Bachelorarbeit, 2011
37 Seiten, Note: 1,0
Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
1 EINLEITUNG
1.1 KURZE DEFINITION DER EUROPÄISCHEN POSTMODERNE ANHAND IHRER PHILOSOPHISCHEN, HISTORISCHEN UND LINGUISTISCHEN BESONDERHEITEN
1.2 DEFINITION DES POSTMODERNEN ROMANS
1.3 PROTOTYPISCHE MERKMALE DES EUROPÄISCHEN POSTMODERNEN ROMANS
2 VORGESCHICHTE UND GENESE DES „CASTELLO DEI DESTINI INCROCIATI“
2.1 DIE GESCHICHTE HINTER DER GESCHICHTE: DIE GENESE DES „CASTELLO“
2.2 DIE GESCHICHTE DER TAROTKARTEN
2.3 AUCTOR EX MACHINA – DAS TAROT ALS KOMBINATORISCHE ERZÄHLMASCHINE
3 PROTOTYPISCHE MERKMALE DES POSTMODERNEN ROMANS IM „CASTELLO DEI DESTINI INCROCIATI“
3.1 METAFIKTIVE REFLEXIONEN IM „CASTELLO“
3.1.1 Metafiktive Reflexionen zur Genese des „Castellos“
3.1.2 Metafiktive Reflexionen zur Beschaffenheit und Funktion von Sprache im „Castello“
3.1.2.1 Die Sprachlosigkeit der Protagonisten
3.1.2.2 Die Mehrdeutigkeit der Karten
3.1.3 Metafiktive Reflexionen zum Inhalt des „Castellos“
3.1.3.1 Die Dekonstruktion des Protagonisten als selbstbestimmtes Subjekt
3.2 DIE EINBEZIEHUNG DES LESERS
3.2.1 Mögliche Ebenen des Leser-Erzähler-Autor-Verhältnisses im „Castello“
3.2.2 Der aktiver Leser – Vorläufer des digitalen Hypertext
3.3 INTERTEXTUALITÄT IM „CASTELLO“
3.4 DAS SPIELERISCHE IM „CASTELLO“
3.5 DOPPELKODIERUNGEN IM „CASTELLO“
4 FAZIT
Die Arbeit untersucht das "postmoderne Potenzial" von Italo Calvinos Werk „Il castello dei destini incrociati“ anhand prototypischer literarischer Merkmale, um zu ergründen, wie Calvino traditionelle Erzählstrukturen durch kombinatorische Verfahren und Metafiktion aufbricht.
3. Metafiktion
Metafiktion bezeichnet die Autoreferentialität eines Textes in Bezug auf seine literarische Beschaffenheit, ohne seine eigene Künstlichkeit, Konstruiertheit oder Fiktionalität zu verstecken. Stattdessen wird deren Verneinung als Illusion entlarvt und Fiktionalität ästhetisch thematisiert. So wird in Calvinos späterem Werk „Se una notte d’inverno un viaggiatore“ der Leser direkt als solcher angesprochen oder es offenbart sich der Erzähler als eigentlicher Autor, um festzustellen, dass das Gelesene nichts weiter als Imagination ist, wie in John Fowles „The French Lieutenant's Woman“. Die Kritikerin Patricia Waugh bezeichnet Metafiktion als Aufdecken der illusorischen Wirklichkeit in der Literatur:
„Metafiction has been defined as a fictional writing which self-consciously and systematically draws attention to its status as an artefact.[...] Metafictional novels tend to be constructed on the principle of an fundamental and sustained opposition: the construction of a fictional illusion (...) and the laying bare of that illusion“
1 EINLEITUNG: Einführung in die postmoderne Epoche sowie Definition der zentralen Merkmale des postmodernen Romans als theoretisches Fundament der Arbeit.
2 VORGESCHICHTE UND GENESE DES „CASTELLO DEI DESTINI INCROCIATI“: Analyse der Entstehungsgeschichte des Werkes unter Berücksichtigung von Calvinos kombinatorischer Arbeitsweise und der Bedeutung des Tarot-Systems.
3 PROTOTYPISCHE MERKMALE DES POSTMODERNEN ROMANS IM „CASTELLO DEI DESTINI INCROCIATI“: Detaillierte Untersuchung spezifischer postmoderner Techniken im Werk, insbesondere Metafiktion, intertextuelle Bezüge und das spielerische Prinzip.
4 FAZIT: Zusammenfassende Bewertung des Romans als prototypisches Beispiel für postmoderne Literatur und als Vorläufer digitaler Hypertext-Strukturen.
Postmoderne, Italo Calvino, Il castello dei destini incrociati, Metafiktion, Tarot, kombinatorische Literatur, Intertextualität, Hypertext, Leser-Autor-Verhältnis, Literaturtheorie, Erzählstruktur, Fiktionalität, Dekonstruktion, Sprachlosigkeit, Doppelkodierung.
Die Arbeit analysiert Italo Calvinos Werk „Il castello dei destini incrociati“ unter dem Aspekt der Postmoderne und untersucht, inwieweit das Buch typische Merkmale dieser Epoche aufweist.
Zentrale Themen sind die Rolle des Erzählers, die spielerische Verwendung von Tarotkarten als strukturelles Element, die metafiktionale Gestaltung sowie die Intertextualität.
Das Ziel ist der Nachweis, dass das Werk als prototypisches Beispiel postmodernen Schreibens gelten kann, das traditionelle Erzählmodelle durch komplexe, nicht-lineare Verfahren ersetzt.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die sich auf die Konzepte von Postmoderne-Theoretikern wie Lyotard, Barth, Eco und Waugh stützt, um Calvinos Roman theoretisch einzuordnen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Genese des Werkes durch die Tarot-Kombinatorik sowie die detaillierte Untersuchung metafiktionaler Elemente, der Leser-Einbeziehung und intertextueller Verflechtungen.
Die Arbeit lässt sich am besten über Begriffe wie Metafiktion, kombinatorische Literatur, Intertextualität, Postmoderne und Erzählstruktur definieren.
Calvino nutzt eine Schichtung, bei der der reale Leser den Text liest, während ein textinterner Ich-Erzähler als eine Art Stellvertreter des Lesers fungiert, der die Karten für die anderen stummen Figuren interpretiert.
Das Tarot dient Calvino als "kombinatorische Erzählmaschine", bei der die zufällige oder gezielte Anordnung der Karten die Handlungsstränge determiniert und den Roman in ein kreuzworträtselartiges Muster zwingt.
Da die Figuren im Schloss nicht sprechen können, wird das Erzählen auf eine rein visuelle und pantomimische Ebene reduziert, wodurch der Prozess der Bedeutungsgewinnung aus Bildern (den Karten) anstatt aus geschriebenen Worten ins Zentrum rückt.
Aufgrund der nicht-linearen, kombinatorischen Struktur und der aktiven Einbeziehung des Lesers, der den Fortgang der Geschichte mitbestimmt, weist der Roman Ähnlichkeiten mit der interaktiven Natur digitaler Hypertexte auf.
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