Bachelorarbeit, 2017
69 Seiten, Note: 1,5
1. Einleitung
2. Die medizinische Perspektive (behindert sein)
2.1 Einführung
2.2 Klassifikationssysteme und Definitionen
2.2.1 Lernbehinderung nach ICD-10
2.2.1.1 Intelligenzstörung (F70-F79)
2.2.1.2 Entwicklungsstörungen (F80-F89)
2.2.2 Lernbehinderung nach DSM-V
2.2.2.1 Spezifische Lernstörung (F81)
2.2.2.2 Intellektuelle Entwicklungsstörung (F70-F73)
2.2.3 Behinderung nach SGB IX
2.3 Zusammenfassung
3. Die entwicklungspsychologische Perspektive (behindert gemacht)
3.1 Einführung
3.2 Bronfenbrenners Ökologische Systemtheorie der Entwicklung
3.3 Lernbehinderung anhand der Theorie
3.4 Zusammenfassung
4. Die soziologische Perspektive (behindert werden)
4.1 Einführung
4.2 Bourdieus Theorien
4.2.1 Kapital
4.2.2 Klassen
4.2.3 Habitus
4.3 Lernbehinderung anhand der Theorien
4.3.1 Wirkung des Kapitals
4.3.2 Auswirkungen von Armut und Vernachlässigung
4.3.3 Auswirkungen von Schule und Bildung
4.3.4 Auswirkungen des Stigmas Lernbehinderung
4.3.5 (Lern-)Behinderung als soziales Konstrukt
4.3.6 (Lern-)Behinderung nach ICF
4.4 Zusammenfassung
5. Zusammenwirken der Perspektiven
6. Biografiearbeit anhand qualitativer Forschung
6.1 Einführung
6.2 Interviewführung
6.3 Themen
6.4 Transkription
7. Die persönliche Perspektive
7.1 Herr A
7.2 Herr B
7.3 Frau C
7.4 Frau D
7.5 Auswertung
8. Fazit
Die Arbeit untersucht die Entstehungsbedingungen von Lernbehinderungen bei Menschen in einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM). Die zentrale Forschungsfrage lautet, ob Lernbehinderungen primär als biologisch vorgegebene Defizite zu verstehen sind oder als soziale Konstrukte, die durch biografische, familiäre und gesellschaftliche Faktoren "gemacht" werden.
4.3.5 (Lern-)Behinderung als soziales Konstrukt
Auch wenn die Lernbehinderung nicht das einzige Wesensmerkmal einer Person ist, so ist es doch eines der offensichtlichsten, was zur Folge hat, dass betroffene Menschen darauf reduziert werden, obwohl sie in den anderen Bereichen ihres Lebens bzw. Erlebens überhaupt nicht eingeschränkt respektive behindert sind. Allerdings bestimmt grundsätzlich die soziale Reaktion darüber, ob eine Behinderung vorliegt und somit der ganze Mensch als behindert betrachtet wird oder nicht (vgl. Cloerkes 2007, S. 10).
„Ein Individuum, das leicht in gewöhnlichen sozialen Verkehr hätte aufgenommen werden können, besitzt ein Merkmal, das sich der Aufmerksamkeit aufdrängen und bewirken kann, dass wir uns bei der Begegnung mit diesem Individuum von ihm abwenden, wodurch der Anspruch, den seine anderen Eigenschaften an uns stellen, gebrochen wird“ (Goffmann 1975, S. 13 zit. nach Lindmeier/Lindmeier 2012, S. 23).
Dabei werden beim Erkennen einer Lernbehinderung meist die schulischen Leistungen einer Person in Augenschein genommen und als von der Norm negativ abweichend definiert. Unterschieden wird dann zwischen klugen Menschen mit guten Leistungen und dummen Menschen mit schlechten Leistungen. Dabei existiert der Unterschied zwischen klug und dumm „nach dem Erklärungspfad der Konstruktion nur im Bereich menschlicher Absichten und Werte und nicht im Bereich einer ontologischen Wirklichkeit“ (Balgo 2000, S. 162). Problematisch dabei ist, dass alleine der Majorität, die sich selbst die Klugheit zuschreibt, das Definitionsrecht für diese Einteilung in klug und dumm gewährt wird, während der Minorität, welcher die Dummheit zugeordnet wird, jegliches Entscheidungsrecht über den Gebrauch dieser Definition abgesprochen wird (vgl. ebd., S. 163).
1. Einleitung: Einführung in die Thematik und Formulierung der Forschungsfrage hinsichtlich der medizinischen versus sozialkonstruktivistischen Sicht auf Lernbehinderungen.
2. Die medizinische Perspektive (behindert sein): Vorstellung der gängigen Klassifikationssysteme (ICD-10, DSM-V) und deren klinischer Blick auf Lernstörungen als individuelles Defizit.
3. Die entwicklungspsychologische Perspektive (behindert gemacht): Analyse der Kindheits- und Umfeldbedingungen anhand der Ökologischen Systemtheorie von Bronfenbrenner.
4. Die soziologische Perspektive (behindert werden): Untersuchung gesellschaftlicher Ausschlussmechanismen unter Anwendung der Bourdieuschen Kapitaltheorie.
5. Zusammenwirken der Perspektiven: Synthese der verschiedenen Sichtweisen, um das Phänomen Behinderung als komplexes Zusammenspiel von Anlage und Umwelt zu verstehen.
6. Biografiearbeit anhand qualitativer Forschung: Methodische Erläuterung der narrativen Interviews zur Untersuchung der Lebensgeschichten betroffener Klienten.
7. Die persönliche Perspektive: Darstellung und Auswertung der geführten Interviews mit vier Klienten einer Werkstatt für behinderte Menschen.
8. Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und kritische Reflexion des aktuellen Inklusionsstandes.
Lernbehinderung, Soziale Konstruktion, Soziale Arbeit, Bourdieu, Kapital, Behinderung, Stigmatisierung, Exklusion, Inklusion, Werkstatt für behinderte Menschen, WfbM, Bildungsarmut, Entwicklungspsychologie, Identität, Sozialisation.
Die Arbeit untersucht, wie Lernbehinderungen entstehen, und hinterfragt, ob sie eher biologische Defizite sind oder als soziale Konstrukte durch gesellschaftliche Benachteiligung hervorgebracht werden.
Die zentralen Themen sind das medizinische Modell der Behinderung, entwicklungspsychologische Bindungstheorien, die soziologische Klassen- und Kapitaltheorie nach Bourdieu sowie die Auswirkungen von Stigmatisierung.
Das Ziel ist es, aufzuklären, ob Lernbehinderungen in erster Linie als "von Natur gegeben" oder als sozial "gemacht" einzustufen sind, um Anhaltspunkte für eine bessere Integration zu finden.
Es wird eine Kombination aus Literaturanalyse theoretischer Ansätze und eine qualitative Forschung durch narrative Interviews mit Klienten einer Werkstatt für behinderte Menschen durchgeführt.
Der Hauptteil analysiert das Phänomen aus der medizinischen, entwicklungspsychologischen und soziologischen Perspektive, gefolgt von einer biografischen Forschung und Auswertung.
Wichtige Begriffe sind Lernbehinderung, Kapital, Stigmatisierung, Exklusion, soziale Konstruktion und WfbM.
Die Arbeit zeigt, dass Kinder aus prekären sozialen Verhältnissen überproportional häufig die Diagnose Lernbehinderung erhalten und in Förderschulen verwiesen werden, oft ohne dass biologische Ursachen dies zwingend begründen.
Das System wird kritisch betrachtet, da es zur Stigmatisierung beiträgt und den betroffenen Personen den Zugang zum ersten Arbeitsmarkt durch fehlende oder nicht anerkannte Bildungsabschlüsse erschwert.
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