Bachelorarbeit, 2011
38 Seiten, Note: 2,3
1. Einleitung
2. Die Geschichte der Grausamkeit in den KHM
3. Die Darstellung der Grausamkeit
4. Die Formen der Grausamkeit
4.1 Grausamkeit mit sichtbaren Schäden für den Körper
4.2 Grausamkeit ohne sichtbare Schäden für den Körper
5. Die Täter und Opfer der Grausamkeit
5.1.1 Der gute Mann
5.1.2 Der böse Mann
5.2.1 Die gute Frau
5.2.2 Die böse Frau
5.3.1 Das gute Kind
5.3.2 Das böse Kind
5.4.1 Das gute Tier
5.4.2. Das böse Tier
6. Zwecke der Grausamkeit
6.1 Die strafende Grausamkeit
6.2 Die lehrende Grausamkeit
6.3 Die erlösende Grausamkeit
6.4 Die verhüllende Grausamkeit
7. Einflüsse auf die Grausamkeit
7.1 Kulturhistorische Einflüsse
7.2 Einflüsse aus dem Volksglauben
7.3 Einflüsse durch andere Erzählgattungen
8. Grausamkeit im Kinderzimmer
9. Schluss
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle und Ausprägung von Grausamkeit in den Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm, um deren Funktionen sowie die zugrunde liegenden historischen und kulturellen Einflüsse zu analysieren.
3. Die Darstellung der Grausamkeit
In KHM 107, heißt es: „und der Schuster, der ein Herz von Stein hatte, stach ihm mit einem scharfen Messer das rechte Auge aus.“ Wenige Zeilen danach folgt dann der Satz „machte er sich wieder auf die Beine, vergaß sein Unglück“. Dem Schneider wurde sein Auge ausgestochen, aber weiter wird dazu nichts gesagt, das Opfer macht sich einfach wieder auf den Weg. Dieses kleine Beispiel zeigt deutlich, wie Grausamkeit im Märchen aussieht, „die Darstellung der Handlung ist isolierend“, der Leser sieht nur „die reinen Akte“, es gibt keine „ausmalende Schilderung“ der Grausamkeit. Auch in allen anderen Märchen ist es so, denn „ohne tragischen Ton erzählt das Märchen von Mord, Gewalttat, Erpressung, Verrat, Verleumdung, Blutschande“. Grausamkeiten aller Art werden somit einfach dargestellt, sie sind Teil des Geschehens, nichts Außergewöhnliches, sondern etwas, was immer wieder vorkommt, aber trotz alledem nichts ist, was irgendwie verherrlicht wird, denn „sicher ist, daß die Märchen selbst keine Greuel verherrlichen“. Die Grausamkeit wird also „nur als Erzählmoment geschildert“ und in keinster Weise „ausführlicher beschrieben“.
Bei der weiteren Betrachtung des Beispiels fällt auf, dass nichts zu lesen ist von den Qualen des Schneiders, er hat sein Auge verloren, aber es ist nichts zu hören von Klagen oder Wehgeschrei, es wird nicht einmal über die Schmerzen gesprochen während ihm das Auge ausgestochen wird. Damit zeigt sich eine weitere Besonderheit der Darstellung der Grausamkeit, „die Auswirkungen g.er Behandlungen“ sind im Märchen „nicht körperlich fühlbar“, es lässt sich sogar sagen, dass es „kein „Gefühl“ im Märchen“ gibt. Es gibt vielfache Beispiele, die das belegen, nie ist etwas von dem Todeskampf Sneewittchens in KHM 53 zu lesen, wenn die Stiefmutter versucht es auf vielfältige Art und Weise umzubringen, und auch von dem Mädchen ohne Hände aus KHM 31 kommen keine Schmerzensschreie als ihm die Hände abgehackt werden. Dies ist eine weitere Besonderheit der Grausamkeit im Märchen, die Opfer leiden nicht, nichts von ihren Schmerzen ist lesbar, die Figuren sind vollkommen gefühllos. Empfindungen werden nur dann erwähnt, wenn sie relevant für die Handlung sind, ansonsten sind sie nicht vorhanden.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Präsenz von Grausamkeit in den KHM und definiert die Forschungsabsicht, diese Elemente sowie deren Funktionen genauer zu untersuchen.
2. Die Geschichte der Grausamkeit in den KHM: Dieses Kapitel beschreibt die Entwicklung der Märchen von der ersten Auflage bis zu den späteren, stärker durch Wilhelm Grimm künstlerisch überarbeiteten Fassungen und analysiert den Umgang mit grausamen Inhalten.
3. Die Darstellung der Grausamkeit: Es wird analysiert, wie Grausamkeit im Text als distanziertes Erzählmoment fungiert, das ohne emotionale Schilderungen auskommt und als treibendes Element für die Handlung dient.
4. Die Formen der Grausamkeit: Das Kapitel unterscheidet zwischen Grausamkeiten mit sichtbaren, körperlichen Folgen und solchen, die ohne körperliche Verletzungen auskommen, jedoch das Opfer strukturell belasten.
5. Die Täter und Opfer der Grausamkeit: Hier werden die archetypischen Rollen von guten und bösen Charakteren untersucht, um zu verdeutlichen, wer in welchen Zusammenhängen Opfer oder Täter von Grausamkeit wird.
6. Zwecke der Grausamkeit: Dieses Kapitel erläutert, dass Grausamkeit im Märchen als Strafe, Erziehungsinstrument, erlösendes Element oder zur Verschleierung von Erotik eingesetzt wird.
7. Einflüsse auf die Grausamkeit: Die Analyse zeigt auf, dass Motive für Grausamkeit in den KHM aus kulturhistorischen Kontexten, der mittelalterlichen Strafpraxis, dem Volksglauben und biblischen oder sagenhaften Erzählgattungen stammen.
8. Grausamkeit im Kinderzimmer: Der Abschluss diskutiert die kontroversen Standpunkte zur Wirkung grausamer Märcheninhalte auf Kinder und betont die Bedeutung individueller Wahrnehmung statt allgemeiner Verbote.
9. Schluss: Der Schluss fasst die Erkenntnisse zusammen und resümiert, dass Grausamkeit ein essenzielles, oft übersehenes Stilmittel darstellt, das zwar existiert, aber meist unterbewusst wahrgenommen wird.
Grausamkeit, Kinder- und Hausmärchen, Gebrüder Grimm, Erzählfunktion, Körperlichkeit, Bestrafung, Volksglaube, Mittelalter, Märchenanalyse, Opferrolle, Täter, Pädagogik, Medienwirkung, Erzählstruktur, Gewalt.
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Grausamkeit in den Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm, deren Darstellung und die Hintergründe für die häufigen Gewaltdarstellungen.
Zentrale Themen sind die verschiedenen Formen der Grausamkeit, die Typologie von Tätern und Opfern, die erzählerischen Zwecke sowie die kulturellen und historischen Quellen dieser Motive.
Das Ziel ist es, ein umfassendes Verständnis über die Funktion der Grausamkeit als erzählerisches Stilmittel zu gewinnen und zu beleuchten, woher diese Motive historisch und kulturell stammen.
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Textanalyse ausgewählter KHM-Beispiele unter Heranziehung von Sekundärliteratur zu Märchenforschung, Psychologie und historischer Rechtsgeschichte.
Der Hauptteil deckt die Darstellung von Grausamkeit, deren Kategorisierung in Formen, eine Täter-Opfer-Analyse, die erzähltechnischen Funktionen und eine detaillierte Herleitung aus historischen und kulturellen Kontexten ab.
Wichtige Begriffe sind Grausamkeit, KHM, Erzählstruktur, Bestrafung, historische Strafpraxis, Volksglaube, Opferrolle und die kindliche Rezeption von Märchen.
Diese drastischen Strafen sind oft direkt an mittelalterliche Rechtspraktiken angelehnt und dienen im Märchen der endgültigen, extremen Bestrafung des Bösen, um die Wiederherstellung der Ordnung zu symbolisieren.
Nein, die Grausamkeit ist kein Selbstzweck. Sie dient dem Spannungsaufbau und der moralischen Einordnung, wobei die Gebrüder Grimm die Grausamkeiten in den Märchen zwar bearbeiteten, sie aber aufgrund ihrer Faszination für das Element meist beibehielten.
Ja, im Kapitel "Grausamkeit im Kinderzimmer" werden die Debatten zwischen dem "Anti-Märchen-Lager" und dem "Pro-Märchen-Lager" gegenübergestellt, um zu prüfen, ob Märchen für Kinder geeignet sind.
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