Bachelorarbeit, 2015
32 Seiten, Note: 1
1 Beginn der Rezeption
2 Reise in die Sowjetunion 1928
2.1 Bekanntschaften
2.2 Resonanzen in den Sowjetischen Enzyklopädien
2.3 Resonanzen in der sowjetischen Presse
3 Literarische Rezeption Zweigs
3.1 Zweig als Vertreter des kritischen Realismus
3.2 Stefan Zweig und Maksim Gor'kij
3.3 Der Einfluss Sigmund Freuds
3.4 Ambivalente Kritik
3.5 Zweigs jüdische Abstammung
3.6 Zweigs Freitod
Conclusio
Die Arbeit untersucht die Rezeption des österreichischen Schriftstellers Stefan Zweig in der Sowjetunion, wobei der Fokus auf seinem Russlandbesuch 1928, seiner literarischen Einordnung sowie der politischen Instrumentalisierung seiner Person und Werke durch die sowjetische Kulturpolitik liegt.
3.2 Stefan Zweig und Maksim Gor'kij
Zwischen Zweig und Gor'kij entspann sich 1923 ein Briefwechsel, der bis zum Tod Gor'kijs im Jahre 1936 anhielt. Nachdem sich Gor'kij an Zweig, mit der Bitte seine Novelle Mondscheingasse in der Zeitschrift Beseda zu veröffentlichen wandte, kam es in ihrer jahrelangen Korrespondenz zu einem Austausch ihrer Meinungen über das Werk des anderen und über weltpolitische sowie letzten Endes innersowjetische Entwicklungen. Ihr Schreiben war von gegenseitiger Bewunderung und großer literarischer Hochachtung geprägt. Persönlich trafen sie einander erstmals am 13. September auf dem durch die VOKS ausgerichteten Empfang in Moskau.
Einer der wichtigsten Momente in der sowjetischen Rezeption der Beziehung zwischen Zweig und Gor'kij und ein Klassiker der sowjetischen Zweig-Rezeption ist das Vorwort Gor'kijs zum ersten Band der ersten Gesamtausgabe. Jenes Vorwort wird in Zusammenhang mit Zweig stets erwähnt und thematisiert. In diesem sehr positiven Vorwort schreibt er: „Не знаю художника, который умел бы писать о женщине с таким уважением и с такой нежностью к ней. Мне кажется, что до него никто еще не писал о любви так проникновенно, с таким изумительным милосердием к человеку. И, повторю, с таким глубоким уважением к женщине, в чем она давно нуждается и чего всемерно заслужила, как мать, товарищ и как неутомимый возбудитель творческой энергии мужчины“ (Gor'kij, 1929, S. 8 f.).
Sardyko unterrichtet davon, dass das Thema „M. Gor'kij und St. Zweig“ in allen Arbeiten über Zweig aufgeworfen wurde (Sardyko, 1970, S. 461). Gor'kijs seien unter allen Äußerungen der Kritiker über Zweig die bedeutsamsten. Er erweckt den Anschein, Zweigs Werk sowohl in literarischer als auch in politischer Hinsicht nicht für sich selbst sprechen lassen zu können. So war es nach ihm Gor'kij, der den „Grundgedanken des Zweigschen Schaffens – den Humanismus“ formulierte und nicht Zweig selbst.
1 Beginn der Rezeption: Dieser Abschnitt beschreibt die ersten Kontakte Zweigs nach Russland durch Valerij Brjusov und die beginnende Popularisierung seiner Werke durch den Leningrader Verlag Vremja in den 1920er Jahren.
2 Reise in die Sowjetunion 1928: Dieses Kapitel thematisiert die Hintergründe und den Verlauf der Russlandreise Zweigs, die als zentrales kulturpolitisches Instrument der sowjetischen Behörden genutzt wurde.
2.1 Bekanntschaften: Hier werden die durch die Reise entstandenen persönlichen Kontakte Zweigs in Russland sowie sein Briefwechsel mit russischen Persönlichkeiten beleuchtet.
2.2 Resonanzen in den Sowjetischen Enzyklopädien: Der Abschnitt zeigt auf, wie das offizielle sowjetische Bild von Zweig in verschiedenen Enzyklopädien im Laufe der Jahrzehnte konstruiert und angepasst wurde.
2.3 Resonanzen in der sowjetischen Presse: Hier wird analysiert, wie die sowjetische Presse Zweigs öffentliche Aussagen interpretierte und für propagandistische Zwecke verwertete.
3 Literarische Rezeption Zweigs: Dieses Kapitel befasst sich mit der theoretischen Einordnung Zweigs durch sowjetische Literaturwissenschaftler und Kritiker.
3.1 Zweig als Vertreter des kritischen Realismus: Hier wird erläutert, warum Zweig innerhalb der sowjetischen Literaturtheorie dem kritischen Realismus zugeordnet wurde, um ihn in den Kanon der akzeptierten Literatur zu integrieren.
3.2 Stefan Zweig und Maksim Gor'kij: Dieser Teil beleuchtet die tiefgreifende literarische und persönliche Beziehung zwischen den beiden Autoren und deren Bedeutung für die Zweig-Rezeption.
3.3 Der Einfluss Sigmund Freuds: Das Kapitel analysiert die Problematik des Freudschen Einflusses auf Zweig, der in der Sowjetunion aufgrund der Verfemung der Psychoanalyse auf scharfe Ablehnung stieß.
3.4 Ambivalente Kritik: Hier wird die widersprüchliche Haltung der sowjetischen Kritik gegenüber Zweig zwischen Hochachtung für seinen Humanismus und Ablehnung seines Pazifismus dargestellt.
3.5 Zweigs jüdische Abstammung: Der Abschnitt thematisiert die systematische Verschweigung und Zensur der jüdischen Identität Zweigs durch die sowjetische Kulturpolitik.
3.6 Zweigs Freitod: Das Kapitel schließt mit der Untersuchung, wie der Suizid Zweigs in der sowjetischen Rezeption als Scheitern des Liberalismus und als Opfergang umgedeutet wurde.
Stefan Zweig, Sowjetunion, Maksim Gor'kij, Kulturpolitik, Literaturkritik, Sozialistischer Realismus, Russlandreise 1928, Sigmund Freud, Antifaschismus, Antisemitismus, Rezeptionsgeschichte, Propaganda, VOKS, Vremja Verlag, Humanismus
Die Arbeit untersucht die Rezeptionsgeschichte Stefan Zweigs in der Sowjetunion, insbesondere wie sein Bild als Schriftsteller durch die politische Ideologie der UdSSR geformt, instrumentalisiert und zensiert wurde.
Die zentralen Themen sind der Besuch Zweigs in der Sowjetunion 1928, die literaturkritische Bewertung seiner Werke, sein Austausch mit Maksim Gor'kij sowie die ideologisch bedingten Einschränkungen und Umdeutungen durch die sowjetische Zensur.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die sowjetische Kulturpolitik Stefan Zweig als „kritischen Realisten“ vereinnahmte, während sie gleichzeitig Aspekte seiner Person und seines Werks, die nicht in das sowjetische Weltbild passten – wie sein Interesse an der Psychoanalyse oder seine jüdische Abstammung –, unterdrückte.
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Quellenanalyse, bei der Vorworte zu russischen Buchausgaben, Zeitungsartikel aus der UdSSR, sowjetische Sekundärliteratur und Enzyklopädie-Einträge als Grundlage für die Untersuchung der Zweig-Rezeption dienen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Russlandreise, die Einordnung seines Schaffens in den Sozialistischen Realismus, die Analyse seiner Beziehung zu Gor'kij sowie die Aufarbeitung der negativen Kritik hinsichtlich seiner pazifistischen Haltung und der psychoanalytischen Einflüsse Freuds.
Wichtige Begriffe sind Stefan Zweig, Sowjetunion, Literaturkritik, Sozialistischer Realismus, Maksim Gor'kij, Psychoanalyse, Zensur und kulturelle Instrumentalisierung.
Der Einfluss Freuds wurde in der Sowjetunion strikt abgelehnt, da die Psychoanalyse als dekadent und als Widerspruch zur marxistischen Gesellschaftsauffassung galt. Zweigs Psychologisierung in seinen Novellen wurde daher oft als „biologistisch“ und „gesellschaftlich blind“ kritisiert.
Gor'kij fungierte als entscheidender Katalysator. Durch seinen Einfluss auf den Leningrader Vremja-Verlag und sein persönliches Vorwort zur ersten Gesamtausgabe legte er den Grundstein für die offizielle Wertschätzung Zweigs in der Sowjetunion.
Dies war Ausdruck eines unterschwelligen, staatlich tolerierten Antisemitismus, der im Widerspruch zum offiziellen Antifaschismus stand. Die Zensur sollte die jüdische Identität des Schriftstellers ausblenden, um das von der Partei propagierte Bild des „progressiven, internationalen Autors“ nicht zu gefährden.
Der Suizid wurde von der sowjetischen Kritik instrumentalisiert: Er wurde nicht als persönliche Tragödie, sondern als ideologisches Scheitern des bürgerlichen Liberalismus und als Konsequenz seiner „falschen“ politischen Position gegenüber dem Nationalsozialismus und der UdSSR dargestellt.
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