Bachelorarbeit, 2014
47 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
2 Entwicklungen von Solidarität
2.1 Semantik und Entstehungsgeschichte
2.1.1 Römisch-Rechtliche Bedeutung
2.1.2 Brüderlichkeit
2.1.3 Heidnische Freundschaft
2.2 Revolutionen mit konstituierender Wirkung
2.2.1 Französische Revolution
2.2.2 Amerikanische Revolution
3 Vergleich der Revolutionen nach Hannah Arendt
4 Transformationen zum Wohlfahrtsstaat
4.1 Ursprünge
4.2 Ausprägungen
4.2.1 Europäische Tradition
4.2.2 Amerikanische Tradition
4.3 Spannungsfelder und Konfliktpotential
5 Fazit und Ausblick
Die Arbeit untersucht den historischen Bedeutungswandel des Solidaritätsbegriffs von seinen antiken Ursprüngen und den großen Revolutionen bis hin zu seiner heutigen Implementierung in westlichen Wohlfahrtsstaaten. Ziel ist es, die unterschiedlichen Solidaritätskonzepte in Europa und den USA zu vergleichen und die daraus resultierenden Konfliktpotentiale für moderne Gesellschaften herauszuarbeiten.
2.1.1 Römisch-Rechtliche Bedeutung
In seinem Wortstamm leitet sich „Solidarität“ vom lateinischen „solidus“ sowie dem französischen „solidaire“ ab, und lässt sich auch im deutschen „solid“ mit der Eigenschaft des festen, zuverlässigen beschreiben. Ferner ist das lateinische „salvus“ in der Übersetzung „heil, gesund“ mit dem Begriff verwandt. In der ursprünglichen lateinischen Bedeutung bezieht es sich auf zivilrechtliche Haftungsgenossenschaften und ist somit ein römischer Rechtsbegriff, der für eine Gesamthaftung, Gesamtschuld oder der Verpflichtung fürs Ganze steht. Vereinfacht darstellen lässt sich das mit dem Ausspruch: „Einer für Alle, Alle für Einen“.
Der Einzelne, der seine Schuld nicht begleichen kann, wird somit von allen Anderen gestützt, während sich jener Einzelne im umgekehrten Fall in die Reihe der Gesamtheit einfügt. Somit entsteht ein festes, solides Band, welches nicht nur für die Schuldnergemeinschaft, sondern auch für den Gläubiger eine Sicherheit bietet, da der seine Forderungen im schlimmsten Fall an einen solventeren Ersatzmann richten kann. Im Sinne dieses Konzeptes von obligatio in solidum, was die Verpflichtung im Ganzen bedeutet, fand die Solidarität später Eingang in die französische Rechtswissenschaft, wo sie etwa in der Encyclopédie von Diderot und d’Alembert beschrieben wurde als „die Eigenschaft einer Verpflichtung, in der sich mehrere Schuldner bereit erklären, eine Summe, die sie geliehen haben oder die sie schulden, [zurück] zu zahlen“ (Encyclopédie, ou dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers, Bd. 15).
1 Einleitung: Die Arbeit problematisiert die unterschiedlichen Auffassungen von Solidarität in westlichen Demokratien am Beispiel der US-amerikanischen Debatte um „Obamacare“.
2 Entwicklungen von Solidarität: Das Kapitel zeichnet die etymologische und historische Entwicklung des Begriffs von römischen Rechtsprinzipien über religiöse Vorstellungen von Brüderlichkeit bis hin zu den großen Revolutionen nach.
3 Vergleich der Revolutionen nach Hannah Arendt: Basierend auf Hannah Arendts Werk wird analysiert, wie die Französische und die Amerikanische Revolution unterschiedliche politische Folgen und Solidaritätskonzepte hervorbrachten.
4 Transformationen zum Wohlfahrtsstaat: Hier werden die historischen Linien in die Entstehung moderner Wohlfahrtsstaaten überführt und die europäische sowie amerikanische Tradition hinsichtlich ihrer Ausprägungen und Konfliktfelder gegenübergestellt.
5 Fazit und Ausblick: Das Kapitel resümiert den Bedeutungswandel der Solidarität unter dem Druck der Globalisierung und diskutiert Ansätze für eine zukünftige, bürgerschaftliche Gestaltung des Sozialen.
Solidarität, Wohlfahrtsstaat, Sozialstaat, Französische Revolution, Amerikanische Revolution, Hannah Arendt, Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Zivilreligion, Sozialpolitik, Gemeinschaft, Politische Theorie, Demokratie, Freiwilliges Engagement.
Die Bachelorarbeit befasst sich mit der Entwicklung und dem Bedeutungswandel des Begriffs Solidarität vom lateinischen Rechtsursprung bis zur modernen Wohlfahrtsstaatlichkeit.
Zentrale Felder sind die Ideengeschichte der Solidarität, der Vergleich politischer Revolutionen, die Philosophie Hannah Arendts und die Ausdifferenzierung wohlfahrtsstaatlicher Systeme.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie historisch gewachsene Solidaritätsvorstellungen die unterschiedlichen Ausprägungen von Sozialpolitik in Europa und den USA bis heute prägen und wo Konfliktpotentiale liegen.
Die Arbeit basiert auf einer ideengeschichtlichen Analyse und einem komparativen Ansatz, der maßgeblich durch die theoretischen Überlegungen Hannah Arendts gerahmt wird.
Im Hauptteil werden die historischen Meilensteine (Revolutionen) analysiert, die Transformationsprozesse zum Wohlfahrtsstaat historisch umrissen und ein Vergleich der europäischen und amerikanischen Sozialtraditionen durchgeführt.
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Solidarität, Wohlfahrtsstaat, Volkssouveränität, Zivilreligion, Freiheit und das Spannungsfeld zwischen ökonomischem Wettbewerb und Gemeinwohl.
Der Autor nutzt dieses Wortspiel nach Albert Camus, um die Ambivalenz der Solidarität zwischen isoliertem Individuum und gemeinschaftlicher Verbundenheit zu verdeutlichen.
Er dient als exemplarisches Spannungsfeld, an dem sich zeigt, wie staatlich verordnete Solidarität im Konflikt mit dem subjektiven Empfinden von Freiheit und Eigenverantwortung stehen kann.
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