Magisterarbeit, 2012
83 Seiten, Note: 1,3
1 Zur Begründung der Thematik
2 Der kriminalistische, der symbolische und der exemplarische Kaspar Hauser: Zur Verarbeitung der Grundlage des Kaspar Hauser Stoffs bei Werner Herzog
3 Kaspar Hauser als tragische Symbolfigur der Moderne: Bildungsdilettantismus und Nützlichkeitsdenken in der Verfilmung von Werner Herzog
3.1 Zur Begründung der Moderne: Eine Diskussion des Peritexts
3.2 Kaspars Lebensräume: Zum Verhältnis von Gefangenschaft und Freiheit als symbolhafter Konflikt zwischen Natur und Kultur
3.3 Zur Sprache als Instrument gesellschaftlicher Macht
3.4 Zur Funktion der Träume Kaspars oder der Wunsch nach einer anderen Welt
3.5 Zur Rückbesinnung auf die eigene Individualität: Die Montage und die Entschleunigung als zentrale filmgestalterische Mittel
3.6 Zur Funktion der Musik und ihrer Abwesenheit
4 Natur und Kultur als Maximen der modernen Bildung
5 Erkenntnisse und Ausblick
6 Literaturverzeichnis
6.1 Primärliteratur
6.2 Sekundärliteratur
7 Anhang
7.1 Sequenzprotokoll: Jeder für sich und Gott gegen alle
7.2 Einstellungsprotokoll: Vorspann
7.3 Transkriptionen
7.3.1 Die Begutachtung im Stall (0:22:13 – 0:25:57)
7.3.2 Das Gespräch mit den Pastoren (0:58:38 – 0:59:55)
7.3.3 Das Logik-Rätsel (1:09:30 – 1:13:42)
7.3.4 Das Klavierspiel im Salon (1:19:15 – 1:21:01)
7.4 Bildmaterial
7.4.1 Der Vorspann (0:00:00 – 0:03:00)
7.4.2 Das Klavierspiel im Salon (1:19:15 – 1:21:01)
7.5 Tonmaterial
Die Arbeit untersucht Werner Herzogs Film "Jeder für sich und Gott gegen alle" (1974) als eine Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Machtstrukturen der Moderne. Ziel ist es, Kaspar Hauser als tragische Symbolfigur zu analysieren, deren Individualität und Natürlichkeit durch Bildungsdilettantismus und Nützlichkeitsdenken zerstört werden.
3.1 Zur Begründung der Moderne: Eine Diskussion des Peritexts
Der Peritext als ein Teilaspekt des Paratexts wird durch den französischen Literaturwissenschaftler Gérard Genette als „[…] the zone that exists merely by the fact that a book is published and possibly republished and offered to the public in one or several more or less varied presentations.“ beschrieben. Er schreibt weiter: „We are dealing here with the outermost peritext (the cover, the title page, and their appendages) […]“
Über den Peritext ist es einem Schriftsteller demnach möglich, auf eine ganz spezielle Art und Weise mit der Öffentlichkeit in Kommunikation zu treten. Noch bevor ein Interessent ein Buch überhaupt gelesen hat, verfügt er dank des Peritexts über eine gewisse Vorstellung von diesem. Der Titel, eine Widmung oder auch ein vorangestelltes Zitat können beim Leser diese Vorstellung bereits im Vorfeld erzeugen und sind demnach bei der Analyse eines Buchs enorm wichtig. Analog lässt sich das bereits Beschriebene natürlich auch auf das Medium Film übertragen. Auch hier wird mit einem Filmtitel gearbeitet, und auch Widmungen oder in einem Vorspann integrierte Zitate können als besondere Formen der Kommunikation mit dem Zuschauer implementiert werden; so auch in Werner Herzogs Jeder für sich und Gott gegen alle. Im Folgenden erfolgt deshalb die Analyse des Peritexts am Beispiel des Filmtitels, der Widmung an Lotte Eisner, und des Büchner-Zitats im Vorspann. Vor allem auf die Struktur und die Funktion wird hierbei fokussiert.
Dass Werner Herzog Film nicht einfach den Titel Kaspar Hauser trägt, ist eine der ersten, aber auch eine der wichtigsten Feststellungen, bedeutet sie doch mehr, als auf den ersten Blick zu erahnen. Natürlich steht der Fall des Findlings mit der rätselhaften Vergangenheit im Kern der Handlung, doch ist, wie bereits beschrieben, eben der eigentliche historische Fall oder die Frage nach der Herkunft thematisch und vor allem auch funktional irrelevant.
1 Zur Begründung der Thematik: Einleitung in die kulturkritische Fragestellung über Nützlichkeitsdenken und Bildungsdilettantismus im Kontext von Werner Herzogs Film.
2 Der kriminalistische, der symbolische und der exemplarische Kaspar Hauser: Zur Verarbeitung der Grundlage des Kaspar Hauser Stoffs bei Werner Herzog: Analyse der verschiedenen Rezeptionsformen des Stoffes und Begründung der symbolischen Interpretation durch Herzog.
3 Kaspar Hauser als tragische Symbolfigur der Moderne: Bildungsdilettantismus und Nützlichkeitsdenken in der Verfilmung von Werner Herzog: Detaillierte Filmanalyse, die Themen wie Lebensräume, Sprache, Träume und filmgestalterische Mittel zur Freilegung der Gesellschaftskritik nutzt.
3.1 Zur Begründung der Moderne: Eine Diskussion des Peritexts: Untersuchung von Filmtitel, Widmung und Zitaten als erste kommunikative Ebene des Films.
3.2 Kaspars Lebensräume: Zum Verhältnis von Gefangenschaft und Freiheit als symbolhafter Konflikt zwischen Natur und Kultur: Gegenüberstellung von physischer und gesellschaftlicher Gefangenschaft in den verschiedenen Schauplätzen des Films.
3.3 Zur Sprache als Instrument gesellschaftlicher Macht: Analyse der Sprachverwendung als Werkzeug zur Ausübung von Zwang und zur Abgrenzung gegenüber dem "Fremden".
3.4 Zur Funktion der Träume Kaspars oder der Wunsch nach einer anderen Welt: Interpretation der Traumsequenzen als Ausdruck des Fluchtwunsches vor einer restriktiven Gesellschaft.
3.5 Zur Rückbesinnung auf die eigene Individualität: Die Montage und die Entschleunigung als zentrale filmgestalterische Mittel: Diskussion der filmischen Techniken, die den Zuschauer zum bewussten Blick auf das Wesentliche anregen sollen.
3.6 Zur Funktion der Musik und ihrer Abwesenheit: Erläuterung der musikalischen Dramaturgie und der Bedeutung der Stille für die Intensivierung der filmischen Wirkung.
4 Natur und Kultur als Maximen der modernen Bildung: Übertragung der Filmerkenntnisse auf aktuelle bildungspolitische Entwicklungen und Strukturen.
5 Erkenntnisse und Ausblick: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und Bestätigung der Hypothese zur symbolischen Verarbeitung des Stoffes.
Kaspar Hauser, Werner Herzog, Bildungsdilettantismus, Nützlichkeitsdenken, Moderne, Kulturkritik, Filmanalyse, Individuum, Gesellschaft, Freiheit, Gefangenschaft, Natur, Kultur, Sprache, Peritext
Die Arbeit analysiert den Film "Jeder für sich und Gott gegen alle" von Werner Herzog und untersucht, wie der Kaspar-Hauser-Stoff als Symbol für die Konflikte der Moderne zwischen Individuum und Gesellschaft genutzt wird.
Zentrale Themen sind die Auswirkungen von Nützlichkeitsdenken und Bildungsdilettantismus, die Bedeutung von Sprache als Machtmittel sowie das Spannungsverhältnis zwischen natürlicher Freiheit und kultureller Unterdrückung.
Das Ziel ist es aufzuzeigen, dass Herzog Kaspar Hauser als tragische Symbolfigur inszeniert, um gesellschaftliche Missstände und kulturelle Herrschaftsordnungen zu kritisieren.
Es wird eine systematische Filmanalyse nach Helmut Korte angewandt, kombiniert mit einer kulturwissenschaftlichen Auswertung des Peritexts und der Sekundärliteratur.
Im Hauptteil werden filmgestalterische Mittel wie Montage, Musik und Kameraeinstellungen analysiert, um zu verdeutlichen, wie diese die inhaltliche Kritik an den gesellschaftlichen Strukturen unterstützen.
Die wichtigsten Begriffe sind Kaspar Hauser, Bildungsdilettantismus, Nützlichkeitsdenken, Kulturkritik, Natur-Kultur-Dualität und Filmanalyse.
Die Arbeit differenziert zwischen der physischen Gefangenschaft (z.B. Keller, Turm) und der gesellschaftlich-abstrakten Gefangenschaft, die durch soziale Konventionen und Sprachnormen erzeugt wird.
Die Musik fungiert als strukturbildendes Element (Rondo-Form) und wird zudem sparsam eingesetzt, um in den ruhigen Momenten die Isolation und Fremdheit von Kaspar Hauser zu verstärken.
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