Bachelorarbeit, 2016
56 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Die medizinische Situation in Kenia
2.1. Die medizinische Situation in Kenia im (post-)kolonialen Kontext
3. Theoretischer Rahmen
3.1. Medizinische Entwicklungszusammenarbeit im Zeichen der Global Health - eine kritische Betrachtung
3.2. Being a Dactari - Identitätsbildung und Beziehungen von medizinischem Personal in Kenia und im allgemeinen biomedizinischen Kontext
3.3. Kommunikation - eine systemtheoretische Perspektive
4. Das Projekt: Der Deutsch-Ostafrikanische Kulturklub Kaiserslautern Freunde Afrikas e.V. im SOS Medical Centre in Nairobi Buru-Buru
5. Forschung und Analysemethode
6. Exemplarische Analyse der deutsch-kenianischen Kommunikationswege in der gemeinsamen Projektarbeit
6.1. Grenzen und Konflikte
6.2. Positive Abläufe und Möglichkeiten
7. Zusammenfassung, Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Kommunikation und Kooperation zwischen deutschem und kenianischem medizinischem Personal im Rahmen eines konkreten medizinischen Hilfsprojektes in Nairobi. Das primäre Ziel ist es, die bestehenden Interaktionsbarrieren und Kommunikationsprobleme zu analysieren, um Ansätze für eine gleichberechtigtere und effektivere Zusammenarbeit im postkolonialen Kontext zu identifizieren.
Auf Augenhöhe? Eine Notfallsituation
Ich bat die Interviewten im Anschluss an die Frage (14), wie sehr der Kontakt mit dem jeweils kenianischen oder deutschen Teil der Projektmitarbeiter von eins bis vier auf Augenhöhe erfolgt, um eine Beispielsituation (Frage 15), in der sie die Kommunikation und den Kontakt als entweder „gar nicht“, „eher nicht“, „eher“ oder “voll und ganz“ auf Augenhöhe empfanden; je nachdem, für welche Antwortkategorie sie sich entschieden hatten. Hier stieß ich auf einige Situationen, die von den Informanten völlig unterschiedlich bewertet und wahrgenommen wurden, was meiner Meinung nach zeigt, dass hier Kommunikationsprobleme durch Nicht-Verstehen der je anderen Seite vorliegen. Bei solch einer Situation (deren folgende Beschreibung auf Gesprächen mit den betreffenden Informanten und meinen eigenen Feldnotizen basiert, da ich mich zu der Zeit in den Projekträumen bzw. im OP aufhielt) handelte es sich zum Beispiel um einen Vorfall, bei dem ein Patient im Haupthaus während der Behandlung durch einen kenianischen Kollegen einen epileptischen Anfall hatte und krampfte. Ein Mitglied des deutschen Teams wurde zur Hilfe gerufen, um mehr Sauerstoff zu bringen. Dass es sich um einen Notfall handelte, erfuhr das Mitglied erst, als es das bereits bewusstlose Mädchen erreichte. Die kenianischen Kollegen hatten es nicht geschafft, einen Zugang zu legen. Das deutsche Mitglied trug das Kind auf den improvisierten OP-Tisch in den Projekträumen, da für einen Epileptiker Sauerstoffmangel tödlich sein kann. Mehrere deutsche Ärzte und Pfleger sowie drei kenianische Kollegen waren im OP anwesend, wobei die kenianischen Kollegen lediglich Fragen beantworteten und die deutschen Ärzte mit der Wiederbelebung des Kindes befasst waren. Keiner der kenianischen Kollegen blieb bis zum Abschluss des Eingriffs im OP, zwei kümmerten sich aber mit den deutschen Mitgliedern postoperativ um das Kind und die Angehörigen.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Medizinethnologie ein und formuliert die Forschungsfrage bezüglich der Kommunikationsprobleme im Kontext medizinischer Entwicklungszusammenarbeit.
2. Die medizinische Situation in Kenia: Das Kapitel bietet einen Überblick über das kenianische Gesundheitssystem und ordnet dieses in einen historischen postkolonialen Kontext ein.
3. Theoretischer Rahmen: Hier werden zentrale Konzepte wie Global Health, Identitätsbildung von medizinischem Personal und die Systemtheorie nach Luhmann als analytische Grundlage etabliert.
4. Das Projekt: Der Deutsch-Ostafrikanische Kulturklub Kaiserslautern Freunde Afrikas e.V. im SOS Medical Centre in Nairobi Buru-Buru: Es erfolgt eine detaillierte Projektbeschreibung inklusive Historie und der spezifischen Arbeitsweisen vor Ort.
5. Forschung und Analysemethode: Dieser Abschnitt beschreibt die angewandten Methoden, insbesondere die teilnehmende Beobachtung und leitfadenbasierte Interviews.
6. Exemplarische Analyse der deutsch-kenianischen Kommunikationswege in der gemeinsamen Projektarbeit: Eine tiefgehende Analyse der erhobenen Daten, unterteilt in Kommunikationsgrenzen und positive Lösungsansätze.
7. Zusammenfassung, Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse und einem Ausblick auf zukünftige Forschungsbedarfe für eine nachhaltige Kooperation.
Medizinethnologie, Entwicklungszusammenarbeit, Kenia, Global Health, Kommunikation, Systemtheorie, Niklas Luhmann, postkolonialer Kontext, Interkulturelle Kooperation, Pflegepersonal, Biomedizin, medizinische Hilfe, Feldforschung, Identitätsbildung, Interaktion
Die Arbeit analysiert die interkulturelle Kommunikation und Kooperation zwischen deutschem und kenianischem medizinischem Personal bei einem Hilfsprojekt in Nairobi, um Gründe für ineffektive Zusammenarbeit und Missverständnisse aufzudecken.
Zentrale Felder sind die medizinische Versorgung in Kenia, der postkoloniale Kontext medizinischer Hilfe, der theoretische Rahmen globaler Gesundheitsinitiativen sowie die systemtheoretische Betrachtung von Kommunikation.
Die Arbeit fragt danach, warum es trotz gemeinsamer fachlicher Basis oft nicht gelingt, ein produktives und gleichberechtigtes Verhältnis im Projekt aufzubauen, und welche Rolle Kommunikation dabei spielt.
Es handelt sich um einen mixed-method Ansatz, bestehend aus qualitativer Feldforschung (teilnehmende Beobachtung) und leitfadenbasierten Interviews mit 21 Informanten.
Der Hauptteil analysiert empirisch die Kommunikationswege, Hierarchien und Konflikte während der Projektwochen sowie die Versuche, diese durch Interaktion und Verhaltensanpassung zu überwinden.
Medizinethnologie, Entwicklungszusammenarbeit, Systemtheorie nach Luhmann, interkulturelle Kommunikation, Global Health und postkoloniale Strukturen.
Sie nutzt Luhmanns Systemtheorie, um die Gruppen als zwei "black boxes" zu beschreiben, die aufgrund mangelnden Austauschs aneinander vorbeikommunizieren und sich gegenseitig als undurchsichtig wahrnehmen.
Sie empfiehlt die Anwendung von Modellen wie dem "LEARN-Modell" (Listen, Explain, Acknowledge, Recommend, Negotiate), um das gegenseitige Verständnis zu fördern und lokale Akteure stärker zu integrieren.
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