Diplomarbeit, 2012
127 Seiten, Note: 1,1
1. Einleitung
2. Menschen mit Behinderungen in unserer Gesellschaft
2.1 Die Entwicklung der gesellschaftlichen Situation von Menschen mit Behinderungen
2.2 Die Entwicklung des Behinderungsbegriffs – vom medizinischen zum sozialen Modell
2.3 Lebenslagen von Menschen mit Behinderungen heute
2.3.1 Frauen und Männer mit Behinderungen in Deutschland
2.3.2 Diskriminierungen und strukturelle Gewalt
2.3.3 Interpersonale Gewalt gegen Frauen mit Behinderungen
3. Frauen mit Behinderungen im Spannungsfeld zwischen Behinderungs-, Geschlechts- und Sexualitätskonstruktionen
3.1 Zur doppelten Benachteiligung von Frauen mit Behinderungen
3.2 Behinderung und Sexualität
3.2.1 Zum Verständnis von Sexualität
3.2.2 Einstellungen bezüglich Behinderung, Sexualität und Reproduktivität
3.3 Sozialisationsbedingungen von Mädchen und Frauen mit Behinderungen und deren Auswirkungen auf die (sexuelle) Entwicklung
4. Ausmaß und Zusammenhänge von sexueller Gewalt gegen Frauen mit Behinderungen
4.1 Eine Auseinandersetzung mit dem Begriff der ´sexuellen Gewalt`
4.2 Das Ausmaß sexueller Gewalt gegen Frauen mit Behinderungen
4.2.1 Sexueller Missbrauch in Kindheit und Jugend
4.2.2 Sexuelle Gewalt im Erwachsenenleben
4.2.3 Sexuelle Belästigung
4.3 Täter/-innen sexueller Gewalt
4.3.1 Täter/-innen sexuellen Missbrauchs in Kindheit und Jugend
4.3.2 Täter/-innen sexueller Gewalt im Erwachsenenleben
4.3.3 Täter/-innen sexueller Belästigung
4.4 Risikofaktoren
4.4.1 Behinderung
4.4.2 Art der Behinderung
4.4.3 Minderwertigkeitsgefühle/ Selbstbild
4.4.4 Frühe Missbrauchserfahrungen
4.4.5 Strukturen in den Einrichtungen
4.4.6 Mangelnde Aufklärung
4.4.7 Weitere Einflussfaktoren
4.5 Folgen sexueller Gewalt
4.5.1 Körperliche und (psycho-)somatische Folgen
4.5.2 Psychische und psychosoziale Folgen
4.5.3 Der wechselseitige Zusammenhang von sexuellen Gewalterfahrungen und Behinderungen/ Beeinträchtigungen
5. Intervention, Unterstützung und Prävention
5.1 Inanspruchnahme von Unterstützung nach Erfahrungen mit sexueller Gewalt
5.1.1 Unterstützung im privaten Umfeld
5.1.2 Inanspruchnahme institutioneller Unterstützung
5.2 Weiterentwicklung von Intervention und Unterstützungsangeboten
5.2.1 Größere Aufmerksamkeit im sozialen Umfeld
5.2.2 Beratungsangebote und Frauenhäuser
5.2.3 Polizei und Gericht
5.3 Prävention
5.3.1 Gesellschaftliche Veränderungen
5.3.2 Förderung der Selbstbehauptung
5.3.3 Bildungs- und Beratungsangebote für Mädchen und Frauen mit Behinderungen sowie deren Eltern und Angehörige
5.3.4 Bildungsangebote für Berufsgruppen im Umfeld von Menschen mit Behinderungen
5.3.5 Veränderungen der Einrichtungsstrukturen
6. Abschließende Betrachtungen
6.1 Das gravierende Ausmaß sexueller Gewalt gegen Frauen mit Behinderungen
6.2 Die komplexen Bedingungszusammenhänge sexueller Gewalt gegen Frauen mit Behinderungen
6.3 Fazit und Ausblick
Diese Arbeit zielt darauf ab, ein tieferes Verständnis für die Situation von Frauen mit Behinderungen im Hinblick auf ihre Betroffenheit von sexueller Gewalt zu entwickeln. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, inwiefern ein erhöhtes Risiko für sexuelle Gewalt besteht, welche strukturellen Bedingungen dieses Risiko begünstigen und wie die Situation hinsichtlich der Inanspruchnahme von Hilfe und Unterstützung bewertet werden kann, um daraus Schlussfolgerungen für verbesserte Präventions- und Interventionsmaßnahmen abzuleiten.
4.4.1 Behinderung
Die Ergebnisse der Untersuchung von Schröttle et al. (2012a) verdeutlichen, aufgrund der Vergleichsmöglichkeit zur Vorgängerstudie von 2004, das höhere Ausmaß der Betroffenheit von sexueller Gewalt bei Frauen mit Behinderungen im Vergleich zu Frauen im Bevölkerungsdurchschnitt (vgl. S. 161). Demnach waren Frauen mit Behinderungen von sexueller Gewalt im Lebensverlauf zwei- bis dreimal häufiger betroffen, als Frauen im Bevölkerungsdurchschnitt (vgl. ebd., S. 167). Es zeigte sich damit „eine erhöhte Vulnerabilität der Frauen aufgrund der Behinderung. So gab etwa ein Viertel bis ein Fünftel der von sexueller Gewalt nach Eintritt der Behinderung betroffenen Frauen (22-26%) an, die Situationen sexueller Gewalt im Erwachsenenleben hätten damit zu tun gehabt, dass sie eine Behinderung haben“ (ebd. S. 162).
Noch mehr Frauen (38-66%) gaben an, sie hätten sich aufgrund ihrer Behinderung oder Beeinträchtigung in Situationen sexueller Gewalt nur eingeschränkt wehren können (vgl. ebd.). Des Weiteren gaben 43-56% der Frauen an, sie hätten bei ungewollten sexuellen Handlungen nicht zum Ausdruck bringen können, dass sie mit diesen nicht einverstanden sind (vs. 38% der Frauen im Bevölkerungsdurchschnitt) (vgl. ebd. S. 163).
Auch ein Teil der befragten Frauen der qualitativen Befragung beschrieb die Ursache für die erlebte sexuelle Gewalt in einer behinderungsbedingten Machtlosigkeit aufgrund eingeschränkter Möglichkeiten zur Gegenwehr (vgl. Kavemann & Helfferich 2012, S. 68).
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Thematik der Arbeit vor, erläutert die Motivation der Autorin und steckt den Rahmen hinsichtlich der Relevanz und der Zielsetzung der Untersuchung ab.
2. Menschen mit Behinderungen in unserer Gesellschaft: Dieses Kapitel liefert einen historischen Überblick über den Umgang mit Menschen mit Behinderungen, definiert den Behinderungsbegriff und analysiert die aktuelle Lebenssituation in Deutschland.
3. Frauen mit Behinderungen im Spannungsfeld zwischen Behinderungs-, Geschlechts- und Sexualitätskonstruktionen: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Geschlechter- und Behinderungsforschung verknüpft, um die spezifische "doppelte Diskriminierung" und die Sozialisationsbedingungen von Frauen mit Behinderungen zu untersuchen.
4. Ausmaß und Zusammenhänge von sexueller Gewalt gegen Frauen mit Behinderungen: Dieses Kapitel widmet sich der empirischen Bestandsaufnahme der Betroffenheit, analysiert Täterstrukturen und identifiziert verschiedene Risikofaktoren sowie Folgen sexueller Gewalt.
5. Intervention, Unterstützung und Prävention: Abschließend werden die Barrieren bei der Hilfesuche thematisiert sowie Konzepte und notwendige Weiterentwicklungen für Unterstützungsangebote, polizeiliche Interventionen und Präventionsarbeit erörtert.
6. Abschließende Betrachtungen: Das letzte Kapitel fasst die zentralen Ergebnisse zusammen, zieht Schlussfolgerungen aus den gewonnenen Erkenntnissen und wagt einen Ausblick auf notwendige zukünftige Entwicklungen.
Sexuelle Gewalt, Frauen mit Behinderungen, Diskriminierung, Prävention, Intervention, soziale Konstruktion, Lebenslagen, strukturelle Gewalt, Unterstützung, Sozialisation, Machtverhältnisse, Behindertenrechtskonvention, Autonomie, Hilfsmöglichkeiten, Vulnerabilität.
Die Diplomarbeit befasst sich mit dem Ausmaß und den Hintergründen von sexueller Gewalt gegen Frauen mit Behinderungen unter Berücksichtigung struktureller Bedingungsfaktoren.
Die Arbeit behandelt die Lebenssituation von Menschen mit Behinderungen, die Verknüpfung von Geschlechter- und Behinderungsfragen, das Ausmaß sexueller Gewalterfahrungen sowie Ansätze für Prävention und Unterstützung.
Ziel ist es, das tatsächliche Ausmaß der Gewaltbetroffenheit aufzuzeigen, Bedingungszusammenhänge zu klären und Empfehlungen für eine verbesserte Hilfe und Prävention zu formulieren.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender nationaler und internationaler Studien und empirischer Untersuchungen zur Gewaltbetroffenheit von Frauen mit Behinderungen.
Der Hauptteil analysiert theoretische Konstruktionen von Behinderung und Sexualität, dokumentiert empirische Ergebnisse zu Ausmaß und Täterstrukturen und erörtert spezifische Risikofaktoren sowie die Folgen der Gewalterfahrungen.
Zentrale Begriffe sind neben sexueller Gewalt und Behinderung insbesondere die doppelte Diskriminierung, strukturelle Gewalt, Barrieren bei der Unterstützung sowie soziale Konstruktionen von Normalität.
Das soziale Modell dient als theoretischer Rahmen, um zu verdeutlichen, dass Behinderung nicht als individueller Defekt, sondern als Ergebnis der Wechselwirkung zwischen Schädigung und gesellschaftlichen Barrieren verstanden wird.
Die Unterscheidung hilft zu verstehen, dass Gewaltprävention nicht nur bei den betroffenen Frauen ansetzen darf, sondern strukturelle gesellschaftliche Barrieren und patriarchale Machtverhältnisse abbauen muss.
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