Magisterarbeit, 2011
151 Seiten, Note: 1,0
I. Einleitung
1. Zur Methode
2. Erzählperspektiven
II. Interpretation des Geschlechts
1. Namen
a. Der Name als Signal
b. Eugenia, Esther und der Kaufmann. Entlarvender Zynismus.
c. Libuschka, Janco und Courasche. Scheitern, Flucht und Zwang.
d. Spring-ins-Felt. Die korrosive Macht der Lächerlichkeit.
e. Simplicius Simplicissimus. Schande über die Mutter.
f. Rick su mir mein Hertz! Der Kosename als Entpersönlichung.
g. Margretha – Gred – Secret. Eine verräterische Verwechslung.
h. Schimpfnamen
2. Die Frau, der unvollkommene Mann
3. Kleidung und Gender
4. Kosmetik, Hygiene und Körperpflege
5. „… mit der Hand in Schlitz“. Der Sexus entscheidet.
6. Hermaphroditen
III. Frauentypen
1. Die Adlige
a. Bildung
b. Tätigkeiten
2. Die Bürgerliche
a. Bildung
b. Tätigkeiten
3. Bäuerinnen und Mägde
4. Die Dirne
5. Die Soldatenfrau
IV. Frauenrollen
1. Das Objekt der Begierde
2. Die Ehefrau
a. Ehefrauen und ihre Männer
b. Courasche als Ehefrau
3. Mutter und Kind
4. Die Hexe
V. Erotik und Sexualität
1. Erotik im Simplicianischen Zyklus ?
2. Die Rede von der Sexualität
a. Sexualität als Erzähltopos
b. Sexualität als Figurenrede
3. Gelebte Sexualität
a. Voreheliche Sexualität. Der Kampf um das Kränzlein.
b. Sexualität in der Ehe
c. Der Ehebruch
d. Sexualität und Gewalt
VI. Zusammenfassung
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht in einer umfassenden Untersuchung des Geschlechterverhältnisses innerhalb des Simplicianischen Zyklus von Grimmelshausen, um die zugrundeliegenden gesellschaftlichen und kulturellen Diskurse der Frühen Neuzeit zu entschlüsseln. Die Arbeit geht dabei der Frage nach, wie kulturelle Entwürfe von Weiblichkeit und Männlichkeit literarisch konstituiert, stabilisiert und revidiert werden.
d. Spring-ins-Felt. Die korrosive Macht der Lächerlichkeit.
In einem ganz anderen Licht stellt sich der Name Springinsfeld dar. Springinsfelds Taufname bleibt, anders als bei Libuschka/Courasche, ungenannt. Ein Muβquetierer ist er, Galan und Courtisan, kurz ein verliebter Niemand, der kaum das Wort an seine Angebetete zu richten wagt. Springinsfeld ist ein sprechender Name, und was aus ihm spricht, ist Herablassung und Verachtung der Namensgeberin. Noch bevor es überhaupt zu einem Gespräch zwischen beiden gekommen ist, empfindet Courasche […] die Verachtung so groβ / als das Mitleiden. Und die Umstände, welche Springinsfeld schlieβlich seinen Namen bescheren, sind gleichermaβen bizarr wie demütigend. In dem sieben Puncten umfassenden Kontrakt, den Courasche mit ihrem Galanen schlieβt, lautet der siebte (und damit sowohl von der Zahlensymbolik wie von der Positionierung deutlich hervorgehobene) Punkt:
Damit er auch solcher Schuldigkeit sich allezeit erinnern moege / sollte er zum sibenden gedulten / dass ich ihn mit einem sonderbahren Namen nennete / welcher Nahm aus den ersten Woertern des Befehls genommen werden sollte / wormit ich ihn das erste mahl etwas zu thun heissen wuerde.
Dieser erste Befehl lautet Spring-ins-felt und soll Courasche ein ungestörtes Schäferstündchen mit einem Herrn Fendrich ermöglichen. Der Anlass der Namensgebung durch Courasche setzt dem Kontrakt ein frech-ironisches Glanzlicht auf, und benennt, gleichsam grinsend, was das Vertragswerk nüchtern stipuliert: die vollständige Unterordnung, ja Unterwerfung des Mannes.
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein und erläutert die methodische Herangehensweise einer gender-orientierten Analyse der Werke Grimmelshausens.
II. Interpretation des Geschlechts: Dieses Kapitel untersucht Geschlechtsidentitäten anhand von Namen, Kleidung, Körperpflege und biologischen Zuschreibungen wie dem Hermaphroditismus.
III. Frauentypen: Hier werden verschiedene soziale Frauentypen wie die Adlige, die Bürgerliche, Bäuerinnen, Mägde und die Dirne in ihrem soziokulturellen Kontext analysiert.
IV. Frauenrollen: Das Kapitel widmet sich spezifischen Rollenbildern wie dem Objekt der Begierde, der Ehefrau, der Mutter und der Hexe.
V. Erotik und Sexualität: Dieser Abschnitt erörtert die Darstellung von Sexualität, vorehelicher Sexualität, Ehebruch und Gewalt im Simplicianischen Zyklus.
VI. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zur Analyse des Geschlechterverhältnisses und zur Dekonstruktion der Diskurse zusammen.
Grimmelshausen, Simplicianischer Zyklus, Geschlechterverhältnis, Gender Studies, Frühe Neuzeit, Courasche, Simplicius, Sexualität, Ehe, Körpergeschichte, Misogynie, Identität, Soziale Diskurse, Literaturwissenschaft.
Die Arbeit untersucht das Verhältnis der Geschlechter in Grimmelshausens Simplicianischem Zyklus und wie sich gesellschaftliche Vorstellungen der Frühen Neuzeit darin widerspiegeln.
Die Schwerpunkte liegen auf Identitätskonstruktion, der Rolle der Frau in verschiedenen sozialen Schichten sowie der Darstellung von Sexualität und Erotik.
Das Ziel ist es, die Diskurse um Männlichkeit und Weiblichkeit im Werk zu dekonstruieren und zu ergründen, wie literarische Darstellungen kulturelle Entwürfe widerspiegeln oder hinterfragen.
Es wird ein literaturwissenschaftlicher, gender-orientierter Ansatz verfolgt, der literarische Texte mit außerliterarischen zeitgenössischen Diskursen korreliert.
Der Hauptteil gliedert sich in die Interpretation von Geschlecht, die Analyse spezifischer Frauentypen und -rollen sowie die detaillierte Untersuchung erotischer und sexueller Thematiken.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Grimmelshausen, Geschlechterverhältnis, Gender, Frühe Neuzeit, Erotik, Sexualität und die literarische Dekonstruktion von Geschlechterrollen.
Der Autor zeigt auf, dass Namen im Zyklus oft keine Identitätsmarker sind, sondern Signalcharakter haben und zur Rollenzuweisung im literarischen Diskurs dienen.
Der Hermaphroditismus fungiert als Ausdruck eines tiefen Zielkonflikts der Figuren zwischen dem Wunsch, soziale Rollen zu wechseln, und der Determinierung durch das biologische Geschlecht.
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