutsche Printpublikationen in den Jahren 2015 und 2016 sprachlich über die „Flüchtlingskrise“ berichtet haben und welche Begriffe und Eigenschaften dabei Migranten und Geflüchteten zugeschrieben wurden.
Im Zentrum stehen die semantische Analyse von Gruppenbezeichnungen (z.B. Flüchtlinge, Asylbewerber), die Untersuchung von Komposita (z.B. Flüchtlingskrise) und die Analyse zugeschriebener Eigenschaften.
Das Ziel ist es, die sprachlichen Konstruktionen hinter den Berichten zu identifizieren, Vergleiche zwischen verschiedenen Zeitungen zu ziehen und die mediale Sprache im zeitlichen Verlauf der Krise zu erfassen.
Es handelt sich um eine korpuslinguistische Untersuchung, die auf der systematischen Annotation und quantitativen Auswertung von Artikeln aus drei verschiedenen Printpublikationen basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Textlinguistik), die Darstellung des historischen Kontexts der Krise sowie eine umfassende Auswertung der Daten hinsichtlich Bezeichnungen, Komposita, Gruppengrößen und semantischer Eigenschaften.
Zu den Kernbegriffen zählen „Flüchtlingskrise“, „Migrationsdiskurs“, „Korpusanalyse“, „Gruppenbezeichnungen“ und „Medienlinguistik“.
Das Korpus umfasst die überregionale „Süddeutsche Zeitung“, die Boulevardzeitung „BILD“ sowie die regionale „Saarbrücker Zeitung“.
Die Untersuchung zeigt Unterschiede in der Worthäufigkeit, der Verwendung von Zitaten und den medialen Schwerpunkten, wobei etwa die BILD stärker zu plakativeren Ausdrücken oder einer anderen Gewichtung der Begriffsverwendung neigt.
Er dient als situativer Schlüsselbegriff, dessen Verwendung und semantische Aufladung im Untersuchungszeitraum analysiert wird, um zu verstehen, wie die Medien die politische Lage kontextualisieren.
Der Autor stellt fest, dass „Flüchtlinge“ der dominanteste Begriff bleibt, während andere Bezeichnungen eher marginale oder spezifischere Rollen einnehmen und die Berichterstattung stark von den politischen Ereignissen des Zeitraums geprägt ist.
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