Magisterarbeit, 2004
223 Seiten, Note: 2
1. Einleitung
1.1 Begründung, Intention und Abgrenzung
1.2 Methoden und Aufbau der Arbeit
1.3 Das Forschungsfeld
1.3.1 Europäische Ethnologie/Volkskunde
1.3.2 Ethnologie/Völkerkunde
1.3.3 Soziologie
1.3.4 Psychologie
1.4 Forschungsschwierigkeiten
2. Das Ritual. Begriffsbestimmungen und Genese
2.1 Definitionen: Religion und Ritual
2.1.1 Voraussetzungen
2.1.2 Religion
2.1.3 Ritual
2.1.3.1 Kernbedingungen
2.1.3.2 Randbedingungen
2.1.3.3 Arbeitsdefinition
2.2 Genese von Ritualen
2.2.1 Situative Ritualentstehung
2.2.2 Perpetuierung
2.2.3 Ritualgenetisch relevante Situationen
2.2.4 Thema und Form von Ritualen
2.2.5 Ritualgenese und Angst
2.3 Innere Bedürfnisse und äußere Erfordernisse: Zur Attraktivität religiöser Rituale
3. Das Ritual als Zwang – Phänomenologie
3.1 Rituale und Zwang
3.2 Zwänge im Ritualgeschehen
3.2.1 Zwang zum Ritualvollzug
3.2.2 Zwang innerhalb von Ritualen
3.2.2.1 Zwang in Bezug auf Art und Weise der Ausführung
3.2.2.2 Zwang durch die Dynamik des Rituals
3.2.3 Zwang durch Rituale
3.2.3.1 Promissorische Rituale
3.2.3.2 Veränderung der Wirklichkeit
3.3 Innere und äußere Zwangsformen
3.3.1 Kategorisierung
3.3.2 Differenzierung innerer – äußerer Zwang
4. Zwangsmechanismen
4.1 Innere Zwänge
4.1.1 Suchtpotential von Ritualen
4.1.2 Die religiöse Zwangsstörung
4.1.2.1 Definition
4.1.2.2 Abgrenzung der individuellen Ritualausführung zum Pathologischen
4.1.2.3 Phänomenologie
4.1.2.4 Haltung der Religionen
4.2 Äußere Zwänge
4.2.1 Mechanismen
4.2.1.1 Erzwungene Zustimmung (forced compliance)
4.2.1.2 Kognitive Beeinflussung
4.2.1.3 Autoritärer Gehorsam
4.2.2 Extremform des äußeren Zwanges: ritueller Mißbrauch
4.3 Vom äußeren zum inneren Zwang
4.3.1 Vorbemerkung
4.3.2 Mechanismen der Indoktrination
4.3.2.1 Sozialisation
4.3.2.2 Soziale Überzeugung (coercive persuation)
4.3.2.3 Die Rolle des Körpers
4.3.2.4 Die Rolle der Sprache
4.3.2.5 Sinnliche Wirkung von Ritualkomponenten und die Veränderung des Bewußtseinszustandes
4.4 Zwang in komprimierter Form: Die Sekte als totale Institution
4.4.1 Der Zwangscharakter von Sekten
4.4.2 Mechanismen
4.4.2.1 Milieukontrolle
4.4.2.2 Forcierte Indoktrination
4.4.2.3 Das ‚Lego-Prinzip’
4.4.2.4 Die Rolle von Ritualen
4.4.2.5 Folgen
5. Rahmenbedingungen
5.1 Einflüsse auf die Intensität des Zwanges
5.1.1 Rituelles Geschehen
5.1.2 Individuelle Faktoren
5.1.3 Charakteristika des Rituals
5.1.4 Rolle
5.1.5 Soziale und individuelle Relevanz des Rituals
5.1.6 Ebene der Partizipation
5.1.7 Reihenfolge der Ausführung
5.1.8 Häufigkeit der Ausführung
5.2 Prädispositionen
5.2.1 Allgemeine Vulnerabilität
5.2.2 Innere Zwänge
5.2.3 Äußere Zwänge
5.3 Determinanten des Zwangsempfindens
5.3.1 Individualitätskonzepte
5.3.2 Denkbarkeit von Alternativen
5.3.3 Individuelle Voraussetzungen
5.4 Gesellschaftliche Bedingungen von Zwängen
5.4.1 Allgemeines
5.4.2 Hintergründe
5.4.2.1 Soziale Fortifikationsfunktion ritueller Verpflichtungen
5.4.2.2 Herrschaftsaspekte ritueller Gewalt
5.4.2.3 Rituale und Wirtschaft
5.4.3 Gesellschaftsformen und Zwänge
5.4.3.2 Mary Douglas: Klassifikationsmuster, Gruppendruck und religiöses System
5.4.3.3 Catherine Bell: Ritualstile und Gesellschaft
5.4.3.4 Soziale Determinanten von Zwängen (Anwendung der Theorien)
5.4.4 Gesellschaftliche Stellung und Ritual
5.4.5 Gender und Ritual
5.4.6 Gesellschaftlicher Verflechtungsgrad und Zwangspotential
5.4.7 Heutige Gesellschaft
5.5 Religionsinterne Faktoren
5.5.1 Ausmaß und Rigidität von Bestimmungen
5.5.2 Zentrale Thematiken der Religion
5.5.3 Gottesbild (Charakter)
5.5.4 Religiöse Autorität
5.5.5 Religionstypen
5.5.6 Ausrichtung und Organisationsform
5.5.7 Die Rolle der Volksfrömmigkeit
6. Zwangspotential einzelner Religionen
6.1 Kriterien der Untersuchung
6.2 Nichtchristliche Religionen
6.2.1 Buddhismus
6.2.2 Hinduismus
6.2.3 Islam
6.2.4 Judentum
6.3 Christliche Religion
6.3.1 Allgemeines
6.3.2 Katholizismus
6.3.3 Protestantismus
6.3.4 Christliche Religionsgemeinschaften in Deutschland
7. Vorschläge für eine empirische Untersuchung
8. Schluß
8.1 Fazit
8.2 Offene Fragen
Die vorliegende Magisterarbeit untersucht die individuellen, sozialen und religiösen Voraussetzungen, unter denen religiöse Rituale von sinngebenden Bewältigungsstrategien zu Zwängen werden können. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Mechanismen der Internalisierung von Ritualen sowie deren pathologisches Potenzial.
2.2.1 Situative Ritualentstehung
Zur Erörterung der Voraussetzungen, unter denen religiöse Rituale zum Zwang werden können, bedarf es des Verständnisses ihrer Entwicklung.
Jedes Ritual ist Wiederholung „eines uranfänglichen Ritus, der sich als heilschaffend erwiesen hat“:56 Nach Smith kann es, wenn etwas Zufälliges im Bereich des Heiligen geschieht, zu einer Ritualisierung dieses dann als Wunder interpretierten Ereignisses kommen.57 Abgesehen von Performances von Ursprungsmythen, die gesellschaftskonstituierend und -naturalisierend wirken und meist nicht auf ein konkretes Problem bezogen aufgeführt werden (siehe den Abschnitt zur Attraktivität von Ritualen, S.18) handelt es sich daher bei der Ritualentstehung m.E. letztlich um eine Problemlöseattribution zufälliger Handlungen: 1. Schritt: Ein Problem tritt auf, das mit normalen Mitteln nicht lösbar scheint (Gefühl der Ohnmacht, das sich z.B. auf Naturereignisse oder persönliche Probleme bezieht). 2. Gleichzeitig zu einer Handlung löst sich (zufällig) das Problem 3. Die Lösung wird kausal auf die durchgeführte Handlung attribuiert, diese wird daher als notwendig zur Lösung angesehen (operante Konditionierung; die Lösung kann auch in Reduktion der durch das Ereignis erzeugten Unsicherheit bestehen). Ein Konsekutives oder eine Korrelation wird für ein Kausales gehalten (post hoc, ergo propter hoc).
1. Einleitung: Definiert das Forschungsinteresse an den Bedingungen, unter denen religiöse Rituale als Zwang wahrgenommen werden oder pathologische Formen annehmen.
2. Das Ritual. Begriffsbestimmungen und Genese: Erarbeitet eine theoretische Arbeitsdefinition von Ritualen und untersucht ihre Entstehung durch Problemlöseattributionen.
3. Das Ritual als Zwang – Phänomenologie: Analysiert verschiedene Ausprägungen von Zwängen im rituellen Kontext, von der Konvention bis zur pathologischen Zwangsstörung.
4. Zwangsmechanismen: Untersucht die internen psychologischen und externen sozialen Mechanismen (wie Indoktrination), die rituelles Verhalten erzwingen.
5. Rahmenbedingungen: Beleuchtet die vielfältigen Einflüsse auf das Zwangspotenzial, darunter individuelle Dispositionen und gesellschaftliche Strukturen.
6. Zwangspotential einzelner Religionen: Vergleicht verschiedene religiöse Strömungen hinsichtlich ihrer Neigung zu ritueller Strenge oder Flexibilität.
7. Vorschläge für eine empirische Untersuchung: Bietet methodische Ansätze zur Erforschung ritueller Phänomene.
8. Schluß: Fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert die Offenheit der theoretischen Konstrukte.
Religiöse Rituale, Zwangsstörung, Scrupulosity, Sozialisation, Indoktrination, Macht, soziale Kontrolle, kognitive Dissonanz, Ritualtheorie, Suchtpotenzial, Religion, Pathologie, Gruppenkohäsion, performative Sprache, Habitus.
Die Arbeit untersucht, unter welchen Voraussetzungen religiöse Rituale für Individuen zum Zwang werden können.
Die Themenfelder umfassen Ritualtheorie, psychologische Sucht- und Zwangsprozesse, soziologische Machtverhältnisse und religionsspezifische Ausprägungen.
Ziel ist es, die individuellen, sozialen und religiösen Faktoren zu isolieren, die religiöse Praktiken in Zwänge transformieren.
Die Arbeit verfolgt einen interdisziplinären Ansatz, der Literatur aus Ethnologie, Psychologie und Soziologie zu einer neuen Theorie der rituellen Zwänge synthetisiert.
Der Hauptteil analysiert Mechanismen der Internalisierung, die Rolle von totalen Institutionen (Sekten) und die Bedeutung von Rahmenbedingungen für das Zwangspotenzial.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie ritueller Zwang, religiöse Zwangsstörung, Indoktrination, Macht, Sozialisation und Ritualtheorie charakterisiert.
Besonders bei strengen, angstbesetzten Gottesbildern kann eine frühkindliche religiöse Sozialisation Perfektionismus und Schuldgefühle fördern, was die Entwicklung von Zwängen begünstigt.
Sekten werden als totale Institutionen begriffen, die durch Milieukontrolle und forcierte Indoktrination ein besonders hohes Potenzial für die Entwicklung innerer und äußerer ritueller Zwänge besitzen.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

