Masterarbeit, 2015
92 Seiten, Note: 1,3
Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
1 EINLEITUNG UND ZIELSETZUNG DER ARBEIT
2 ZUM BEGRIFF DES ,SCHWELLENRAUMS‘
3 FENSTER UND TÜREN IN FRANZ KAFKAS DER PROCESS
3.1 DIE GESCHLOSSENE TÜR: SCHUTZ DER PRIVATSPHÄRE
3.2 OFFENE FENSTER UND TÜREN: GESEHENWERDEN
3.3 FENSTER ALS ORTE DER ERKENNTNIS
3.4 FENSTER UND TÜREN ALS ZONEN DES AUSTAUSCHS
3.5 FENSTER UND TÜREN ALS AUSGÄNGE UND FLUCHTWEGE
3.6 FENSTER: GEDANKLICHE FLUCHT - FLUCHT VOR REALITÄT
4 KÖRPER UND RAUM
4.1 DER KÖRPER ALS VORAUSSETZUNG ZUR RAUMWAHRNEHMUNG
4.2 KÖRPERÖFFNUNGEN UND RAUMÖFFNUNGEN IM WERK KAFKAS
4.3 DER RAUM ALS KÖRPER: DIE TÜRSCHWELLE ALS ORT VON ÜBERGANG UND VERWANDLUNG
4.4 DER ÄUSSERE RAUM ALS INNERER RAUM: DIE TÜR ALS GRENZE ZUM UNTERBEWUSSTEN
4.5 SEXUALITÄT: FRAUEN AN FENSTERN UND TÜREN
5 DIE SCHWELLE ALS JURISTISCHER UND SOZIALER AUSNAHMEZUSTAND
6 FAZIT
Die Arbeit untersucht Fenster und Türen als zentrale Schaltelemente an sogenannten „Schwellenräumen“ in Franz Kafkas Romanfragment Der Process. Ziel ist es aufzuzeigen, wie diese architektonischen Öffnungen – entgegen ihrer eigentlichen Funktion als Schutz oder Übergang – im Roman paradoxerweise zu einer Auflösung der Grenzen zwischen privatem und öffentlichem Raum sowie zwischen Innen und Außen führen und das Motiv der ausweglosen Verstrickung des Protagonisten Josef K. maßgeblich mitprägen.
3.1 Die geschlossene Tür: Schutz der Privatsphäre
Lassen Sie mich die Türe schließen. Ja, was ist denn? Was haben Sie? Meinetwegen kann das ganze Haus hereinkommen.
Die erste Tür, welche dem Leser bei der Lektüre des Process’ begegnet, ist eine fehlende Tür. Die Verhaftungsszene zu Beginn der Erzählung, in der zwei fremde Männer im Schlafzimmer der Hauptfigur erscheinen, macht sofort deutlich, dass jede Trennung zwischen privatem Raum und Öffentlichkeit aufgehoben ist. K.s Zimmer kann über seine Räumlichkeit hinaus auch als Körper oder Bewusstsein verstanden werden, in die nun eingedrungen wird.
Der Eingangsbereich der Tür, welcher besonders im Wohnungsbau als Vermittler zwischen öffentlichem und privatem Raum dient und die Privatsphäre des Wohnungsbesitzers vor unerwünscht Eintretenden schützen, einen Gast jedoch durch verschieden Zonen des halb Privaten leiten und ihm so ein Gespür für die soeben durchschrittene Privatsphäre vermittelt soll, ist hier vollkommen außer Kraft gesetzt. Die Tür definierende Eigenschaften wie jene, die sie als „teilweise offene[n], auslesende[n]“ Apparatur markieren, die „über Behausung und Obdachlosigkeit, Intimität, Privatraum und Öffentlichkeit“ entscheidet, werden im Process aufgelöst und ins Gegenteil verkehrt.
1 EINLEITUNG UND ZIELSETZUNG DER ARBEIT: Einführung in die Masterarbeit, welche das Romanfragment Der Process hinsichtlich der räumlichen Bedeutung von Fenstern und Türen als „Schwellenräume“ kontextualisiert.
2 ZUM BEGRIFF DES ,SCHWELLENRAUMS‘: Theoretische Herleitung des Schwellenraums als Konzept, das herkömmliche binäre Grenzziehungen zwischen Innen und Außen durch das Aufkommen des „spatial turn“ in Frage stellt.
3 FENSTER UND TÜREN IN FRANZ KAFKAS DER PROCESS: Eingehende Analyse der architektonischen Elemente im Roman, die sich oft ihrer Funktion als Grenzschutz oder Ausweg entziehen und so die Isolation des Protagonisten betonen.
4 KÖRPER UND RAUM: Untersuchung der engen, oft leidvollen Verflechtung von Körperlichkeit und Raumwahrnehmung bei Kafka, bei der körperliche Öffnungen als Projektionsflächen für Schuld und psychische Zustände dienen.
5 DIE SCHWELLE ALS JURISTISCHER UND SOZIALER AUSNAHMEZUSTAND: Betrachtung der Schwelle als juristische Grauzone, in der sich Josef K. als permanent „Wartender“ zwischen den Welten befindet.
6 FAZIT: Zusammenfassende Erkenntnis, dass Fenster und Türen im Werk als paradoxe Elemente dienen, die das Steckenbleiben und die ständige Bewegung des Protagonisten im Prozess ohne Ankommen verdeutlichen.
Schwellenraum, Franz Kafka, Der Process, Architektur, Fenster, Türen, Grenzziehung, Raumtheorie, Körperlichkeit, Psychoanalyse, Privatsphäre, Liminalität, Macht, Schuld, Ausnahmezustand.
Die Arbeit untersucht die symbolische und architektonische Bedeutung von Fenstern und Türen im Romanfragment Der Process von Franz Kafka und analysiert, wie diese Elemente als sogenannte „Schwellenräume“ die Identität und Situation der Hauptfigur Josef K. beeinflussen.
Die zentralen Themen umfassen die Raumtheorie, die Bedeutung von Grenzen und Übergängen, das Verhältnis von Körper und Raum, die psychoanalytische Deutung von Räumen sowie die soziologische und juristische Dimension des Ausnahmezustands bei Kafka.
Das Ziel ist aufzuzeigen, dass Fenster und Türen im Process ihre Funktion als schützende Begrenzung oder ermöglichender Ausgang verlieren und Josef K. in einem permanenten, grenzenlosen Schwellenzustand gefangen halten.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die primär auf der historisch-kritischen Ausgabe des Process basiert und diese durch theoretische Konzepte (u.a. von Merleau-Ponty, Foucault, Agamben und Turner) sowie fachspezifische Kafka-Forschung untermauert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Untersuchung der Funktionen von Fenstern und Türen, die Verschränkung von Körperöffnungen mit Raumöffnungen sowie die Interpretation des Gerichts als juristischer Schwellenraum.
Neben Kafka und dem Process sind Begriffe wie „Schwellenraum“, „Liminalität“, „Körpermetaphorik“, „Grenzauflösung“ und die Dialektik von „Schutz und Öffnung“ essenziell.
Sie wird genutzt, um die Tür als Grenze zwischen Bewusstem und Unbewusstem sowie die Tendenz der Figuren zu „Schuldaktivierungen“ und „Verdrängungen“ zu erklären, wobei Bezüge zur Traumdeutung nach Freud hergestellt werden.
Sie fungieren als „Täuschungen“: Sie lassen sich meist nicht oder nur unter extremer Anstrengung öffnen, verweigern den Ausblick oder das Entkommen und spiegeln so K.s Unfähigkeit wider, seine juristische Situation oder seine innere Lage zu durchschauen.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

