Bachelorarbeit, 2016
36 Seiten, Note: 2,3
1. Einleitung
2. Zusammenfassung der zentralen Thesen des Werks Orientalismus Edward Saids
3. Zusammenfassung der zentralen Thesen des Werks Der andere Orientalismus: Regeln deutsch-morgenländischer Imagination im 19. Jahrhundert Andrea Polascheggs
4. Untersuchung des Romans Tarub, Bagdads berühmte Köchin Paul Scheerbarts auf orientalistische Deutungsmuster nach den Thesen Saids und Polascheggs
5. Untersuchung der Novelle Weltmacht Paul Scheerbarts auf orientalistische Deutungsmuster nach den Thesen Saids und Polascheggs
6. Zusammenfassung der Ergebnisse
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht, inwiefern die orientalistischen Darstellungen in Paul Scheerbarts Roman Tarub, Bagdads berühmte Köchin und der Novelle Weltmacht mit den Thesen von Edward Said über einen eurozentrischen, machtorientierten Orientalismus korrespondieren oder ob sie stattdessen den Ansatz eines "anderen Orientalismus" nach Andrea Polaschegg widerspiegeln, der eine differenziertere, respektvolle Auseinandersetzung mit der morgenländischen Kultur postuliert.
Untersuchung des Romans Tarub, Bagdads berühmte Köchin Paul Scheerbarts auf orientalistische Deutungsmuster nach den Thesen Saids und Polascheggs
Zu Beginn des Romans Tarub, Bagdads berühmte Köchin verwendet Scheerbart ein Form der Orient-Darstellung, die, so wird es zumindest von Said beschrieben, charakteristisch ist für die Rezeption des Morgenlandes aus der Sicht eines Abendländers. Denn Scheerbart zeichnet unmittelbar in der Eingangssituation das Bild eines idyllischen, romantisch verklärten Orients. So beschreibt er anschaulich die Art und Weise, wie sich das Sternenlicht im beeindruckenden Tigris und auf den prachtvollen Bauten der Stadt widerspiegelt. Diese Stilisierung des Orients zu einer Idylle wird außerdem verstärkt durch die Beschreibung des Nebeldunstes, der sich um eben diese Bauten erhebt und durch die Schilderung von sich im Winde wiegende Palmen in den Gärten der Stadt: Unzählige Sterne glänzen aus dem tiefblauen Himmel auf Bagdad hinab; sie spiegeln sich in den lauten Fluten des Tigris, und an den bunten Kacheln der Minaretts, der Palast- und Moscheekuppeln werden auch die Glanzlichter der Sternenwelt glitzernd umhergestrahlt. Die Kalifenburg mit ihren prächtigen Türmen, Kiosken und Galerien hebt sich hoch heraus aus dem Häusergewirr der großen Stadt, aus der ein Nebeldunst – magisch leuchtend – aufsteigt. Und am Tigris entlang leuchten die weißen Mauern der Landhäuser; in deren Gärten schwanken die ruhigen Palmen im Abendwinde…
Allerdings wird anhand dieser Passage auch ganz klar ersichtlich, dass der Orient hier nicht mit negativen Attributen assoziiert wird, wie Said in seinen Thesen behauptet. Stattdessen wird besonders die orientalische Architektur hervorgehoben und dieser Respekt gezollt. Es schwingt sogar Bewunderung mit, wenn von den majestätischen Prachtbauten des Morgenlandes die Rede ist und die Bauten werden beinahe als beispielhaftes Exempel der Architekturkunst herangezogen. In diesem Sinne erfolgt somit keine Verunglimpfung des Orients, wie sie von Said beschrieben und für viele Fälle konstatiert wurde. Stattdessen erfolgt ein respektvoller, wertschätzender Umgang mit dem Orient, wie er von Andrea Polaschegg geschildert wurde, wobei das Morgenland für den Westen eine Vorbildfunktion erfüllt und durchaus positiv konnotiert ist.
1. Einleitung: Einführung in die Thematik des Orientalismus und die wissenschaftliche Fragestellung unter Einbeziehung der konträren Positionen von Edward Said und Andrea Polaschegg.
2. Zusammenfassung der zentralen Thesen des Werks Orientalismus Edward Saids: Darstellung des Said’schen Konzepts des Orientalismus als eurozentrisches Herrschaftsinstrument, das den Orient als irrational und unterlegen konstruiert.
3. Zusammenfassung der zentralen Thesen des Werks Der andere Orientalismus: Regeln deutsch-morgenländischer Imagination im 19. Jahrhundert Andrea Polascheggs: Erläuterung von Polascheggs Kritik an Said, wobei sie betont, dass der Orient oft als inspirierendes Vorbild und kulturelles Gegenmodell rezipiert wurde.
4. Untersuchung des Romans Tarub, Bagdads berühmte Köchin Paul Scheerbarts auf orientalistische Deutungsmuster nach den Thesen Saids und Polascheggs: Analyse der Romantexte im Hinblick auf ihre idyllische Darstellung und das gleichzeitige Vorhandensein von sowohl abwertenden als auch bewundernden orientalistischen Mustern.
5. Untersuchung der Novelle Weltmacht Paul Scheerbarts auf orientalistische Deutungsmuster nach den Thesen Saids und Polascheggs: Anwendung der erarbeiteten Thesen auf die Novelle, mit Fokus auf die Themen Eskapismus, Dekadenz und die Konstruktion des Orients als ästhetische Gegenwelt.
6. Zusammenfassung der Ergebnisse: Synthese der Analyseergebnisse, die aufzeigt, dass Scheerbarts Orientdarstellung ein komplexes, hybrides Phänomen ist, das sowohl Said’sche Stereotype als auch Polaschegg’sche Wertschätzung vereint.
Orientalismus, Paul Scheerbart, Edward Said, Andrea Polaschegg, Tarub Bagdads berühmte Köchin, Weltmacht, Eurozentrismus, Kulturkonstrukt, Literaturanalyse, Morgenland, Idylle, Exotismus, Dekadenz, Identitätsbildung, literarischer Eskapismus.
Die Arbeit untersucht das Orientbild in ausgewählten literarischen Texten von Paul Scheerbart und prüft, inwiefern diese den Orientalismus-Theorien von Edward Said oder den Thesen von Andrea Polaschegg entsprechen.
Die Arbeit fokussiert auf die Darstellung des Orients als Idylle oder Bedrohung, das Verhältnis zwischen Okzident und Orient sowie die Rolle des Orients als ästhetische Gegenwelt und Rückzugsort für den Autor.
Ziel ist es zu klären, ob Scheerbart den Orient im Sinne eines "klassischen" eurozentrischen Orientalismus abwertet oder ob er – im Sinne von Polaschegg – eine wertschätzende, wenn auch fiktive, Faszination für das Morgenland zum Ausdruck bringt.
Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, bei der sie die Primärtexte von Scheerbart mit den theoretischen Rahmenwerken von Said und Polaschegg in einen direkten Vergleich setzt.
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Untersuchung des Romans "Tarub, Bagdads berühmte Köchin" und der Novelle "Weltmacht" unter Anwendung der theoretischen Konzepte auf konkrete Textstellen.
Zentrale Begriffe sind Orientalismus, Eurozentrismus, kulturelles Konstrukt, Eskapismus, Machtverhältnisse und die spezifische "deutsch-morgenländische Imagination".
Scheerbart nutzt den Orient als ästhetisches Gegenmodell zur europäischen Moderne seiner Zeit; dabei schwankt er zwischen einer romantischen Verklärung als Idylle und einer Darstellung, die den Orient als hochkulturell, aber auch als exzessiv und "gefährlich" wahrnimmt.
Polascheggs Ansatz dient dazu, die Einseitigkeit von Saids Thesen aufzubrechen, indem er aufzeigt, dass der Orient in der deutschen Literatur des 19. Jahrhunderts auch als Quelle der Inspiration, des Fortschritts und der Bewunderung fungierte.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

