Magisterarbeit, 2010
120 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Wahrnehmung durch das Medium Fotografie
2.1 Kulturgeschichte der Fotografie
2.2 Mediengeschichte der Fotografie
3. Das Neue Sehen
3.1 Die Rodtschenko-Perspektive
3.2 Moholy-Nagys neue Lehre des Sehens
3.3 Hausmanns Lenkung des Blicks
4. Die technischen Bilder und die Rolle des Betrachters
5. Andreas Gurskys Neues Sehen
5.1 Anfänge (1980-1991) - Narrativität
5.2 Inszenierung von Realität (1992-1999) - Strukturierung
5.3 Mensch und globalisierte Welt (2000-2008) - Archivierung
6. Fazit
6.1 Wahrnehmung in Bezug auf Gurskys Werk
7. Bildanlage
Die vorliegende Magisterarbeit untersucht, inwiefern das Medium Fotografie unter Berücksichtigung moderner technologischer Möglichkeiten, wie der digitalen Bildbearbeitung, neue Wahrnehmungsstrategien beim Betrachter evozieren kann. Dabei dient das fotografische Werk von Andreas Gursky als zentrales Fallbeispiel, um zu analysieren, wie Gurskys Fotografien – im Kontext kulturwissenschaftlicher Diskurse – den Betrachter zu neuen Weltdeutungen einladen und inwiefern sie als „Bilderarchiv“ fungieren können.
1. Einleitung
Genau genommen gibt es ja keine ‚Wahrnehmung’. Alles, was wir für wahr nehmen, bleibt doch nur ein Annehmen, eine Hypothese, die sich erst zu bewähren hat. Nur hat die menschliche Wahrnehmung in der vertrauten Umwelt so viele Überprüfungsmöglichkeiten, daß uns die fließenden Grenzen zwischen Sehen, Deuten und bloßem Raten noch viel weniger zum Bewusstsein kommen als im Falle des Bilderlesens.1
Was Ernst Gombrich (1909-2001), einer der einflussreichsten Theoretiker zum Thema Wahrnehmung und bildlicher Darstellung in der Kunst, hier beschreibt, veranschaulicht sehr gut die Komplexität, mit der dem Thema ‚Wahrnehmung durch das Medium Fotografie – Am Beispiel ausgewählter Fotografien von Andreas Gursky’ in dieser Arbeit begegnet werden soll.
Der Diskurs um das Medium Fotografie ist seit seiner Entstehung durch die Problematik gekennzeichnet, theoretische, ästhetische oder kulturkritische Parameter zu finden, die eine Diskussion über Fotografie überhaupt zuließen.2 In der Auseinandersetzung mit Fotografie werden für gewöhnlich immer wieder die großen Texte intellektuellen Rangs zitiert und repetiert. Zu den namenhaften Autoren, die sich theoretisch mit dem Medium zumeist in essayistischer Form in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auseinandersetzten, zählen insbesondere Siegfried Kracauer, Walter Benjamin, Gisèle Freud und Roland Barthes. Diese werden als paradigmatische Leittexte der wissenschaftlich vorherrschenden Diskurse um das Medium Fotografie angesehen. Unter Berücksichtigung dieser viel zitierten Texte soll in dieser Untersuchung aber auch im Rückgriff auf Autoren anderer Fachgebiete in erster Linie dem Thema ‚Wahrnehmung’ (durch das Medium Fotografie) nachgegangen werden. Die epistemologische Vorraussetzung dieser Untersuchung ist, dass es die Fotografie nicht gibt, sondern nur eine Vielzahl von Einsatzmöglichkeiten des Mediums, dass von Anfang an einen „Zwitterstatus“ besaß und zwischen bürgerlicher Wissenschaft und bürgerlicher Kunst sich oszillierend in nahezu alle Bereiche des modernen Lebens Eingang verschaffte.3 Seit jeher war die zentrale Frage nach dem Fotografischen an der Fotografie die, ob sie gestaltet oder bloße Kopie des Realen ist.
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Wahrnehmung durch das Medium Fotografie und Erläuterung der Relevanz von Andreas Gurskys Werk für diese Untersuchung.
2. Wahrnehmung durch das Medium Fotografie: Historische und medientheoretische Aufarbeitung der Fotografie als Medium, das menschliche Wahrnehmungsmuster prägt.
3. Das Neue Sehen: Analyse der avantgardistischen Künstlerbewegung der 1920er Jahre und deren Bedeutung für eine neue, bildnerische Qualität der Fotografie.
4. Die technischen Bilder und die Rolle des Betrachters: Untersuchung der Auswirkungen digitaler Bildtechnologien auf die Fotografie und die damit einhergehende Neudefinition der Betrachterrolle.
5. Andreas Gurskys Neues Sehen: Detaillierte Analyse des Werks von Andreas Gursky, unterteilt in die Schaffensphasen Narrativität, Strukturierung und Archivierung.
6. Fazit: Zusammenführung der Ergebnisse und Beantwortung der Ausgangsfrage zur Veränderung der Wahrnehmungsstrategien durch das digitale Bild.
Andreas Gursky, Fotografie, Wahrnehmung, Neues Sehen, Digitalisierung, Bildarchiv, Narrativität, Strukturierung, Archivierung, Kulturelles Gedächtnis, Postmoderne, Rezeptionsästhetik, Bildkonstruktion, Virtuelle Wirklichkeit, Medientheorie.
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkung zwischen dem Medium Fotografie und der menschlichen Wahrnehmung, wobei der Fokus insbesondere auf der Entwicklung hin zu digitalen Bildbearbeitungstechniken liegt.
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte und Theorie der Fotografie, die medientheoretische Betrachtung digitaler Bildproduktion sowie die kunstwissenschaftliche Analyse ausgewählter Werke von Andreas Gursky.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Andreas Gursky durch den Einsatz digitaler Techniken und spezifischer künstlerischer Konzepte die Wahrnehmungsstrategien des Betrachters irritiert und zur Reflexion über die Darstellung von Realität anregt.
Die Arbeit stützt sich auf eine kunst- und medientheoretische Analyse unter Einbeziehung von Ausstellungskatalogen, Fachliteratur und theoretischen Diskursen zur Fotografie, etwa von Walter Benjamin, Vilém Flusser und Wolfgang Kemp.
Der Hauptteil analysiert das Schaffen von Andreas Gursky anhand chronologischer Phasen (Narrativität, Strukturierung, Archivierung) und vergleicht diese mit den Prinzipien des historischen "Neuen Sehens".
Wichtige Begriffe sind Andreas Gursky, Wahrnehmung, Neues Sehen, Archivierung, digitale Bildkonstruktion und kulturelles Gedächtnis.
Gursky wird als zeitgenössischer Anknüpfungspunkt für die Prinzipien des "Neuen Sehens" verstanden, wobei er die Eigengesetzlichkeiten der Fotografie und die bewusste Steuerung des Blickwinkels zur Formkonstruktion nutzt.
Archivierung bezieht sich hierbei auf Gurskys Bestreben, Phänomene der globalisierten Welt zu systematisieren und durch seine Bilder als "Bilderarchiv" für das kulturelle Gedächtnis der Gegenwart verfügbar zu machen.
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