Bachelorarbeit, 2014
57 Seiten, Note: 1,5
Medien / Kommunikation - Multimedia, Internet, neue Technologien
1. Einleitung
2. Begrifflichkeiten
2.1.Lynchjustiz
2.2.Rechtliche Grundlagen
2.3.Soziale Netzwerke
3. Fallbeispiele
3.1.Lena in Emden
3.2.Anschlag auf Boston-Marathon
4. Tätersuche der Polizei in sozialen Netzwerken
5. Gruppen in sozialen Netzwerken
6. Die Rolle von sozialen Netzwerken
6.1.Identitätsmanagement
6.2.Beziehungsmanagement
6.3.Informationsmanagement
6.4.Zusammenfassung
7. Anonymität schafft Distanz
8. Fazit
9. Ausblick
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen polizeilicher Aktivität in sozialen Netzwerken und der Entstehung von Aufrufen zur Lynchjustiz. Dabei soll geklärt werden, ob und wie soziale Netzwerke strukturelle und psychologische Rahmenbedingungen schaffen, die solche Phänomene begünstigen.
Identitätsmanagement
Bei der Handlungskomponente Identitätsmanagement steht das Individuum, der einzelne Nutzer, im Fokus. Wie Schmidt in seiner Einleitung zu dieser Komponente darlegt, hat Identität im Zuge der Modernisierung der Gesellschaft massiv an Bedeutung gewonnen. Während sich die Menschen früher nicht aktiv mit ihrer Identität auseinandersetzen mussten, da sie ihre soziale Stellung meist über ihre Herkunft zugewiesen bekamen, müssen sich die Menschen heute ihre Stellung innerhalb der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen selbst erarbeiten. Dafür muss sich das Individuum in einer modernen Gesellschaft als eigenständige und autonome Person verstehen sowie sich und sein Leben entfalten können.
Hinzu kommt, dass Identitätsbildung heute nicht mehr nur als eine Lebensphase während der Pubertät betrachtet wird. „Identität [wird] inzwischen als lebenslanger Prozess gedacht: Das Selbst bringt sich kontinuierlich neu hervor, um die eigene Identität an die Kontingenz, Ambivalenz und Unsicherheit der umgebenden sozialen Welt anzupassen.“
Die sozialen Medien können in diesem Prozess als Werkzeug fungieren, da sie gesellschaftlich-kulturelle Leit- und Rollenvorbilder vermitteln und auch als Mittel zur Selbstinszenierung dienen können. Konkrete Beispiele hierfür können sowohl das Ausfüllen einer Profil-Seite als auch die thematische Auswahl von Posts sein, die man verbreitet oder erstellt. Da diese Tätigkeiten ein aktives Handeln seitens des Nutzers voraussetzen, ist es gerechtfertigt, an dieser Stelle von Identitätsmanagement zu sprechen.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das Spannungsfeld zwischen polizeilicher Öffentlichkeitsarbeit in sozialen Medien und der Gefahr von Lynchaufrufen sowie die Forschungsfrage der Arbeit.
2. Begrifflichkeiten: Definition und Abgrenzung der zentralen Begriffe Lynchjustiz, rechtliche Grundlagen im Rechtsstaat und soziale Netzwerke.
3. Fallbeispiele: Darstellung der Ereignisse um den Mordfall Lena in Emden und den Anschlag auf den Boston-Marathon als empirische Grundlage.
4. Tätersuche der Polizei in sozialen Netzwerken: Untersuchung der Nutzung sozialer Medien durch die Polizei als Fahndungswerkzeug sowie die damit verbundenen Vor- und Nachteile.
5. Gruppen in sozialen Netzwerken: Analyse der Entstehung von Gruppendynamik und Mobs im digitalen Raum.
6. Die Rolle von sozialen Netzwerken: Detaillierte Anwendung des Modells der drei Handlungskomponenten nach Jan Schmidt auf das Phänomen der Lynchaufrufe.
7. Anonymität schafft Distanz: Erörterung der psychologischen Effekte von Anonymität und raum-zeitlicher Distanz auf die Hemmschwelle der Nutzer.
8. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und der Rolle der Polizei bei der Entstehung indirekter Impulse für Hetzjagden.
9. Ausblick: Diskussion potenzieller zukünftiger Gefahren und die Notwendigkeit einheitlicher Regelungen für die polizeiliche Arbeit.
Lynchjustiz, Soziale Netzwerke, Polizei, Fahndung, Gruppendynamik, Identitätsmanagement, Beziehungsmanagement, Informationsmanagement, Cyber-Mobbing, Anonymität, Rechtsstaat, Boston-Marathon, Mordfall Lena, Schwarmintelligenz, Internet
Die Arbeit analysiert, ob und wie soziale Netzwerke die Entstehung von Aufrufen zur Lynchjustiz gegen vermeintliche Straftäter begünstigen und welche Rolle die polizeiliche Präsenz dabei spielt.
Die Arbeit verknüpft kriminologische Fragen mit medienwissenschaftlichen Modellen, insbesondere dem Identitäts-, Beziehungs- und Informationsmanagement nach Jan Schmidt.
Es soll untersucht werden, ob ein Zusammenhang zwischen polizeilicher Aktivität in sozialen Netzwerken und der Entstehung von Lynchaufrufen besteht und wie dieser Zusammenhang zu erklären ist.
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse anhand von Fachliteratur sowie eine exemplarische Fallstudien-Methode mittels zwei konkreter Beispiele (Emden und Boston).
Neben theoretischen Grundlagen werden gruppendynamische Prozesse im Netz sowie die Mechanismen des Social Webs analysiert, die zur Bildung von Mobs und zur Senkung moralischer Hemmschwellen beitragen.
Lynchjustiz, Soziale Netzwerke, polizeiliche Fahndung, digitale Gruppendynamik, Identitäts- und Beziehungsmanagement sowie Anonymität.
Die Autorin sieht Hinweise darauf, dass die Polizei durch ihre öffentliche Fahndungsaktivität einen Impuls geben kann, der von Nutzern als Legitimation für eine Hetzjagd missverstanden wird.
Das Experiment dient dazu, die Bereitschaft von Menschen zu verdeutlichen, autoritären Anweisungen zu folgen und persönliche Hemmschwellen durch räumliche Distanz leichter zu überwinden, was Analogien zu Lynchaufrufen im Netz aufweist.
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