Bachelorarbeit, 2016
45 Seiten, Note: 2,3
1) Einleitung
1.1) Geografische Lage Dersims
1.2) Ethnische und religiöse Struktur in Dersim
1.3) Dersim im Osmanischen Reich
1.4) Die Exekution Seyit Rızas als Einleitung der Unruhen
1.5) Fragestellung und Methodik
2) Dersim in der Wahrnehmung der regierungsnahen Stimmen
2.1) Berichte
2.1.1) Inspektor Hamdi Bey 1926
2.1.2) Inspektor Ibrahim Talı Bey 1930
2.1.3) Vom Generalstabschef 1931
2.2) Pressestimmen in den Jahren der Unruhen
2.3) Parlamentsansprachen
2.4) Dersim aus Sicht der Befürworter des Staates
3) Dersim: Massenmord in Ostanatolien 1937/38
3.1) „Mit eiserner Faust“: Die Gesetze für Dersim
3.2) Militärprotokolle
3.3) Zeitzeugenberichte
3.4) Interviews
3.4.1) Cemal Taş
3.4.2) Şükrü Aslan
3.5) Dersim aus Sicht der oppositionellen Historiker
4) Dersim - eine vergessene Region? Diskussion
Die vorliegende Arbeit untersucht die Unruhen und Ereignisse in Dersim in den Jahren 1937/38. Das primäre Ziel ist es, anhand einer kritischen Analyse offizieller Berichte, Gesetzesdokumente, Zeitzeugenberichte und Experteninterviews zu klären, ob es sich bei diesen Geschehnissen um eine legitime Niederschlagung eines Aufstandes oder um ein systematisches, von der Regierung geplantes Massaker bzw. einen Völkermord handelte.
Die Exekution Seyit Rızas als Einleitung der Unruhen
Seyit Rıza ist 1862 in Dersim, Ovacık geboren. Er ist der Sohn des Stammesführers von den Şeyh Hesenan, Seyit Ibrahim. Seyit Ibrahim hat als gebildeter Mann seinen Sohn persönlich unterrichtet. Vor seinem Tod verfügte er, dass sein jüngster Sohn Rıza, aufgrund seiner Intelligenz und Weisheit, der kommende Stammesführer wird. In den Erzählungen von Nuri Dersimi, der Enkelkind des Mehmet Ali und ein guter Freund von Seyit Rıza, war Rıza eine hilfsbereite, fröhliche und aufopferungsvolle Person. Seyit Rıza habe während des Genozids an den Armeniern den flüchtenden Menschen Asyl gewehrt. Durch seine menschliche und hingebungsvolle Art genoss Rıza in Dersim eine hohe Reputation.
In Dersim waren die zahlreichen Stämme in verschiedenen Konföderationen aufgeteilt, dadurch gab es mehrere Stammesführer. Seyit Rıza gehörte der westlichen Stammeskonföderation an.
Während der russischen Invasion schließt Seyit Rıza ein Packt mit dem Osmanischen Reich. In diesem wird verabredet, dass die Dersimer im Gegenzug zu Waffen und Geld an der Seite der Osmanen kämpfen. Als es 1921 in Koçgiri zu einem Massaker kommt, beschließt sich Seyit Rıza gegen die Osmanen zu stellen. Er nimmt die geflüchteten Anführer des Widerstands der Koçgiri-Stämme Alişer und Alişan Bey in seine Obhut. Die Osmanen fordern von seinem Verbündeten gegen die Russen, dass die beiden Widerstandskämpfer an das Reich übergeben werden, dies lehnt Rıza konsequent ab.
1) Einleitung: Einführung in die geografische und ethnische Struktur Dersims sowie Darlegung der Fragestellung und Methodik bezüglich der Ereignisse 1937/38.
2) Dersim in der Wahrnehmung der regierungsnahen Stimmen: Analyse der offiziellen Berichte, Pressestimmen und Parlamentsdebatten, die das Bild eines Dersim-Aufstandes konstruierten, um staatliche Eingriffe zu legitimieren.
3) Dersim: Massenmord in Ostanatolien 1937/38: Untersuchung der repressiven Gesetze, Militärprotokolle und Zeitzeugenberichte, die auf eine systematische Vernichtung und Assimilation hinweisen.
4) Dersim - eine vergessene Region? Diskussion: Zusammenfassende kritische Erörterung der Ereignisse, wobei die Diskrepanz zwischen staatlicher Propaganda und dem tatsächlichen Massaker-Charakter hervorgehoben wird.
Dersim, Tunceli, Seyit Rıza, Alevitentum, Assimilation, Völkermord, Massaker, Türkisierung, Osmanisches Reich, Koçgiri, Zeitzeugen, Atatürk, Tenkil-Operation, Zwangsumsiedlung, Widerstand.
Die Arbeit befasst sich mit den Ereignissen in der Region Dersim in den Jahren 1937/38 und analysiert die politischen sowie militärischen Hintergründe der dort stattgefundenen staatlichen Repressionen.
Zentrale Themen sind die staatliche Assimilationspolitik, das Selbstverständnis der Aleviten in Dersim, die Rolle der Regierung bei den Unruhen sowie der Vergleich zwischen der offiziellen Darstellung als „Aufstand“ und der Sichtweise von Historikern und Überlebenden als „Massaker“.
Das Ziel ist es, durch eine fundierte Quellenanalyse aufzuzeigen, ob die Ereignisse als Aufstand zu werten sind oder ob sie als geplanter Völkermord an der Bevölkerung Dersims einzustufen sind.
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf einer Auswertung von Primär- und Sekundärquellen basiert, darunter offizielle Berichte, Gesetzesdokumente, Protokolle sowie die Auswertung von Zeitzeugeninterviews (Oral History).
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der offiziellen staatlichen Wahrnehmung, die Analyse der Gesetze und Militärprotokolle sowie die Aufarbeitung von Zeitzeugenaussagen und Expertenmeinungen.
Wichtige Begriffe sind Dersim, Assimilation, Völkermord, Atatürk, Alevitentum, Repression und die historische Aufarbeitung der Ereignisse von 1937/38.
Das Gesetz wird als Beleg dafür angeführt, dass die staatlichen Maßnahmen gegen Dersim bereits Jahre vor den eigentlichen Ereignissen geplant waren und darauf abzielten, die Region systematisch unter staatliche Kontrolle zu bringen und die lokale Identität auszulöschen.
Die Interviews mit Historikern wie Cemal Taş und Şükrü Aslan liefern wesentliche Argumente gegen die These eines Volksaufstandes und verdeutlichen die systemkritische Sicht, die das Geschehen als staatlich verordnetes Verbrechen einstuft.
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