Diplomarbeit, 2009
124 Seiten, Note: 1,3
I. Einleitung
I.1. Problemaufriss
I.2. Begriffsdefinition
I.3. Der biblische Ursprung
II. Origenes
II.1. Sein Umfeld - Altkirchliche Glaubensbekenntnisse
II.2. Sein Lehrer Clemens von Alexandria
II.3. Origenes und das Ziel der Schöpfung
II.4. Origenes und der Prozess hin zum Ziel
II.5. Seine exegetischen Methoden
II.6. Seine Gegner – Augustinus
III. Der exegetische Befund
III.1. Biblische Stellen contra Allversöhnung am Beispiel von Mt 25, 31- 46
III.1.1. Erster Einwand: Nur ein Gleichnis
III.1.2. Zweiter Einwand: Kein Jesuwort
III.1.3. Dritter Einwand: Relativität
III.1.4. Vierter Einwand: Die Übersetzbarkeit von aionos
III.1.5. Die infernalistische Perspektive auf aion
III.1.6. Erstes Zwischenfazit
III.2. Die exegetische Sicht der Allversöhner
III.2.1. Erster Einwand: Falsche Absolutheit
III.2.2. Gegenerwiderung
III.2.3. Zweites Zwischenfazit
III.2.4. Zweiter Einwand: Unangebrachte Verknüpfungen
III.3. Exkurs: Das Zweite Testament
III.4. Zusammenfassung des exegetischen Befundes
IV. Pastorale Gründe
IV.1. Einleitung
IV.2. Die Anzweifelung der Sinnhaftigkeit einer ewigen Hölle
IV.3. Der Sinn einer extensiv-durativ ewigen Strafe
IV.4. Absolute Straftheorien
IV.4.1. Als Rache
IV.4.2. Kritik an der Rachetheorie: das Liebesargument
IV.4.3. Als Freiheitsentscheidung
IV.4.4a. Kritik an der Freiheitstheorie: die soteriologische Ohnmacht des Menschen
IV.4.4b. Problematisierung der soteriologischen Ohnmacht
IV.4.5. Als Strafe für die Beleidigung Gottes
IV.4.6. Kritik an der Beleidigungstheorie: das Menschenbild
IV.4.7. Besondere Verschärfung
IV.4.8. Fazit des antropologischen Arguments
IV.5. Relative Straftheorien
IV.5.1. Besserung der Menschen durch Abschreckung
IV.5.2. Kritik an der Besserungstheorie
IV.5.3. Als Steigerung der Seligkeit der Geretteten
IV.5.4. Kritik an der Theorie der Seligkeitssteigerung
IV.6. Fazit zu den Straftheorien: Das Gottesbild
IV.7. Argumente pro Gericht
IV.8. Probleme der Gerichtsrede
IV.9. Argumente contra klassisches Gericht: Überwindung des Dualismus
IV.10. Problem der Unversöhnbarkeit der Menschen?
V. Die Position des Römisch- Katholischen Lehramtes
V.1. Einleitung
V.2. Das Zweite Vatikanum
V.3. Die Uneindeutigkeit des Zweiten Vatikanums
V.4. Katholische Kirche heute
V.5. Papst Benedikt XVI.
V.6. Die lehramtliche Verurteilung
V.7. Exkurs: Einige evangelische Stimmen
V.8. Fazit: Die Eschatologie in der heutigen Dogmatik
VI. Gesamtfazit
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die theologische Kontroverse um die eschatologische Lehre der Allversöhnung (Apokatastasis) zu untersuchen. Ausgehend von einer künstlerischen Installation, die zur kritischen Reflexion über göttliche Vergebung anregt, analysiert die Autorin die exegetischen, pastoralen und dogmengeschichtlichen Argumente, um zu einem eigenen Antwortversuch in Bezug auf die christliche Eschatologie zu gelangen.
I.3. Der biblische Ursprung
Die einzige Stelle im Neuen Testament, bei der das Hapaxlegomenon Apokatastasis panton ausdrücklich vorkommt, ist Apostelgeschichte (Apg) 3,21: „Hon dei ouranon men dexasthai achri chronon Apokatastasis panton hon elalesen ho theis dia stomatos ton hagion ap` aions autou propheton.“
In der Elberfelder Übersetzung wird dies wiedergegeben mit: „Den [Jesus Christus] muss freilich der Himmel aufnehmen bis zu den Zeiten der Wiederherstellung [griech: Apokatastasis] aller Dinge [griech: panton] von denen Gott von jeher geredet hat.“
Man kann abgewandelt übersetzen mit der „Wiederherstellung von allem, wovon Gott seit jeher gesprochen hat“, eine Formulierung, welche in fast allen Übersetzungen auch gebraucht wird. Für ganz wenige Exegeten mag dabei ein Unterschied bestehen: So argumentiert Manfred Klatt gegen die These der Allversöhnung mit dem Hinweis darauf, dass die „Wiederherstellung aller Dinge" nicht von einer schlussendlichen Wiederherstellung von Menschen spreche. Menschen seien seiner Ansicht nach doch keine Dinge! Man muss ihm grammatikalisch insofern Recht geben, als dass der griechische Begriff panton auf zwei verschiedene Weise verstanden werden kann. Einerseits existiert eine maskuline wie feminine Fassung, worunter Personen oder personenbetreffende Aussagen fallen. Daneben existiert andererseits eine neutrische Grammatikform, bei der von Dingen, Sachverhalten und Angelegenheiten gesprochen wird. Das Problem wird jedoch (u.a.) dadurch gelöst, dass unter Dingen ebenfalls der Mensch gemeint sein kann – beinhaltet doch auch die neutrische Lesart neben den Angelegenheiten von Personen implizit die Personen selbst.
I. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Allversöhnung ein, indem es die Forschungsfrage anhand eines zeitgenössischen künstlerischen Impulses umreißt und den theoretischen Rahmen absteckt.
II. Origenes: Der Fokus liegt auf dem kirchengeschichtlichen Ursprung der Lehre bei Origenes, seinem intellektuellen Umfeld und der späteren Auseinandersetzung mit Augustinus.
III. Der exegetische Befund: Dieses Kapitel bietet eine tiefgehende Auseinandersetzung mit der biblischen Exegese, insbesondere unter Berücksichtigung von Matthäus 25 und dem biblischen Begriff "Äon".
IV. Pastorale Gründe: Hier werden ethische und praktische Überlegungen zu Straftheorien und dem christlichen Gottesbild gegenübergestellt.
V. Die Position des Römisch- Katholischen Lehramtes: Die Untersuchung befasst sich mit der Entwicklung der lehramtlichen Haltung von der Tradition bis hin zum Zweiten Vatikanum und der aktuellen dogmatischen Einordnung.
VI. Gesamtfazit: Das abschließende Kapitel bündelt die gewonnenen Erkenntnisse und formuliert eine dialektische Position zur Eschatologie.
Allversöhnung, Apokatastasis, Eschatologie, Hölle, Origenes, Augustinus, Straftheorien, Erlösung, Gerechtigkeit, Gnade, Zweites Vatikanum, Gericht Gottes, biblische Exegese, Dogmatik, Heilsgeschichte
Die Diplomarbeit untersucht die theologische Debatte darüber, ob Gott am Ende der Zeit alle Menschen erlöst ("Allversöhnung") oder ob es eine dauerhafte Trennung in Himmel und Hölle gibt ("doppelter Ausgang").
Die zentralen Felder umfassen die neutestamentliche Exegese, die Patristik (Kirchenväter), dogmatische Straftheorien und die lehramtliche Position der römisch-katholischen Kirche.
Ziel ist es, die Argumente beider Lager (Allversöhner vs. "Infernalisten") dogmatisch und exegetisch zu durchdringen, um eine differenzierte Beurteilung der eschatologischen Hoffnung zu ermöglichen.
Die Arbeit nutzt einen dogmatisch-theologischen Ansatz, der biblische Texte, traditionsgeschichtliche Quellen und aktuelle theologische Literatur systematisch vergleicht und kritisch auswertet.
Der Hauptteil gliedert sich in die exegetische Analyse zentraler Bibelstellen (z.B. Apg 3,21; Mt 25,46), die Untersuchung der kirchlichen Tradition (Origenes, Augustinus) sowie eine Diskussion pastoraler und dogmatischer Argumente rund um das Gottesbild.
Zu den Kernbegriffen gehören Apokatastasis, Eschatologie, Gnade, göttliche Gerechtigkeit, Straftheorien und der "doppelte Ausgang" des Weltgerichts.
Origenes fungiert als "geistiger Stammvater" der Apokatastasis-Lehre; die Arbeit reflektiert seine philosophisch-theologischen Ansätze und setzt sie in den Kontext der späteren lehramtlichen Kritik.
Die Autorin erkennt das Spannungsfeld zwischen dem Wunsch nach Gerechtigkeit (Gericht) und der christlichen Hoffnung auf universale Liebe und erörtert die Hölle eher als pädagogisch-paränetisches Instrument denn als bloße Rache Gottes.
Das Zweite Vatikanum wird als wichtiger Wendepunkt zur Liberalisierung und zu einer inklusiveren Heilslehre analysiert, auch wenn die Hölle offiziell Lehrmeinung bleibt.
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