Bachelorarbeit, 2017
79 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung – Gegenstand, Ziel und Aufbau
2. Definition: Verhaltensorientiertes Controlling
3. Generelle Anforderungen an Controller aus Theorie und Praxis
4. Rationalität und Menschenbilder: Theoretische Grundlagen
4.1 Der Homo Oeconomicus und die ökonomische Rationalität
4.2 Die Prinzipal-Agent-Theorie
4.3 Der Homo Organisans und die begrenzte Rationalität
5. Entscheidungsphänomene: Heuristiken und Biases
5.1 Motivationale Effekte
5.1.1 Sunk Cost Fallacy
5.1.2 Überoptimismus
5.1.3 Verlustaversion
5.2 Kognitive Effekte
5.2.1 Ankereffekt/Anchoring Effect
5.2.2 Rahmeneffekt/Framing Effect
5.2.3 Isolierte Entscheidungen
5.3 Verhaltensbezogene Effekte
5.3.1 Mentale Kontenführung/Mental Accounting
5.3.2 Information Overload
5.3.3 Verfügbarkeitsheuristik
6. Praxisbeispiele
6.1 Investitionsentscheidungen
6.2 Planung und Budgetierung
6.3 Steuerung mit Kennzahlen
7. Entwicklungstendenzen hinsichtlich der Kompetenzanforderungen an Controller
8. Schlusswort – Zusammenfassung und Ausblick
Die Arbeit verfolgt das Ziel, Aufmerksamkeit für die negativen Auswirkungen von Entscheidungsphänomenen im Controlling zu schaffen und durch die Aufdeckung psychologischer Verzerrungen (Heuristiken und Biases) die Kompetenzen von Controllern weiterzuentwickeln, um eine rationalere Unternehmenssteuerung zu ermöglichen.
5.1.2 Überoptimismus
Sharot definiert Überoptimismus als Differenz der Erwartungen einer Person und dem, was letztendlich wirklich eintritt. Das Entstehen dieser Differenz kann verschiedene Gründe haben. Zum einen könnte eine Art von Kontrollillusion ausschlaggebend sein, bei der der Entscheider der Annahme verfällt, dass er das Eintreffen unsicherer Ereignisse beeinflussen und kontrollieren kann und somit die Risikoerwartungen zu gering einschätzt. Ein weiterer Ansatz ist die häufige Überheblichkeit der Entscheider. Sie überschätzen ihre Fähigkeiten, Leistungen oder ihr Wissen, und treffen risikoreiche Entscheidungen unter der Prämisse, dass sie aufgrund des geglaubten Fähigkeits-, Leistungs- oder Wissensvorsprungs einen Vorteil gegenüber z.B. der Konkurrenz haben. Auch die Vorgeschichte eines Projekts kann Überoptimismus fördern. Thaler und Johnson vertreten die Meinung, dass alle Entscheidungen durch vorherige Ereignisse beeinflusst werden. Ein erfolgreiches Projekt in der Vergangenheit führt zu optimistischeren und risikoreicheren Einschätzungen für Projekte in der Zukunft. Diese Erkenntnisse lassen den Schluss zu, dass Entscheider mit einer positiven Vorgeschichte unvernünftiger und unvorsichtiger werden und in dem Sinne wiederum rationalen Begrenzungen unterliegen.
Das positive Gefühl durch den Erfolg in der Vergangenheit lässt den zukünftigen Erfolg zu einer emotional behafteten Aufgabe werden. Wichtig erscheint in diesem Zusammenhang auch die Betrachtung der Innen- und Außenperspektive: Kahnemann und Lovallo stellen fest, dass insbesondere bei Forecasts und Planungen überoptimistische Entscheidungen getroffen werden. Die Entscheider berücksichtigen weniger ihr bestehendes Wissen über vergangene Verläufe von Projekten oder ignorieren dies sogar. Es werden keine Referenzprojekte hinzugezogen, um ein aktuelles vergleichbar zu machen, was bedeutet, dass die Außenperspektive bei Entscheidungen stark vernachlässigt wird. Relevant erscheint nur das akute Entscheidungsproblem, und aus dieser Situation heraus werden mögliche Entwicklungen im Bereich Umwelt und Wirtschaft abgeleitet, ohne Erfahrungswerte und wissentliche Tatsachen miteinzubeziehen.
1. Einleitung – Gegenstand, Ziel und Aufbau: Hier wird der Forschungsgegenstand des verhaltensorientierten Controllings eingeführt und das Ziel definiert, die Kompetenzen von Controllern angesichts menschlicher Entscheidungsfehler zu erweitern.
2. Definition: Verhaltensorientiertes Controlling: Dieses Kapitel verankert das verhaltensorientierte Controlling als Forschungsansatz, der verhaltenswissenschaftliche Aspekte in ökonomische Theorien integriert.
3. Generelle Anforderungen an Controller aus Theorie und Praxis: Durch die Auswertung aktueller Stellenausschreibungen und theoretischer Modelle des ICV wird das Anforderungsprofil an moderne Controller analysiert.
4. Rationalität und Menschenbilder: Theoretische Grundlagen: Hier erfolgt eine kritische Auseinandersetzung mit dem Modell des Homo Oeconomicus und die Einführung alternativer Menschenbilder wie dem des Homo Organisans mit begrenzter Rationalität.
5. Entscheidungsphänomene: Heuristiken und Biases: Dieser zentrale Abschnitt systematisiert motivationale, kognitive und verhaltensbezogene Effekte, die zu bewussten und unbewussten Fehlentscheidungen führen.
6. Praxisbeispiele: Die theoretischen Erkenntnisse werden auf die Bereiche Investitionsentscheidungen, Budgetierung sowie die Steuerung mittels Kennzahlen übertragen und praxisnahe Lösungsansätze aufgezeigt.
7. Entwicklungstendenzen hinsichtlich der Kompetenzanforderungen an Controller: Die Rolle des Controllers als Business Partner wird beleuchtet, wobei kognitive Diversität und kontinuierliche Weiterbildung als wesentliche Erfolgsfaktoren für die Zukunft identifiziert werden.
8. Schlusswort – Zusammenfassung und Ausblick: Abschließend werden die Ergebnisse resümiert und die Notwendigkeit einer offenen Unternehmenskultur für eine rationalere Entscheidungspraxis betont.
Verhaltensorientiertes Controlling, Behavioral Controlling, Entscheidungsphänomene, Heuristiken, Biases, Homo Oeconomicus, begrenzte Rationalität, Sunk Cost Fallacy, Verlustaversion, Information Overload, Controller-Anforderungen, Business Partnering, Budgetierung, Investitionsentscheidungen, Rationalitätssicherung.
Die Arbeit behandelt das junge Forschungsfeld des verhaltensorientierten Controllings und untersucht, wie psychologische Faktoren und kognitive Verzerrungen die Entscheidungen von Managern und Controllern in der Praxis beeinflussen.
Die zentralen Felder umfassen die theoretischen Grundlagen der Rationalität, die Identifikation von Entscheidungsanomalien (Heuristiken und Biases) sowie die Ableitung von Kompetenzanforderungen für moderne Controller.
Ziel ist es, Sensibilität für die negativen Auswirkungen von Entscheidungsphänomenen zu schaffen und Strategien aufzuzeigen, wie Controller ihre Kompetenzen weiterentwickeln können, um Fehlentscheidungen im Unternehmen präventiv zu vermeiden.
Neben der Auswertung führender Literatur (u.a. Prospect Theory, Bounded Rationality) wurde eine empirische Analyse von 20 aktuellen Stellenausschreibungen durchgeführt, um die in der Praxis geforderten Kompetenzen von Controllern zu ermitteln.
Der Hauptteil analysiert spezifische motivationale, kognitive und verhaltensbezogene Effekte und überträgt diese auf konkrete Handlungsbereiche des Controllings, insbesondere bei Investitionsentscheidungen, Budgetierung und Kennzahlensteuerung.
Die wichtigsten Begriffe sind verhaltensorientiertes Controlling, Entscheidungsphänomene, Heuristiken, Biases, begrenzte Rationalität, Sunk Cost Fallacy, Verlustaversion, Information Overload und Business Partnering.
Die Arbeit argumentiert, dass das Modell des rein rationalen, nutzenmaximierenden Akteurs die Realität menschlichen Verhaltens nicht abbildet. Das Ignorieren dieser menschlichen Irrationalität führt zu falschen Erwartungen an Entscheidungsabläufe.
Der Controller sollte nicht nur als „Zahlenlieferant“ fungieren, sondern als Business Partner durch kritisches Hinterfragen, neutrale Datenaufbereitung und die Förderung einer fehlertoleranten Unternehmenskultur (z. B. durch Techniken wie die Pre-Mortem-Analyse) Fehlentscheidungen aktiv entgegenwirken.
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