Bachelorarbeit, 2017
37 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. René Girard – Leben und Werk
3. Das Heilige und die Gewalt
3.1 Das mimetische Begehren
3.2 Der Sündenbockmechanismus
3.3 Das Opfer, die Mythen und die Verbote
4. Das Heilige und die Gewalt im Voodoo
4.1 Voodoo in Haiti
4.2 Pantheon und Praxis
4.3 Voodoo-Zeremonie
5. Fazit und Kritik
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Religion und Gewalt, indem sie René Girards kulturwissenschaftliche Sündenbocktheorie vorstellt und diese anschließend auf ethnographische Daten einer haitianischen Voodoo-Zeremonie anwendet, um deren Funktionalität für die soziale Ordnung zu prüfen.
3.2 Der Sündenbockmechanismus
Nach Girard sind die Mechanismen zur Kanalisierung der mimetischen Rivalität so alt wie die Kultur selbst. Denn die erste erfolgreiche Überwindung der mimetischen Krise begründet für Girard auch die ersten Formen einer kulturellen Ordnung. Die mimetische Krise kennzeichnet sich vor allem durch einen völligen Verlust der Unterschiede (Entdifferenzierung). Im Sinne der Gegenspielermimesis hat die mimetische Gewalt/Rivalität, begünstigt durch soziale, geistige und räumliche Nähe (interne Vermittlung), vorhandene Strukturen und Hierarchien einer vorgesellschaftlichen Gruppe aufgelöst und eben jene Gruppe in ein gewalttätiges Chaos – alle gegen alle – gestürzt.
Wie bereits im vorausgegangenen Kapitel beschrieben, zeichnet sich die Gegenspielermimesis, die in der mimetischen Krise herrscht, durch die Ablösung des ursprünglichen Objekts von der reziproken Gewalt als Konfliktmittelpunkt aus. Würde nach wie vor das Objekt im Zentrum stehen (Aneignungsmimesis), und somit von allen Mitgliedern der Gruppe begehrt werden, könnte der Konflikt nur enden, wenn ein Rivale alle anderen besiegt und damit seine eigene Gruppe auslöscht. Die Gegenspielermimesis bietet einen anderen Ausweg. Mit der Gewalt als zentrale Kraft in der mimetischen Krise bietet sich die Möglichkeit aus ‚alle gegen alle’ ‚alle gegen einen’ zu bilden.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die wissenschaftliche Debatte um das Verhältnis von Religion und Gewalt ein und umreißt das Ziel der Arbeit, René Girards Theorien zu erläutern und empirisch zu prüfen.
2. René Girard – Leben und Werk: Hier wird der biographische und akademische Werdegang von René Girard nachgezeichnet, inklusive seiner intellektuellen Entwicklung und Konversion zum Christentum.
3. Das Heilige und die Gewalt: Dieses Hauptkapitel erläutert Girards kulturtheoretische Grundpfeiler, darunter das mimetische Begehren, den Sündenbockmechanismus sowie die zentrale Rolle von Mythen und Verboten.
4. Das Heilige und die Gewalt im Voodoo: Hier wird die Theorie Girards auf eine spezifische ethnographische Fallstudie, eine Voodoo-Zeremonie in Haiti, übertragen und auf ihre Anwendbarkeit hin analysiert.
5. Fazit und Kritik: Die Arbeit schließt mit einer kritischen Würdigung, in der die Grenzen von Girards universellem Theorieanspruch gegenüber ethnographischen Befunden diskutiert werden.
Religion, Gewalt, Sündenbockmechanismus, Mimesis, mimetisches Begehren, Opfer, Voodoo, Kultur, Ritual, Mythos, soziale Ordnung, Entdifferenzierung, Girard, Opfertheorie, Ethnologie
Die Arbeit analysiert das komplexe Verhältnis zwischen Religion und Gewalt aus der theoretischen Perspektive von René Girard.
Im Zentrum stehen die mimetische Theorie, die Entstehung von kultureller Ordnung durch Opferrituale und die Überprüfung dieser Konzepte anhand von Voodoo-Praktiken.
Ziel ist es, Girards kulturtheoretische Hypothese des Sündenbockmechanismus anhand von konkretem ethnographischem Material auf ihre Plausibilität hin zu untersuchen.
Es wird eine literaturwissenschaftlich fundierte Theorie vorgestellt, die anschließend mit ethnographischen Feldforschungsdaten (Voodoo in Haiti) vergleichend analysiert wird.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in Girards Konzepte und eine darauffolgende Anwendung dieser Konzepte auf die Voodoo-Zeremonie, insbesondere die Rolle von Blutopfern.
Die Arbeit ist maßgeblich durch Begriffe wie Sündenbockmechanismus, mimetisches Begehren, Opfer, rituelle Gewalt und kulturelle Ordnung geprägt.
Sie haben als Zwillingsgeister einen herausragenden Stellenwert und werden als besonders sensibel und gewaltbereit eingestuft, weshalb ihre exakt gleichberechtigte Behandlung eine mimetische Eskalation innerhalb der Familie verhindern soll.
Da der Kulturbegriff in der Ethnologie selbst umstritten ist, erscheint der Versuch, ein universelles Gesetz der Kulturbildung für alle Gesellschaften aufzustellen, als theoretisch kaum haltbar.
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