Bachelorarbeit, 2017
85 Seiten, Note: 2,1
1. Einleitung
2. Gesellschaftlicher Wandel und lebenslanges Lernen als „Bildungsmotor“
3. Stand der Forschung und Forschungslücke
4. Aspekte qualitativer- und biografischer Forschung
5. Das narrative Interview als Erhebungsmethode im Forschungsprozess
5.1 Zugang zum Untersuchungsfeld
6. Auswertung nach Fritz Schütze
6.1 Interview Auswertung Herr T. und Herr P.
6.2 Kontrastive Fallvergleiche
6.3 Typisierung als theoretische Modelle
7. Ergebnis
7.1 Beantwortung der Forschungsfrage
8. Fazit
Die Arbeit untersucht die biografischen Hintergründe und Entscheidungsprozesse von nicht-traditionellen Studierenden, die ein berufsbegleitendes Fernstudium absolvieren, um die zugrunde liegenden individuellen und sozialen Faktoren zu verstehen.
Gesellschaftlicher Wandel und lebenslanges Lernen als „Bildungsmotor“
Wie in der Einleitung beschrieben, erweitert sich durch die Hochschulöffnungsklausel die Spannweite formeller Abschlüsse/Qualifikationen, aufgrund derer ein Studium aufgenommen werden kann. Ein möglicher präskriptiver Aspekt für den damit einhergehenden Akademisierungstrend und den zunehmenden Erfolg von Fernhochschulen (siehe Statistik Punkt 1) liegt neben diesen neuen Rahmenbedingungen vermutlich auch zum Teil an strukturellen, gesellschaftlichen Veränderungsprozessen, die vor allem seit den 1950er/1960er Jahren langsam einsetzten und auch die elementaren Bereiche Freizeitverhalten, Bildung und Beruf der Menschen umfassen.
Neue Vorstellungen der Individuen hinsichtlich Werte, Normen und Möglichkeiten durch die Individualisierung eröffnen somit auch mehr Raum für die Gruppe der „nicht-traditionell“ Studierenden. Der beschriebene gesellschaftliche Strukturwandel wird von dem Soziologen Ulrich Beck in seiner Individualisierungstheorie aufgegriffen. Ein Punkt daraus beschreibt die Herauslösung von Individuen aus alten industriegesellschaftlich geprägten, tradierten Vorstellungen und Lebensformen (vgl. Beck 2012, S. 206). Infolge dessen davon können sie so ihren Lebens- und Bildungsweg flexibler und selbstbestimmt gestalten.
Diese Entwicklung spielt sich seiner Interpretation nach in drei zeitlichen Verläufen ab. In der „Freisetzungsdimension“ lösen sich die Individuen, wie oben erwähnt, aus traditionellen Rollenaufteilungen, Wertvorstellungen und Sozialformen heraus. Durch den Verlust der damit verbundenen Vorteile bezüglich Normen und Handlungssicherheiten entwickeln die Individuen in der „Entzauberungsdimension“ ein entsprechendes Situationsbewusstsein und müssen sich so den veränderten Gegebenheiten stellen und anpassen. Sie unterliegen neuen institutionalisierten Anpassungszwängen, die der gesellschaftliche Wandel auch im Hinblick auf Bildungs- und Arbeitsmarktanforderungen mit sich bringt (Reintegrations- / Kontrolldimension).
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der nicht-traditionellen Studierenden und Darlegung der Zielsetzung sowie der zentralen Forschungsfrage.
2. Gesellschaftlicher Wandel und lebenslanges Lernen als „Bildungsmotor“: Einordnung der akademischen Öffnung in den Kontext soziologischer Individualisierungstheorien und des lebenslangen Lernens.
3. Stand der Forschung und Forschungslücke: Diskussion existierender Studien und Identifikation der Notwendigkeit für eine biografisch orientierte Untersuchung.
4. Aspekte qualitativer- und biografischer Forschung: Theoretische Begründung der gewählten methodischen Herangehensweise und der qualitativen Sozialforschung.
5. Das narrative Interview als Erhebungsmethode im Forschungsprozess: Detaillierte Vorstellung des narrativen Interviews als Instrument zur Erhebung biografischer Daten sowie Beschreibung des Zugangs zum Feld.
6. Auswertung nach Fritz Schütze: Anwendung der narrationsanalytischen Auswertungsmethodik auf die erhobenen Daten, inklusive Fallbeispiele und Kontrastierung.
7. Ergebnis: Zusammenführung der Analysen und direkte Beantwortung der Forschungsfrage anhand der identifizierten Motivlagen.
8. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und kritische Reflexion des Forschungsprozesses.
nicht-traditionelle Studierende, Fernstudium, Bildungsbiografie, narratives Interview, lebenslanges Lernen, Individualisierung, Akademisierung, berufsbegleitend, qualitative Sozialforschung, Fritz Schütze, biographische Forschung, Ersatzbiografie, Bildungsaufstieg, Motivationslage, Kompetenzentwicklung.
Die Arbeit beschäftigt sich mit den biografischen Motiven und Entscheidungsprozessen von Studierenden, die ohne den klassischen direkten Weg nach dem Abitur ein berufsbegleitendes Fernstudium aufnehmen.
Die zentralen Themen sind der soziologische Wandel der Bildungslandschaft, das Konzept des lebenslangen Lernens sowie die Bedeutung von Bildungsbiografien in einer individualisierten Gesellschaft.
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, welche Faktoren und Überlegungen den Entscheidungsprozess für ein berufsbegleitendes Studium bei fünf vollzeit-berufstätigen Studierenden begleiten.
Die Untersuchung nutzt die qualitative Sozialforschung, insbesondere das narrative Interview nach Fritz Schütze, um lebensgeschichtliche Daten zu erheben und diese interpretativ auszuwerten.
Im Hauptteil erfolgt die theoretische Einbettung in soziologische Konzepte, die Beschreibung des methodischen Vorgehens sowie die detaillierte Auswertung der Interviews anhand von Prozessstrukturen und Typenbildungen.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "nicht-traditionelle Studierende", "Fernstudium", "Bildungsbiografie" und "Lebenslanges Lernen" geprägt.
Der Typus der Ersatzbiografie beschreibt, wie Studierende ein Fernstudium nutzen, um ursprüngliche akademische Ambitionen, die durch externe Ereignisse oder frühere Abbrüche verschoben wurden, nachzuholen.
Während bei Herrn T. die Suche nach Anerkennung und Kompensation für ein schwaches Selbstwertgefühl im Vordergrund steht, zeigt Herr P. eine stark intrinsische Motivation, die in einer familiären Tradition der Bildung als Mittel zur aktiven Lebensgestaltung wurzelt.
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