Masterarbeit, 2016
98 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Aktiv versus passiv – nackte Frauenkörper als Objekte männlichen Begehrens
2.1 Der Blick
2.1.1 Der Voyeur im Dunkeln – Laura Mulvey
2.1.2 Der Blick bei Jean Paul Sartre
2.2 „Do women have to be naked to get into the Met. Museum?“ – Die Frau in der Kunst
2.3 Die Frau als Pinsel
2.4 Die performative Rückeroberung des weiblichen Körpers – feministische Reaktionen auf patriarchale Performance-Praxis
2.4.1 Die Erschließung der Performance-Kunst – Vagina Paintings und Up to and Including Her Limits
2.4.2 Die Renaissance des lebenden Pinsels
2.4.2.1 Umsetzungen in den neunziger Jahren
2.4.2.2 PlopEgg – die narzisstische Inszenierung der Geburt eines Bildes
3. Die Transformation des weiblichen Körpers in der Performance-Kunst
3.1 Der Körper im Schmerz – Gina Pane
3.1.1 Die Wunde als Zeichen einer weiblichen Sprache
3.1.2 Autoaggression als Weg zur Subjektivität
3.1.3 Gina Pane als Märtyrerin – kathartisches Erleben durch die symbolische Selbstopferung
3.2 Carolee Schneemann – die Rekuperation des eigenen, weiblichen Körpers qua Blick
3.2.1 Die Entgrenzung der Malerei und ihre Überführung in die Performance-Kunst
3.2.2 Die Synthese und Dekonstruktion von Künstlerin und Kunstwerk – Eye/Body: 36 Transformative Actions for Camera
3.2.3 Fuses
3.3 VALIE EXPORT – die (De-)Konstruktion von Identität
3.3.1 VALIE EXPORT zum Bild der Frau in der Kunst – Das Reale und sein Double: Der Körper
3.3.2 Die Emanzipation des Doubles – VALIE EXPORT gegen Körperbilder
3.3.3 Der erwiderte Blick
3.3.3.1 Das Tapp- und Tastkino
3.3.3.2 Aktionshose: Genitalpanik
3.4 Aktualisierung durch Reenactments – eine vergleichende Betrachtung
4. Schlussfolgerungen
Die Arbeit untersucht die Repräsentation und performative Inszenierung des weiblichen Körpers in der feministischen Performance-Kunst, wobei der Fokus auf den Arbeiten von Gina Pane, Carolee Schneemann und VALIE EXPORT liegt. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie diese Künstlerinnen den weiblichen Körper durch eigene Strategien aus der Objektivierung und der patriarchalen Bildtradition befreiten und zu einem subjektiven Ausdrucksmittel transformierten.
3.1.1 Die Wunde als Zeichen einer weiblichen Sprache
Bevor Gina Pane mit ihren Körperaktionen begann, arbeitete sie im Bereich der installativen und bildenden Kunst, jedoch wurde ihr erst ab den späten sechziger Jahren, im Rahmen ihrer performativen Aktionen, in denen sie sich mit dem Ausloten der Grenzen des eigenen Körpers beschäftigte, ein größeres mediales Interesse zuteil. Bereits in ihren ersten Performances, die sich einer, noch rudimentären, Zeichensprache bedienten, nimmt die Beziehung der Künstlerin zur Natur einen zentralen Stellenwert ein. So trug sie, im Zuge der Arbeit Pierres déplacées von 1968 in einem Gebirgstal bis zur Erschöpfung Steine von der Schatten- zur Sonnenseite oder versuchte sie oder sie dort zu ,begraben‘. Eine schrittweise Annäherung Panes an die Wunde fand mit der Aktion Situation idéale: Terre – Artiste – Ciel von 1969 statt. Alle diese Arbeiten wurden in der Natur unter Ausschluss der Öffentlichkeit durchgeführt. Lediglich Fotografien, die von Pane sogenannten ,Constats‘, dokumentierten das Geschehen. Eine Aufnahme der Aktion Situation idéale: Terre – Artiste – Ciel zeigt Pane auf der steinigen Erde stehend in starrer Haltung. Über ihr befindet sich der Himmel. Sie blickt von einem erhabenen Standpunkt aus direkt in die Kamera und erwidert so den Blick der Betrachter*innen. Pane durchbricht hier die horizontale Trennung von Erde und Himmel und wird somit als störendes Element zur theoretischen Wunde des Bildes. Ihr vertikal aufgerichteter Körper steht im Zentrum der Fotografie und ergibt, zusammen mit dem Horizont eine kreuzförmige Fragmentierung des Bildes. Dass jedoch auch der Künstlerinnenkörper fragmentiert ist, zeigt sich durch die Linie, mit welcher Pane das Passepartout des Bildes graphisch verlängerte. Diese Linie durchkreuzt das Wort „artiste“ (Abb. 12).
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Objektivierung des weiblichen Körpers in der Kunstgeschichte ein und stellt die Performance-Kunst als feministisches Medium zur Selbstbestimmung vor.
2. Aktiv versus passiv – nackte Frauenkörper als Objekte männlichen Begehrens: Dieses Kapitel analysiert theoretische Grundlagen zum „männlichen Blick“ und untersucht, wie Frauen in der Kunstgeschichte historisch auf passive Rollen reduziert wurden.
3. Die Transformation des weiblichen Körpers in der Performance-Kunst: Hier wird der Kern der Arbeit behandelt, indem die spezifischen Ansätze von Gina Pane, Carolee Schneemann und VALIE EXPORT zur aktiven Aneignung und Transformation des eigenen Körpers analysiert werden.
4. Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse der Analyse werden zusammengeführt, wobei die Bedeutung der performativen Selbstdarstellung für die feministische Emanzipation und die anhaltende Relevanz durch aktuelle Reenactments betont wird.
Performance-Kunst, Feminismus, Weiblicher Körper, Objektivierung, Gina Pane, Carolee Schneemann, VALIE EXPORT, Männlicher Blick, Selbstbestimmung, Körperbilder, Reenactment, Identitätskonstruktion, Schmerz, Autoaggression, Repräsentation
Die Arbeit analysiert, wie Künstlerinnen der 1960er und 1970er Jahre den weiblichen Körper in der Performance-Kunst nutzten, um sich von der historisch tradierten Objektivierung durch den männlichen Blick zu befreien.
Die zentralen Themen umfassen feministische Kunsttheorie, die Dekonstruktion patriarchaler Bildtraditionen, die Rolle des Körpers als Subjekt und Medium der Kunst sowie die Bedeutung von Schmerz und Inszenierung.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Gina Pane, Carolee Schneemann und VALIE EXPORT durch performative Praktiken eine eigene, weibliche Sprache entwickelten und den Körper von einer passiven Projektionsfläche in ein aktives Subjekt verwandelten.
Die Arbeit nutzt kunsthistorische Analysen, feministische Film- und Medientheorie (z.B. Laura Mulvey) und phänomenologische Ansätze, um die Wirkung der performativen Arbeiten auf die Rezipient*innen zu deuten.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zum männlichen Blick sowie drei ausführliche Fallstudien zu den Werken und Strategien von Pane, Schneemann und EXPORT, ergänzt durch eine kritische Betrachtung aktueller Reenactments.
Performance-Kunst, Feminismus, weibliche Identität, Körperpolitik, männlicher Blick, Subjektivität und künstlerisches Reenactment.
Gina Pane nutzt Schmerz und Wunden als eine Art „neue Sprache“. Durch die symbolische und physische Selbstverletzung bricht sie mit ästhetischen Konventionen und zwingt das Publikum, sich mit ihrem Körper als fühlendem Subjekt auseinanderzusetzen, statt ihn rein voyeuristisch zu betrachten.
Reenactments dienen der Aktualisierung früherer Werke. Sie erlauben es, die feministischen Potenziale der 60er/70er Jahre zu überprüfen und kritisch zu hinterfragen, wie sich der gesellschaftliche Umgang mit Nacktheit und weiblicher Identität seitdem verändert hat.
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