Bachelorarbeit, 2008
49 Seiten, Note: 1
1. EINLEITUNG
2. DAS KONZEPT HOCHSENSITIVITÄT ALS SENSORY-PROCESSING SENSITIVITY
2.1 Entwicklung und Stand der Forschung
2.1.1 Messung von Hochsensitivität
2.2 Deutsche Übersetzung und verwandte Begriffe innerhalb der Psychologie
2.3 Neuro-physiologische und -psychologische Aspekte von Sensory-Processing Sensitivity
2.4 Wahrnehmungspsychologische Aspekte von Hochsensitivität
2.4.1 Begriffsbestimmung
2.4.2 Der Prozess der Wahrnehmung im Überblick
2.4.2.1 Aufmerksamkeit als Selektionsprozess
2.4.2.2 Die latente Hemmung
2.4.3 Exkurs- Die Rolle der Emotionen
2.5 Der Einfluss der Kultur auf Forschung und Individuum
2.6 Zusammenfassung und Interpretation
3. DIE PHÄNOMENOLOGIE DES AD(H)S
3.1. Historischer Abriss und Darstellung
3.2 Wahrnehmungspsychologische Aspekte von AD(H)S
4. RESUMéE HOCHSENSITIVITÄT UND AD(H)S
Die Arbeit untersucht das psychologische Konstrukt der Hochsensitivität und dessen wissenschaftliche Fundierung, wobei ein besonderer Fokus auf dem Vergleich mit dem Phänomen AD(H)S sowie der Einbettung in sozialpsychologische und kulturwissenschaftliche Kontexte liegt.
2.4.2 Der Prozess der Wahrnehmung im Überblick
Die menschliche Wahrnehmung ist keine einfache Abbildung der objektiven Wirklichkeit, sondern wird als konstruktiver Prozess verstanden, bei dem zwischen äußerer Realität und „innerem Bild“ der Person vermittelt wird. Hier zeigt sich auch der Antagonismus des Realen, der Realität oder Wirklichkeit und andererseits der subjektiven phänomenalen Welt- (sicht). Würden wir philosophisch betrachtet alles um uns herum wahrnehmen können wie es sich objektiv darstellt, würde sich nicht nur unser gesamtes Bild von der Welt ändern, sondern wir hätten die Wirklichkeit mit aller Wahrheit und Weisheit, mithin das letzte Geheimnis der Dinge gefunden. Hier würden Objektivität und Subjektivität zusammenfließen (SCHOPENHAUER, 1888).
Die menschliche Konstruktion von Wirklichkeit hat jedoch (nur) eine zweifache Bedingtheit, nämlich die situationsspezifischen externen Stimuli und die internen personenspezifischen Stimuli. Dieses Spannungsfeld der Wahrnehmung befindet sich zwischen (An-) Reizen bzw. Stimulation von Seiten der Umwelt und sensorischen und kognitiven Aktivitäten des wahrnehmenden Subjektes. Die Fähigkeit des Menschen sich den ständig verändernden Reizverhältnissen anzupassen, wird durch ein produktives System geleistet, dass keine einfachen Abbildungen erzeugt, sondern die Informationen konstruktiv weiterverarbeitet. Die aktive Informationsverarbeitung steht im Mittelpunkt der kognitionspsychologischen Herangehensweise, die für die neuere Wahrnehmungsforschung kennzeichnend ist. Der Prozess der Wahrnehmung wird in unmittelbarer Beziehung zur Aufmerksamkeitssteuerung gesehen, während die steuernde Funktion in Anlehnung an frühere Erfahrungen und den daraus resultierenden Interpretationen von neuartigen Wahrnehmungssituationen zugeschrieben wird (KEBECK, 1991).
Der Prozess der Wahrnehmung wird üblicherweise in die Kategorien der Sensorische Empfindungen (Sinnesphysiologie und Psychophysik), Selektion, Organisation und Klassifikation eingeteilt (FISCHER & WISWEDE, 2002).
1. EINLEITUNG: Einführung in das Thema Hochsensitivität, Darstellung des Forschungsstandes und Darlegung der zentralen Fragestellung bezüglich einer Neubewertung des Phänomens.
2. DAS KONZEPT HOCHSENSITIVITÄT ALS SENSORY-PROCESSING SENSITIVITY: Detaillierte theoretische Herleitung des Konstrukts sowie Analyse der neurophysiologischen und wahrnehmungspsychologischen Grundlagen der Hochsensitivität.
3. DIE PHÄNOMENOLOGIE DES AD(H)S: Historischer Überblick über AD(H)S und kritische Untersuchung der Verhaltensauffälligkeiten aus einer wahrnehmungspsychologischen Perspektive im Vergleich zur Hochsensitivität.
4. RESUMéE HOCHSENSITIVITÄT UND AD(H)S: Synthese der Forschungsergebnisse, Gegenüberstellung der beiden Phänomene in einer Übersichtstabelle und kritischer Ausblick auf die zukünftige psychologische Forschung.
Hochsensitivität, AD(H)S, Sensory-Processing Sensitivity, Wahrnehmungspsychologie, Latente Hemmung, Verhaltenshemmung, BIS/BAS, Sozialpsychologie, Persönlichkeitsforschung, Kulturelle Einflüsse, Emotionale Intelligenz, Kreativität, Reizoffenheit.
Die Arbeit reflektiert kritisch das psychologische Konstrukt der Hochsensitivität und untersucht dessen neurophysiologische und wahrnehmungspsychologische Fundierung im Vergleich zum Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom AD(H)S.
Die zentralen Felder umfassen sensorische Verarbeitungsprozesse, die Rolle von Aufmerksamkeit und latenter Hemmung sowie den Einfluss von kulturellen Prägungen auf die psychologische Forschung und Wahrnehmung.
Ziel ist es, das Phänomen Hochsensitivität aus der populärwissenschaftlichen Ecke zu heben und interdisziplinär zu begründen, um zu hinterfragen, ob die pathologisierende Sichtweise auf Hochsensitivität und AD(H)S zeitgemäß ist.
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die vorhandene wissenschaftliche Studien, Modelle (insb. das BIS/BAS-Modell) und philosophische Erkenntnisse zu einem interdisziplinären Argumentationsrahmen zusammenführt.
Im Hauptteil werden sensorische Verarbeitungsprozesse, die Selektionsfunktion der Aufmerksamkeit, die Bedeutung von Emotionen und der Einfluss kultureller Paradigmen auf die Bewertung von Persönlichkeitsmerkmalen analysiert.
Wichtige Begriffe sind Hochsensitivität, AD(H)S, Sensory-Processing Sensitivity, Reizoffenheit, BIS/BAS-Modell sowie die kulturelle Abhängigkeit von Wahrnehmung.
Die Autorin sieht deutliche Übereinstimmungen in der Merkmalsausprägung, insbesondere hinsichtlich der Reizoffenheit und einer Überrepräsentation des Verhaltenshemmsystems (BIS), und hinterfragt die rein pathologische Sichtweise.
Sie betont, dass westliche Kulturen durch ein analytisches Weltbild oft dazu neigen, subtile oder ganzheitliche Wahrnehmungsstile als Defizite zu werten, während diese in anderen Kulturen teilweise als Stärken wahrgenommen werden.
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