Magisterarbeit, 2004
93 Seiten, Note: gut
I. Der Begriff „Übermensch“
1. Historischer Ursprung
a) Das vorchristliche Bild
b) Das christliche Bild
c) Kritik am christlichen Bild
d) Das antichristliche Bild
II. Der Übermensch bei Nietzsche
1. Der Tod Gottes
2. Der Wille zur Macht
3. Die ewige Wiederkehr des Gleichen
4. Das Dionysische
III. Der Übermensch in der Rezeption
1. Der „hausgemachte“ Kult
2. Übermensch-Interpretationen
a) Neutrale Auslegungen des Begriffs
b) Kritische Auslegungen des Begriffs
c) Darwinistische Auslegungen des Begriffs
d) Nationalsozialistische Auslegungen des Begriffs
3. Fehlinterpretationen
a) Zucht und Züchtung
b) Egoismus
4. Die Frage der Schuld
IV. Gefahr oder Chance?
1. Ist der Übermensch ein Unmensch?
a) Der Übermensch – ein unmoralischer Herrscher?
b) Kein Herr trotz Herrenmoral?
2. „Werde, der du bist!“
a) Der freie Geist
b) Überwindung des Nihilismus
Die Arbeit untersucht den philosophischen Begriff des „Übermenschen“ bei Friedrich Nietzsche, um zu klären, ob es sich dabei um eine existenzielle Chance zur Selbstüberwindung oder um eine gefährliche Ideologie handelt. Dabei wird insbesondere analysiert, inwiefern der Begriff durch Fehlinterpretationen – maßgeblich beeinflusst durch Elisabeth Förster-Nietzsche und den Nationalsozialismus – historisch verzerrt wurde.
1. Der Tod Gottes
Nietzsche wird 1844 als Sohn einer Pastorenfamilie in Naumburg geboren, doch seine Frömmigkeit bekommt Risse – wenn auch nicht sofort. Der Vater stirbt als Nietzsche gerade sechs Jahre alt ist und nun umfängt ihn im Heimathaus eine rein weibliche Familiengesellschaft, deren Glaube ungebrochen ist. 1865 beginnt der gerade 21jährige Nietzsche zu zweifeln und weigert sich zum ersten Mal zum Abendmahl zu gehen (vgl. Macintyre 1994, S. 121). Ab hier ändert sich sein Glaube; Gott „stirbt“ schließlich und am Ende wird Nietzsche selbst zum „Antichrist“ (vgl. AC, 6, S. 302). Dabei ist: „Nietzsches Atheismus [...] die Folge seines Grundentschlusses, alle Prämissen in Frage zu stellen und so lange zu verwerfen, als sie sich nicht mit guten Gründen als unvermeidlich erweisen“ (Kaufmann 1982, S. 117). Bei Nietzsche heißt es dazu:
Ich kenne den Atheismus durchaus nicht als Ergebniss, noch weniger als Ereigniss: er versteht sich bei mir aus Instinkt. Ich bin zu neugierig, zu fragwürdig, zu übermüthig, um mir eine faustgrobe Antwort gefallen zu lassen. Gott ist eine faustgrobe Antwort, eine Undelicatesse gegen uns Denker —, im Grunde sogar bloss ein faustgrobes Verbot an uns: ihr sollt nicht denken! (EH, 6, S. 278f.)
In diesem Kontext verwundert es nicht, dass ein wichtiger Gedanke innerhalb Nietzsches Philosophie der „Tod Gottes“ ist.
Damit der Mensch zum Übermenschen werden kann, ist es notwendig, dass Gott „stirbt“. Doch durch den „Tod Gottes“ droht der Mensch im Nihilismus zu stranden.
I. Der Begriff „Übermensch“: Das Kapitel zeichnet die historische Entwicklung des Begriffs vom antiken Heldentum über christliche Vorstellungen bis hin zur Politisierung durch Jean Paul und den biologischen Entwicklungsglauben des 19. Jahrhunderts nach.
II. Der Übermensch bei Nietzsche: Hier werden die zentralen philosophischen Säulen erläutert, die den Übermenschen erst verständlich machen: der Tod Gottes, der Wille zur Macht, die Lehre der ewigen Wiederkehr und das Dionysische.
III. Der Übermensch in der Rezeption: Dieser Teil analysiert den durch Elisabeth Förster-Nietzsche forcierten Kult um Nietzsche, die Entstehung ideologischer Fehlinterpretationen und die Vereinnahmung des Begriffs durch den Nationalsozialismus.
IV. Gefahr oder Chance?: Das letzte Kapitel wägt ab, ob der Übermensch ein unmoralischer Unmensch ist oder als Chance zur individuellen Selbstverwirklichung und Überwindung des Nihilismus verstanden werden sollte.
Nietzsche, Übermensch, Tod Gottes, Wille zur Macht, ewige Wiederkehr, Nihilismus, Amor Fati, Elisabeth Förster-Nietzsche, Nationalsozialismus, Herrenmoral, freier Geist, Selbstüberwindung, Philosophiegeschichte, Reception, Ethik.
Die Arbeit untersucht den Nietzscheschen Begriff des „Übermenschen“ und stellt ihn in den Kontext seiner Philosophie sowie der verfälschten Rezeptionsgeschichte durch den Nationalsozialismus.
Die zentralen Themen sind Nietzsches philosophische Grundbegriffe (Tod Gottes, Wille zur Macht, ewige Wiederkehr), der Einfluss seiner Schwester Elisabeth auf die Interpretation seiner Werke und die kritische Abgrenzung gegen nationalsozialistische Deutungen.
Das Ziel ist die Rehabilitierung des Begriffs des Übermenschen von seinem Ruf als bloße Ideologie des Herrenmenschen und die Aufklärung über die historischen Verfälschungen.
Es handelt sich um eine geisteswissenschaftliche Analyse, die primär literatur- und philosophiegeschichtliche Quellen auswertet und kritisch in ihren historischen Entstehungskontext einordnet.
Der Hauptteil gliedert sich in die philosophische Herleitung des Begriffs bei Nietzsche, die Analyse der zweifelhaften Rezeption durch seine Schwester sowie die abschließende moralphilosophische Einordnung zwischen Gefahr und Chance.
Wichtige Begriffe sind Übermensch, Nihilismus, Wille zur Macht, Herrenmoral, Elisabeth Förster-Nietzsche und der Tod Gottes.
Sie gilt als maßgebliche Architektin des Nietzsche-Kultes, die durch die Fälschung von Nietzsches Schriften und ihre Kontakte zu politischen Akteuren wie Hitler den Boden für eine missbräuchliche Interpretation des Übermenschen ebnete.
Nein, Nietzsche sieht den Übermenschen als ein Individuum, das sich von fremden Werten befreit hat. Er ist zwar „jenseits von Gut und Böse“, doch sein Ziel ist die schöpferische Selbstbejahung, nicht die willkürliche Unterdrückung anderer.
„Amor fati“ oder Schicksalliebe bezeichnet die rückhaltlose Bejahung des eigenen Lebens und der Welt in ihrer ganzen zyklischen Wiederkehr – ein essenzieller Zustand für den Übermenschen, um den Nihilismus zu überwinden.
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