Examensarbeit, 2017
67 Seiten, Note: 2,0
I. Einleitung
Thema und Fragestellung
II. Quellen und Stand der Forschung
1. Sullas politisches Reformwerk im antiken Urteil
2. Sullas Wirken in der modernen Forschung
III. Beginn von Sullas Diktatur und die Beseitigung der politischen Gegner
1. Rache und Terror – die Proskriptionen Sullas
IV. Leges Corneliae und weitere Maßnahmen zur autoritären Wiederherstellung der republikanischen Ordnung
1. Senatsreform
2. Magistraturen
3. Gesetzgebung und Rechtspflege
4. Religiöse Angelegenheiten
5. Moral- und Luxusgesetzgebung
6. Veteranenversorgung und die Provinzen
V. Betrachtungen der sullanischen Reformen
VI. Sullas Rücktritt von der Diktatur – eine Selbstverständlichkeit?
VII. Auswirkungen der Restauration – das Scheitern der sullanischen Neuordnung
VIII. Schlussbetrachtung
Diese Arbeit untersucht das staatspolitische Reformprogramm von Lucius Cornelius Sulla im Kontext der Krise der späten Römischen Republik. Im Zentrum steht die Analyse, ob Sullas Diktatur als legitimes Mittel zur Behebung eines verfassungsrechtlichen Notstandes zu verstehen ist oder außerhalb der republikanischen Ordnung stand.
I. Einleitung
Lucius Cornelius Sulla, auch unter seinem Beinamen Sulla Felix bekannt, gilt als einer der bedeutendsten Generäle, umstrittensten Politiker, Gesetzgeber und Diktatoren aus der krisenhaften Endphase der Römischen Republik. So blieb die politische Figur Sullas auch lange Jahre nach seinem Tod im Gedächtnis der Römer – was nicht an seinem politischen Werk, sondern am negativen Sulla-Bild liegt, welches sich in das kollektive Geschichtsbewusstsein eingeprägt hat. In diesem wird Sulla crudelis als grausamer Politiker, selbstherrlicher Tyrann und rachsüchtiger Herr der Proskriptionen dargestellt, der nicht davor zurückschreckte, Gewalt gegen eigene Mitbürger anzuwenden. Wofür Sulla allerdings weitaus weniger bekannt ist, ist seine Rolle als Gesetzgeber. Als dictator legibus scribundis et rei publicae constituendae stellte Sulla sich nach einer Zeit voll von Dauerkrisen und blutigen Auseinandersetzungen der Aufgabe, die Funktionsfähigkeit des römischen Staates auf der Grundlage von Gesetzen wiederherzustellen und das traditionelle republikanische System zu stabilisieren und reformieren.
Damit reiht Sulla sich in die Reihe der großen Gesetzgeber wie Marius, Caesar und Octavian ein, die das Gesetz erfolgreich als Instrument der Politik nutzten. Die Zielsetzung der Alleinherrschaft Sullas ist von der Frage der Legitimität der von ihm verlangten Machtfülle nicht zu trennen. Es wird in dieser Arbeit deshalb auch versucht, den politischen Werdegang Sullas und den Weg seiner Machtergreifung zu analysieren. Es wird insbesondere der Frage nachgegangen, inwiefern seine Diktatur rei publicae constituendae causa als ein legitimes Mittel zur Behebung eines verfassungsrechtlichen Notstandes angesehen werden kann oder ob sie völlig aus dem verfassungsrechtlichen Rahmen der Römischen Republik fällt.
I. Einleitung: Einführung in die Person Sullas, Darstellung des negativen historischen Sulla-Bildes und Formulierung der Forschungsfrage nach der Legitimität seiner Diktatur.
II. Quellen und Stand der Forschung: Diskussion der antiken Überlieferung (Cicero, Sallust, Appian, Plutarch) und Überblick über moderne Forschungskontroversen zur Rolle Sullas.
III. Beginn von Sullas Diktatur und die Beseitigung der politischen Gegner: Analyse des Machtantritts nach dem Bürgerkrieg und der systematischen Eliminierung politischer Gegner durch Proskriptionen.
IV. Leges Corneliae und weitere Maßnahmen zur autoritären Wiederherstellung der republikanischen Ordnung: Detaillierte Betrachtung der institutionellen Reformen, insbesondere Senatsreform, Magistraturen, Gesetzgebung, Religion, Moralgesetze und Veteranenversorgung.
V. Betrachtungen der sullanischen Reformen: Kritische Würdigung der Systematik der Gesetze und ihrer Funktion zur Stabilisierung der aristokratischen Ordnung.
VI. Sullas Rücktritt von der Diktatur – eine Selbstverständlichkeit?: Untersuchung der Gründe und der Einzigartigkeit des freiwilligen Rücktritts Sullas von der Diktatur.
VII. Auswirkungen der Restauration – das Scheitern der sullanischen Neuordnung: Diskussion über die Grenzen und das letztliche Scheitern des Systems nach Sullas Tod.
VIII. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Reflexion über die Tragfähigkeit von Sullas staatspolitischem Erbe.
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Die Arbeit befasst sich mit dem staatspolitischen Reformwerk von Lucius Cornelius Sulla und analysiert, inwiefern er versuchte, die krisengebeutelte Römische Republik durch autoritäre Maßnahmen und eine umfassende Neuordnung zu stabilisieren.
Zu den Schwerpunkten gehören die Machtergreifung, die Proskriptionen, die Neuordnung der Senats- und Magistratsstrukturen, die Moral- und Luxusgesetzgebung sowie die strategische Veteranenversorgung.
Das Ziel ist es, Sullas Handeln kritisch zu hinterfragen: War seine Diktatur ein legitimer Versuch zur Wiederherstellung der staatlichen Funktionsfähigkeit, oder markierte sie vielmehr den Anfang vom Ende der republikanischen Strukturen?
Die Arbeit basiert auf einer quellenkritischen Analyse. Sie vergleicht antike Texte und moderne historiographische Interpretationen, um die Diskrepanz zwischen Sullas Selbstinszenierung und der historischen Realität aufzudecken.
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Untersuchung der „Leges Corneliae“, analysiert die Auswirkungen auf das Volkstribunat, die Senatszusammensetzung und die Rechtsprechung sowie die Rolle der Veteranen für die Absicherung der neuen Machtverhältnisse.
Zentrale Begriffe sind die „Sullanische Restauration“, der „cursus honorum“, die „Proskriptionslisten“, das „mos maiorum“ und die Frage nach der „Res publica“ als konservatives bzw. revolutionäres Projekt.
Die Arbeit ordnet die Proskriptionen nicht nur als Ausdruck von Rachsucht ein, sondern als ein kalkuliertes politisches Instrument, das zur Ausschaltung der Gegner und zur finanziellen Fundierung von Sullas Gefolgschaft diente.
Der Rücktritt wird als machtpolitische Sensation gewertet. Er zeigt, dass Sulla nie eine dauerhafte Alleinherrschaft (dictatura perpetua) plante, sondern die Macht nach Erreichen seiner gesteckten Ziele an die aristokratische Ordnung zurückgeben wollte.
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