Bachelorarbeit, 2011
36 Seiten, Note: 1,0
1. Themenbegründung
2. Kafkas „Erbe“ oder „ein anderer K.“: Zur Spezifik der Kafka Rezeption bei Günter Kunert am Beispiel ausgewählter Werke von 1960 bis 1975
2.1 Forschungsstand
2.2 Zur Spezifik des Kafkaschen Schreibens
2.3 Zur Kafka-Rezeption in der DDR
2.3.1 Gab es eine Kafka-Rezeption in der DDR?
2.3.2 Zur Kafka-Rezeption bei Günter Kunert
2.3.2.1 Eine kurze Darstellung des Lebens und Wirkens von Günter Kunert in der DDR
2.3.2.2 Zur Spezifik des Werks von Günter Kunert (1960 bis 1975)
2.3.2.3 Zusammenfassung
2.4 Analysen
2.4.1 Interfragmentarium (zu Franz K.s Werk), 1962
2.4.2 Zentralbahnhof, 1968
2.4.3 Dornröschen, 1973
3. Schluss
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle des Autors Günter Kunert innerhalb der Kafka-Rezeption in der DDR zwischen 1960 und 1975 und analysiert, wie Kunert spezifische Motive und Schreibweisen Franz Kafkas für sein eigenes Werk adaptierte, um intertextuelle Bezüge sowie eine bewusste Auseinandersetzung mit kafkaesken Stimmungsräumen nachzuweisen.
2.4.1 Interfragmentarium (Zu Franz K.s Werk), 1962
Das Jahr 1962 wurde bereits weiter oben als ein Jahr beschrieben, in dem sich einiges im Werk von Günter Kunert änderte. Grund dafür war sicherlich nicht zuletzt das in der Zeitschrift „Sinn und Form“ publizierte Gedicht „Interfragmentarium (Zu Franz K.s Werk)“.
Es handelt sich formal gesehen um ein Gedicht, das allerdings sehr offen gehalten ist und fast schon wie ein Manuskript für eine Kurzgeschichte, wenn nicht gar wie ein Fragment wirkt. Dieser Eindruck entsteht durch die vielen kurzen einfachen Sätze, die in ihrer Kürze auch noch gebrochen und auf mehrere Zeilen verteilt werden:
„Wie sieht den Erwachten
Heute der Spiegel an? Hat der
Vielleicht schon Verdacht geschöpft?“
Ein anderer Grund, warum der Eindruck eines Fragments entstehen könnte, ist die elliptische Aneinanderreihung von Substantiven in Strophe 4:
„[…] Das Telefon. Die Wohnungstür.
Das Haustor. Die Hinrichtung. Die ganze Welt.“
Und letztlich allein der Umstand, dass jede Strophe durch eine Ordnungszahl übertitelt ist, erhärtet den Eindruck, dass es sich um ein fragmentarisches Gedicht handelt. Der formale Aufbau widerspricht damit gänzlich dem Grundsatz einer Totalität, einer Einheit, so wie es zur damaligen Zeit gängig und üblich war. Alles wirkt wild aneinandergereiht, und nur die Zahlen scheinen eine wie auch immer geartete Ordnung in dieses Prinzip zu bringen.
1. Themenbegründung: Einführung in die Intertextualität zwischen Kafka und Kunert sowie Darstellung der Forschungsfrage und des untersuchten Zeitraums.
2. Kafkas „Erbe“ oder „ein anderer K.“: Zur Spezifik der Kafka Rezeption bei Günter Kunert am Beispiel ausgewählter Werke von 1960 bis 1975: Theoretische Einbettung in den Forschungsstand, Analyse der Spezifik Kafkaschen Schreibens und Untersuchung der Rezeptionsgeschichte in der DDR.
3. Schluss: Synthese der Analyseergebnisse und Bestätigung der These, dass Kunert kafkaeske Motive als eigenständiges, komplexes Stilmittel in sein Werk integriert.
Günter Kunert, Franz Kafka, Kafka-Rezeption, DDR-Literatur, Intertextualität, Paradigmawechsel, Fragment, Labyrinth, Entfremdung, Stimmungsraum, Mythos-Phase, Kafkaesk, Literaturanalyse, Schreibweise
Die Bachelorarbeit untersucht, ob und wie der DDR-Schriftsteller Günter Kunert zwischen 1960 und 1975 Franz Kafkas Texte gelesen und für sein eigenes literarisches Schaffen verarbeitet hat.
Im Mittelpunkt stehen die Kafka-Rezeption in der DDR, das spezifische Schreibprofil von Kafka sowie die literarische Analyse ausgewählter Werke von Kunert hinsichtlich ihrer intertextuellen Bezüge.
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass bei Kunert entgegen kulturpolitischer Vorbehalte eine intensive und produktive Auseinandersetzung mit Kafkas Werk stattfindet, die sich in spezifischen Motiven und formalen Strukturen widerspiegelt.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die primär auf intertextuellen Vergleichen und der Untersuchung von Stimmungsräumen sowie Schreibstilen basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Abriss zur Rezeptionsgeschichte und zum Leben Kunerts sowie einen umfangreichen Analyseteil, der die Texte „Interfragmentarium“, „Zentralbahnhof“ und „Dornröschen“ untersucht.
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Kafka-Rezeption, Intertextualität, Labyrinth, Entfremdung und der spezifische Paradigmawechsel in Kunerts Spätfrühphase.
Es dient als Einstiegsbeispiel für die direkte, bewusste Referenz Kunerts auf Kafka und seine formale Annäherung an dessen Fragment-Ästhetik.
Sie zeigt die mythische Steigerung und die gelungene Verschmelzung von Märchenstrukturen mit kafkaesken Elementen, ohne direkt auf den Namen Kafkas verweisen zu müssen.
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