Diplomarbeit, 2004
66 Seiten, Note: 1,7
Einleitung
1. Kapitel Erscheinungsformen der Gewalt
1.1) Gewalt in der Gesellschaft
1.2) Die Tradition des Autoritarismus
1.3) Terroristische Gewalt
2. Kapitel Realität und Fiktion
2.1) Abrechnung mit der Realität: Ein Autor und seine Dämonen
2.2) Der Gottesmord und die Schaffung einer neuen Realität
3. Kapitel Darstellung von Gewalt: Die Romane
3.1 La ciudad y los perros oder: Das Gesetz des Dschungels
3.2 Chronik eines angekündigten Scheiterns: Conversación en La Catedral
3.3 Historia de Mayta oder: Die Abrechnung mit der Radikalität
Fazit
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht die Rolle und Ausprägung von Gewalt im literarischen Schaffen von Mario Vargas Llosa. Dabei wird analysiert, wie der Autor persönliche Erfahrungen und peruanische gesellschaftliche Zustände in fiktive Romanwelten transponiert und dabei das Spannungsverhältnis zwischen Realität und Fiktion als zentrales Gestaltungselement nutzt.
2.1 Abrechnung mit der Realität: Ein Autor und seine Dämonen
Jorge Mario Pedro Vargas Llosa wird am 28. März 1936 in Arequipa (Peru) geboren. Seine Geburt steht zunächst unter keinem guten Stern, denn der Vater, Ernesto Vargas Maldonado, hatte seine schwangere Frau bereits fünf Monate nach der Hochzeit verlassen. Dora Llosa Ureta war nach Arequipa in das Haus ihrer Eltern zurückgekehrt, in dem der kleine Mario geboren wurde. Er sollte bis zu seinem zehnten Lebensjahr in dem Glauben leben, sein Vater sei tot. Vargas Llosa beschreibt die Jahre im Haus seiner Großeltern als harmonisch und behütet. Nach seiner Geburt verbringt die Familie Llosa nur noch ein weiteres Jahr in Arequipa. Die Jahre von 1937 bis 1945 lebt sie in Cochabamba (Bolivien), um sich danach in Piura (Nordperu) niederzulassen, wo der Großvater das Amt des Präfekten ausübt. Es ist eine unbeschwerte Zeit, über die Vargas Llosa später allerdings sagt: „happiness [...] is unproductive in a literary sense, and none of the things I thought about in those years has been a literary inspiration to me.“
Doch schon bald sollten Ereignisse eintreffen, die sich sehr wohl als literarische Inspiration verwenden ließen. 1946 lernt Vargas Llosa seinen totgeglaubten Vater kennen. Die Begegnung mit diesem unbeherrschten, gewalttätigen Mann ist traumatisch, denn der zehnjährige Mario wird aus seinem behüteten Umfeld herausgerissen und zieht mit beiden Eltern in die Hauptstadt Lima. Das Verhältnis zu seinem Vater wird zu keiner Zeit ein gutes sein. Sogar als er mit El pez en el agua mehr als fünfzig Jahre später seine Erinnerungen aufzeichnet, spricht er von seinem Vater nur als „el señor“. Er hat große Angst vor ihm und beginnt, ihn zu hassen.
Einleitung: Vorstellung des Autors Mario Vargas Llosa und Darlegung der zentralen Forschungsfrage bezüglich der Rolle der Gewalt in seinem literarischen Werk sowie der Bedeutung des Verhältnisses von Realität und Fiktion.
1. Kapitel Erscheinungsformen der Gewalt: Analyse der sozio-historischen Wurzeln der Gewalt in Peru, unterteilt in gesellschaftliche Gewalt (Machismo, Klassenschichtung), autoritäre staatliche Strukturen und terroristische Gewalt.
2. Kapitel Realität und Fiktion: Untersuchung der subjektiven Realität des Autors und seiner Romantheorie, insbesondere des Konzepts vom Schriftsteller als "Gottesmörder", der eine neue, geordnete fiktive Welt erschafft.
3. Kapitel Darstellung von Gewalt: Die Romane: Exemplarische Analyse der drei ausgewählten Romane, wobei jeder exemplarisch für eine der Erscheinungsformen von Gewalt steht, und Nachweis der Korrumpierung der Unschuld sowie des Scheiterns der Protagonisten.
Fazit: Zusammenfassende Erkenntnis, dass die Gewalt in Vargas Llosas Romanen ein präzises Spiegelbild der peruanischen Realität darstellt und als essenzieller Motor seines Schaffensprozesses dient.
Mario Vargas Llosa, Gewalt, Peru, Fiktion, Realität, Machismo, Autoritarismus, Terrorismus, Gesellschaftskritik, Literaturtheorie, Totaler Roman, Identität, Soziale Disparität, Korruption, Schuld.
Die Arbeit untersucht die verschiedenen Erscheinungsformen von Gewalt im Werk von Mario Vargas Llosa und wie diese mit den sozio-politischen Realitäten Perus sowie der Biografie des Autors verknüpft sind.
Die zentralen Themen sind gesellschaftliche Gewalt, der Autoritarismus in der peruanischen Geschichte, terroristische Phänomene und der Prozess, wie ein Autor durch literarische Fiktion versucht, die als chaotisch empfundene Wirklichkeit zu bewältigen.
Ziel ist es zu analysieren, welche Rolle die Gewalt in drei ausgewählten Romanen spielt und aufzuzeigen, wie Vargas Llosa Realität in Fiktion umwandelt, um sein künstlerisches Ziel eines "totalen Romans" zu erreichen.
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text der Romane mit biographischen Daten und soziologischen sowie politischen Analysen der peruanischen Geschichte in Beziehung setzt.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Gewaltformen (Kapitel 1), eine Analyse der Beziehung zwischen Autorenerfahrung und Fiktion (Kapitel 2) und die konkrete Anwendung dieser Erkenntnisse auf die drei Romane (Kapitel 3).
Zu den prägenden Begriffen gehören: Gewalt, Peru, Literaturtheorie, Machismo, Autoritarismus, Realität und Fiktion.
Vargas Llosa sieht den Schriftsteller als jemanden, der durch das Erschaffen einer eigenen, totalen fiktiven Welt an Gottes Stelle tritt, um die ungerechte Realität symbolisch zu überwinden oder zu "ermorden".
Das Militär wird in der Arbeit nicht nur als Repressionsorgan betrachtet, sondern als eine Institution mit historisch gewachsenem Selbstverständnis als "Beschützer der Nation", das durch seine Einmischung in die Innenpolitik das Entstehen autoritärer Systeme begünstigt.
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