Bachelorarbeit, 2017
58 Seiten, Note: 2,0
1 Einleitung
1.1 Einordnung der Relevanz
1.2 Zielsetzung und Herangehensweise
2 Ratingmarkt und Grundzüge des Ratinggeschäftes
2.1 Historischer Abriss
2.2 Rating
2.2.1 Ratingsymbole
2.2.2 Ratingklassen und Ratingarten
2.3 Ratingagenturen
2.3.1 Funktionen von Ratingagenturen und Ratings
2.3.2 Bezahlmodelle
2.4 Wettbewerbssituation auf dem Ratingmarkt
2.4.1 Europäischer Markt
2.4.2 Aufsichtsbehörden und Regulierungen
3 Ratingprozess
3.1 Auslöser des Ratingprozesses
3.2 Ratingprozess
4 Auswirkungen von Ratings anhand ausgewählter Ereignisse
4.1 Enron 2001
4.2 ThyssenKrupp 2003
4.3 US-Hypothekenkrise, Wirtschafts- und Finanzkrise 2007/2008
4.3.1 Wachstum des Subprime-Hypothekenmarktes
4.3.2 Verbriefung von Forderungen
4.3.3 Rolle der Ratingagenturen
4.3.4 Übergang zur Eurokrise
4.4 Euro-Schuldenkrise
4.4.1 Gründe für die Entstehung der Eurokrise
4.4.2 Hilfsmaßnahmen der Währungsunion
4.4.3 Rolle der Ratingagenturen
5 Potenzielle Interessenkonflikte und Kritikpunkte
5.1 Vertragliche Beziehungen und Erschließung neuer Geschäftsfelder
5.2 Unvollständige Informationen
5.3 Rating Shopping und unsolicited Ratings
5.4 Geschäftsverbindungen und Ratingkosten
5.5 Struktur auf dem Ratingmarkt
5.6 Herdenverhalten
6 Der politische Einfluss von Ratingagenturen
6.1 Einfluss durch Länderratings
6.2 Beteiligungsstruktur der großen Ratingagenturen
7 Aufbau einer europäischen Ratingagentur
7.1 Gründe für eine Änderung der gegenwärtigen Situation
7.2 Bisherige Ansätze
7.2.1 Roland Berger
7.2.2 Bertelsmann Stiftung
7.3 Diskutierte Lösungsalternativen
7.3.1 Europäischer Rating-Fonds
7.3.2 Netzwerk kleiner Ratingagenturen
7.3.3 Weitere Lösungsalternativen
7.4 Kritische Würdigung einer europäische Ratingagentur
8 Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle Marktstruktur des globalen Ratingwesens und analysiert, inwiefern die Gründung einer europäischen Ratingagentur als Gegengewicht zu den dominierenden „Big Three“ (Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch) sinnvoll ist, um bestehende Interessenkonflikte und Regulierungsdefizite zu beheben.
2.3.1 Funktionen von Ratingagenturen und Ratings
Aufbauend auf der Tatsache, dass Unternehmen seit den 1990er Jahren zunehmend an anderen Fremdfinanzierungsmöglichkeiten interessiert sind, wurden private Investoren deutlich wichtiger. Die traditionelle Finanzierung über Banken trat zunehmend in den Hintergrund. Banken schätzten durch eigene Analyseverfahren die Bonität der Unternehmen individuell ein und vergaben auf dieser Grundlage Kapital an diese. Eine Großzahl der Privatinvestoren kann auf ein solches Analyseverfahren jedoch nicht zurückgreifen. Um diese Barriere bei der Entscheidungsfindung abzubauen, springen an dieser Stelle Ratingagenturen ein.
Ratingagenturen haben u.a. Informations- und Regulierungsfunktionen. Um die Informationsfunktion einer Ratingagentur erläutern zu können, muss die neoinstitutionalistische Finanzierungstheorie betrachtet werden. Hiernach geht man, anders als bei der neoklassischen Finanzierungstheorie, von Informationsungleichheiten zwischen den einzelnen Marktteilnehmern aus. Um diese Problematik zu lösen, wird nach der neoinstitutionalistischen Finanzierungstheorie die sog. Prinzipal-Agenten-Theorie angewandt, nach der der Emittent (Agent) besser informiert ist als der Investor (Prinzipal). Diese Situation ist für den Investor nicht hinnehmbar, ist er doch von den zur Verfügung gestellten Informationen des Agenten abhängig. Die Hauptaufgabe von Ratingagenturen besteht daher in der Beurteilung und Bewertung der Kreditwürdigkeit der Teilnehmer an Finanzmärkten und somit auch möglicher Investitionsziele. Sie versuchen das Dilemma der ungleichen Informationsversorgung der Prinzipal-Agenten-Theorie zu beheben. Die Ratingagenturen treten dabei in verschiedenen Funktionen auf. Zum einen nehmen sie die Rolle der Agenten der Investoren ein und bewerten in dieser sämtliche Investitionsobjekte. Auf der anderen Seite treten sie für den Emittenten in zweierlei Positionen auf. Während der Bonitätsprüfung und der Ratingerteilung für die Emittenten sind sie einerseits als Agenten zu sehen und andererseits durch die damit einhergehende Angewiesenheit auf bereitgestellte Informationen als Prinzipal. Um möglichst hochwertige Aussagen treffen zu können, müssen ausreichend Daten über das Bewertungsobjekt zusammengetragen werden. Nach einer Analyse und Beurteilung der Informationen werden diese publiziert und dem interessierten Anlegerkreis vorgelegt. Dadurch wird die Unterversorgung an Informationen des Investors ausgeglichen. Auf dieser Grundlage soll dann eine fundierte Entscheidung ermöglicht werden.
1 Einleitung: Vorstellung des Themas und Erläuterung der Relevanz von Ratingagenturen im Kontext globaler Finanzkrisen sowie Definition der Zielsetzung.
2 Ratingmarkt und Grundzüge des Ratinggeschäftes: Darstellung der historischen Entwicklung, Definition grundlegender Rating-Begriffe und Beschreibung der Marktstruktur sowie der Regulierungsbehörden.
3 Ratingprozess: Erläuterung der Abläufe einer Bonitätsprüfung, angefangen bei der Beauftragung bis hin zur Veröffentlichung und Überwachung der Ratings.
4 Auswirkungen von Ratings anhand ausgewählter Ereignisse: Fallbeispiele, wie die Enron-Pleite und die Finanzkrise 2007/2008, verdeutlichen den massiven Einfluss von Ratingurteilen auf Märkte.
5 Potenzielle Interessenkonflikte und Kritikpunkte: Untersuchung struktureller Schwachstellen im Ratinggeschäft, wie beispielsweise das „Rating Shopping“ oder die finanzielle Abhängigkeit von Emittenten.
6 Der politische Einfluss von Ratingagenturen: Analyse, wie Ratings staatliche politische Entscheidungen beeinflussen und welche Rolle Beteiligungsstrukturen der großen Agenturen dabei spielen.
7 Aufbau einer europäischen Ratingagentur: Kritische Auseinandersetzung mit bisherigen Gründungsversuchen und Diskussion alternativer Lösungsansätze für den europäischen Finanzmarkt.
8 Fazit: Zusammenfassende Einschätzung der Sinnhaftigkeit einer neuen europäischen Institution unter Berücksichtigung der inhärenten Schwachstellen des Marktes.
Ratingagenturen, Big Three, Kreditwürdigkeit, Finanzkrise, Eurokrise, Europäische Ratingagentur, Prinzipal-Agenten-Theorie, Interessenkonflikte, Regulierung, Bonitätsurteil, Investment Grade, Kapitalmarkt, Rating Shopping, Ratingprozess, Marktstruktur.
Die Arbeit analysiert die Situation und Struktur des globalen Marktes für Ratingdienstleistungen, insbesondere die Dominanz der „Big Three“ sowie deren Rolle in vergangenen Finanzkrisen.
Zu den Schwerpunkten gehören das Ratinggeschäft allgemein, die Rolle der Regulierungsbehörden (SEC, ESMA), Interessenkonflikte wie Rating Shopping sowie die politische Einflussnahme durch Ratingurteile.
Das Ziel besteht darin, zu klären, ob die Gründung einer europäischen Ratingagentur als Gegengewicht zu den US-dominierten „Big Three“ eine sinnvolle und effektive Lösung für die bestehenden Marktprobleme darstellt.
Die Untersuchung basiert auf einer systematischen Auswertung aktueller Fachliteratur und beleuchtet die Fragestellung aus verschiedenen theoretischen und praktischen Blickwinkeln.
Der Hauptteil befasst sich mit den theoretischen Grundlagen des Ratings, detaillierten Prozessbeschreibungen, historischen Fallanalysen (z.B. Enron, Finanzkrise 2008) und einer kritischen Auseinandersetzung mit Lösungsalternativen.
Die zentralen Begriffe sind Ratingagenturen, Finanzmarktregulierung, Interessenkonflikte, Bonitätsbeurteilung und europäische Souveränität am Kapitalmarkt.
Laut dem Autor fehlt es neuen Agenturen oft an der notwendigen Reputation und Marktzulassung in den USA, zudem drohen auch bei neuen Institutionen ähnliche Interessenkonflikte wie bei den bestehenden.
Sie beeinflussen die Refinanzierungskosten von Staaten und können durch ihre Bonitätsurteile politischen Reformdruck ausüben oder die Stabilität von Währungsräumen beeinflussen.
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