Masterarbeit, 2016
60 Seiten, Note: 2,3
I. Dogville- ein Theaterfilm
II. Reflexion der Theatralität im Film
III. Die Kunst der Verfremdung
IV. Desillusion und Illusion: Vom optischen Nicht-Sein ins imaginierte Dasein
V. Exkurs: Dogville-Inszenierung von Bastian Kraft
VI. Dogville – theatraler Freiraum
X. Anhang
10.1 Kurzzusammenfassung der Filmhandlung von Lars von Triers Dogville
10.2 Handlungsverlauf in Kapitelüberschriften
Die Arbeit untersucht die filmische Verfremdung in Lars von Triers Dogville und analysiert, wie der Film durch die Integration theatraler Elemente sowie die bewusste Nutzung von Desillusionierung und Verfremdungseffekten eine neue Form der "Meta-Theatralität" innerhalb der Filmmedialität entwickelt.
II. Reflexion der Theatralität im Film
Im Folgenden wird eine 7-minütige Szene aus Dogville beschrieben, um anhand dieser Beispielszene im Anschluss den Begriff der Theatralität zu definieren und sodann die Theatralität des Films herauszustellen:
Nachdem die Gemeinde von Dogville in der Versammlung gemeinsam entscheidet die Flüchtige Grace für zwei Wochen aufzunehmen und Tom Grace vorschlägt sich erkenntlich zu zeigen, indem Grace jedem Bewohner zur Hand geht, beginnt das zweite Kapitel “In which Grace follows Tom's plan and embarks upon physical labor“ (ab Minute 00:27:00 des Films).
The next day was a beautiful day in Dogville. The tender leaves on Ma Gingers's gooseberry bushes were unfurling despite wise Tom's misgivings as regards her gardening methods. But more than that this first day of spring had also been picked to be Grace's first ever day of work. The day in which she was to set off around Dogville and offer herself one hour per household per day. (Off-Stimme des Erzählers: Dogville: ab 00:27:09).
I. Dogville – ein Theaterfilm: Einführung in die Intermedialität von Film und Theater sowie Einordnung von Dogville als Hybridform.
II. Reflexion der Theatralität im Film: Detaillierte Analyse einer Schlüsselszene, um die Theatralitätsbegriffe nach Fischer-Lichte und anderen Theoretikern auf den Film anzuwenden.
III. Die Kunst der Verfremdung: Untersuchung der formalen Verfremdungseffekte nach Šklovskij und Brecht und deren Wirkung auf die Wahrnehmung des Zuschauers.
IV. Desillusion und Illusion: Vom optischen Nicht-Sein ins imaginierte Dasein: Erörterung der Wechselwirkung zwischen Illusionsbildung und Desillusionierung durch die künstliche Raumgestaltung.
V. Exkurs: Dogville-Inszenierung von Bastian Kraft: Untersuchung der theaterpraktischen "Rückübersetzung" des Stoffs auf die Bühne am Schauspiel Köln.
VI. Dogville – theatraler Freiraum: Fazit zur ästhetischen Sonderstellung des Films als intermediales Ereignis.
X. Anhang: Bereitstellung ergänzender Informationen wie der Filmhandlung und der Struktur der Kapitel.
Dogville, Lars von Trier, Theatralität, Intermedialität, Verfremdung, Bertolt Brecht, Viktor Šklovskij, Theaterfilm, Raumkonzept, Desillusion, Illusion, Imagination, Meta-Theatralität, Bastian Kraft, Filmästhetik
Die Arbeit befasst sich mit der formalen und ästhetischen Analyse des Films Dogville von Lars von Trier, insbesondere mit der Frage, wie theatrale Elemente und Techniken der Verfremdung eingesetzt werden, um die Grenzen zwischen Film und Theater zu verwischen.
Die Schwerpunkte liegen auf der Intermedialität, den Theorien der Theatralität (Fischer-Lichte, Warstat), den Verfremdungseffekten (Brecht, Šklovskij) sowie der Konstruktion von Illusion und Desillusion.
Ziel ist es aufzuzeigen, dass Dogville als "Meta-Theatralität" verstanden werden kann, die traditionelle filmische Sehgewohnheiten durchbricht und den Film als ein konstruiertes Kunstwerk erfahrbar macht.
Die Autorin nutzt eine medienwissenschaftliche und theaterwissenschaftliche Analyse, indem sie Filmszenen detailliert beschreibt und mit theoretischen Diskursen zur Intermedialität sowie zur Theatergeschichte verknüpft.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Raumkonzepten, die Rolle des Schauspielstils, die Verwendung von Geräuschkulissen und die Erzählstruktur als Verfremdungseffekte sowie einen Vergleich mit einer Bühnenadaption des Stoffes.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie "Theatralität", "Intermedialität", "Verfremdung", "Meta-Theatralität" und "Minimalismus" definiert.
Obwohl die Inszenierung am Schauspiel Köln der Ästhetik des Films treu bleibt, nutzt Bastian Kraft den Spiegel als zusätzliches Medium, das den Zuschauer körperlich in das Geschehen einbezieht und somit die theatrale Reflexion verstärkt.
Die Desillusionierung verhindert die bloße passive Immersion (das "Eintauchen") in eine Illusion. Stattdessen wird der Zuschauer zu einem aktiven, reflektierenden Betrachter, der sich der Künstlichkeit des Gesehenen jederzeit bewusst bleibt.
Bertolt Brechts Konzept des epischen Theaters und seine Theorie des "Verfremdungseffekts" dienen als zentrale theoretische Grundlage, da Lars von Trier diese Techniken – wie die Unterbrechung des Spielflusses oder die bewusste Sichtbarmachung der Inszenierung – direkt in sein filmisches Konzept überträgt.
Der Begriff beschreibt den Umstand, dass der Film nicht nur Theater zitiert, sondern die Möglichkeiten des Mediums Film durch die Integration theatraler Strukturen entgrenzt und permanent reflektiert, was das Wesen von "Theater" und "Film" ausmacht.
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