Bachelorarbeit, 2016
60 Seiten, Note: 1,7
1 ad mit Akkusativ statt Dativ – ein Phänomen des Spätlateins?
2 Kasus und Präposition im Vergleich
2.1 Lateinischer Dativ
2.2 Präposition ad
2.3 Fazit
3 Semasiologische Kategorisierungen
3.1 Nominales und pronominales Komplement
3.2 Finite oder infinite Verbform
3.3 Mündliche oder übertragene Lesart
3.4 Fazit
4 Theorie der Absenz oder Präsenz des Empfängers
4.1 Ausgangsposition
4.2 Hypothese
4.3 Überprüfen der Hypothese an den Belegen aus ad Atticum
4.3.1 dare
4.3.2 mittere
4.3.3 scribere
4.4 Fazit
5 Theorie der Konkretheit oder Abstraktheit der Handlung
5.1 Hypothese
5.2 Differenz zwischen Konkretheit und Abstraktheit
5.2.1 scribere
5.2.2 mittere
5.3 Differenz zwischen Belebtheit oder Unbelebtheit
5.4 Fazit
6 Theorie der Zugehörigkeit des gesendeten Objekts
6.1 Ausgangsposition und Hypothese
6.1.1 mittere
6.1.2 scribere
6.2 Fazit
7 Resümee
Die vorliegende Arbeit untersucht die Alternanz des lateinischen Dativs mit der präpositionalen Konstruktion "ad" und Akkusativ im Briefwechsel Ciceros mit Atticus. Das Hauptziel besteht darin, zu analysieren, ob sich hinter dem sprachlichen Wechsel zwischen Kasus und Präposition eine systematische Regelmäßigkeit verbirgt, die über das rein stilistische Prinzip der "variatio" hinausgeht, und inwiefern diese Entwicklung als Vorläufer des französischen "complément objet indirect" verstanden werden kann.
4.3.1 dare
Der Präpositionalausdruck wird laut Fedriani und Prandi dann verwendet, wenn ein Empfänger einer Nachricht bezeichnet wird, der in absentia, also nicht persönlich anwesend ist. Das impliziert einen Transfer von einer gewissen Quelle zu einem räumlich distanzierten Endpunkt. Die folgende Auswahl an Beispielen aus dem Briefwechsel zwischen Cicero und Atticus sollen diese Theorie veranschaulichen. Da es sich um Kommunikation über ein Medium handelt, ist klar, dass beide beteiligten Parteien nicht direkt miteinander im Gespräch sind und somit eine räumliche Trennung vorliegt. Logischerweise wird das indirekte Objekt, Atticus, immer mit ad und Akkusativ gebildet, da er sich meist in einer anderen Stadt oder gar in einem anderen Land als Cicero aufhielt.
1 ad mit Akkusativ statt Dativ – ein Phänomen des Spätlateins?: Dieses Kapitel führt in die Problematik des Formensynkretismus ein und erläutert die historische Tendenz, Kasusfunktionen durch Präpositionen zu ersetzen.
2 Kasus und Präposition im Vergleich: Es erfolgt eine theoretische Gegenüberstellung der grammatischen Funktionen des Dativs und der Präposition "ad" auf Basis klassischer lateinischer Grammatiken.
3 Semasiologische Kategorisierungen: Hier werden Belege nach morphologischen und syntaktischen Kriterien wie Komplementart, Verbform und Lesart kategorisiert, um erste Muster für die Alternanz zu identifizieren.
4 Theorie der Absenz oder Präsenz des Empfängers: Das Kapitel untersucht die These, dass räumliche Distanz und die Präsenz des Empfängers entscheidend für die Wahl zwischen Dativ und "ad" sind.
5 Theorie der Konkretheit oder Abstraktheit der Handlung: Hier wird geprüft, ob die semantische Ausrichtung der Handlung (konkret vs. abstrakt) oder die Belebtheit des Objekts die syntaktische Wahl determiniert.
6 Theorie der Zugehörigkeit des gesendeten Objekts: Diese Analyse fokussiert auf die Beziehung zwischen Haupt- und Zweitempfänger und die Frage, ob "ad" ein spezielles Besitzverhältnis markiert.
7 Resümee: Das Resümee bilanziert die Ergebnisse und stellt fest, dass sich die geprüften theoretischen Ansätze in der Korpusanalyse Ciceros nicht durchgehend bestätigen lassen.
Latein, Cicero, Dativ, Präposition, ad, Akkusativ, Korpusanalyse, Briefwechsel, Sprachtheorie, diachrone Entwicklung, Syntax, Substitution, Semantik, in-absentia, Epistulae ad Atticum
Die Arbeit untersucht das linguistische Phänomen, dass im klassischen Latein der Dativ bei bestimmten Verben (dare, mittere, scribere) zunehmend durch die Präposition "ad" mit Akkusativ ersetzt wurde.
Der Fokus liegt auf der syntaktischen Alternanz, der historischen Entwicklung vom Lateinischen zum Romanischen und der semantischen Motivierung sprachlicher Strukturen.
Es wird der Frage nachgegangen, ob die Wahl zwischen Dativ und "ad" + Akkusativ im Briefwechsel Ciceros systematisch durch kontextuelle Faktoren gesteuert wird oder ob es sich um freie Variation handelt.
Die Arbeit basiert auf einer Korpusanalyse der "Epistulae ad Atticum" von Cicero, wobei die gesammelten Belege mit verschiedenen linguistischen Thesen der Sekundärliteratur abgeglichen werden.
Der Hauptteil prüft detailliert verschiedene Hypothesen zur Absenz/Präsenz des Empfängers, zur Konkretheit der Handlung sowie zur "Zugehörigkeit" des Objekts anhand konkreter Zitate aus dem Briefcorpus.
Zu den wichtigsten Begriffen zählen "Alternanz", "Indirektes Objekt", "Formensynkretismus", "Metaphorischer Transfer" und die konkreten Verben "dare", "mittere" und "scribere".
Atticus fungiert als Hauptadressat in Ciceros Briefen. Die räumliche Trennung zwischen den beiden Korrespondierenden macht den Briefwechsel zur idealen Datengrundlage für die in-absentia-Theorie.
Nein, die Untersuchung zeigt, dass die Theorie zwar für das Verb "dare" gewisse Erklärungsansätze liefert, jedoch bei "mittere" und "scribere" aufgrund der starken kommunikativen Natur dieser Verben nicht uneingeschränkt greift.
Es wurde die Hypothese geprüft, ob "ad" den Hauptadressaten und der Dativ den bloßen Zweitempfänger markiert. Die Analyse widerlegt dies weitgehend, da die Verteilung in Ciceros Briefen keine solche Systematik aufweist.
Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass die Präpositionen im Spätlatein stetig an Bedeutung gewannen und den Dativ schließlich fast vollständig aus seiner ursprünglichen Rolle verdrängten, was in der Ausbildung des "complément objet indirect" im Französischen mündete.
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