Bachelorarbeit, 2016
86 Seiten, Note: 1,4
1 Einleitung
2 Definition der Schlüsselbegriffe
2.1 Jugendliche mit Migrationshintergrund
2.2 Zugehörigkeit im Kontext von Migration
2.3 Alltagsrassismus
2.4 Lebensbewältigung
3 Das Phänomen der Migration
3.1 Deutschland als Migrationsgesellschaft – ein Rückblick
3.2 Migration als Differenzlinie
3.3 Migration und soziale Benachteiligung
3.4 Zusammenfassung
4 Lebenssituation von Jugendlichen mit Migrationshintergrund
4.1 Die Herausforderung der Identitätsfindung im Jugendalter
4.2 (Nicht-)Zugehörigkeit und Zugehörigkeitsmanagement
4.3 Alltägliche Rassismuserfahrungen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund
4.3.1 Facetten von Alltagsrassismus
4.3.2 Folgen von Alltagsrassismus
4.4 Zusammenfassung
5 Einfluss von Alltagsrassismus auf Lebensbewältigung und Zugehörigkeitsmanagement
5.1 Exkurs: Die Kapitaltheorie nach Bourdieu
5.2 Lebensbewältigung und Migration
5.3 Herausforderungen der Zugehörigkeitsbewältigung
5.4 Zusammenfassung
6 Unterstützungsmöglichkeiten der Sozialen Arbeit in Bezug auf die Bewältigung alltäglicher Rassismuserfahrungen junger Migrantinnen und Migranten
6.1 Unterstützung des Individuums
6.2 Wissen und Haltung der Sozialarbeitenden
6.2.1 Lebensweltorientierung
6.2.2 Interkulturelle Kompetenz
6.2.3 Diversität
6.2.4 Intersektionalität
6.2.5 Handlungsempfehlungen für Sozialarbeitende
6.3 Unterstützung auf institutioneller Ebene
6.4 Zusammenfassung
7 Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Zugehörigkeitsmanagement von Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die im Alltag mit Rassismuserfahrungen konfrontiert sind, und analysiert Möglichkeiten der Sozialen Arbeit, diese Jugendlichen bei der Bewältigung dieser prekären Lebenssituation zu unterstützen.
4.3.1 Facetten von Alltagsrassismus
Jugendliche mit Migrationshintergrund werden in unterschiedlichen Formen und Situationen mit alltäglichen Rassismuserfahrungen konfrontiert. Diese Erfahrungen beeinflussen die Jugendlichen in ihrer Lebenssituation, was zur Folge hat, dass sie ihre Denk- und Handlungsmuster mehr oder minder unbewusst daran ausrichten. Besonders Jugendliche mit Migrationshintergrund, die bereits in Deutschland geboren wurden, sind zahlreichen rassistischen Anspielungen seitens der Mehrheitsgesellschaft ausgesetzt, da sie ständig mit ihrer Andersartigkeit konfrontiert werden. Diese Erfahrungen können in unterschiedliche Muster eingeordnet werden, die nun dargestellt werden.
Salienz beschreibt im Allgemeinen das Hervorheben von bestimmten Eigenschaften. Im Kontext von Menschen mit Migrationshintergrund sind Salienzerfahrungen jene Erfahrungen, die Migrantinnen, Migranten aufgrund ihrer sichtbaren Besonderheiten von dem Gewohnten abhebt. Sie bieten das Fundament, aufgrund sichtbarer Auffälligkeiten aufzufallen, angesehen oder angesprochen zu werden und darüber hinaus als anders kategorisiert zu werden. Somit rückt die angenommene nicht-deutsche Herkunft als Bewegungskategorie in den Vordergrund und aktiviert eine Sammlung unreflektierter Annahmen, vorgefasster Erklärungsmuster und Vorstellungen über Einstellungsmuster solcher Menschen. Als Folge machen Menschen mit Migrationshintergrund Salienzerfahrungen. Sie bekommen das Gefühl vermittelt, sich von der Mehrheit der Gesellschaft zu unterscheiden und nicht selbstverständlich dazuzugehören.
Dies wird besonders in alltäglichen Situationen sichtbar, wo die gestellten Fragen sich meist auf mit der Herkunft verbundene Themen beziehen und dabei oft genaue Erklärungsaufforderungen durchklingen. Auslöser dieser herkunftsbezogenen Fragen können u.a. ein nicht standartdeutsches Aussehen, der andersartig klingende Name oder eine etwas anders gefärbte Sprache sein. Migrantinnen, Migranten kommen durch die vorurteilsbehafteten Fragen immer wieder in die Rolle, ihre Andersartigkeit rechtfertigen und verteidigen zu müssen, obwohl sie in Deutschland geboren und somit prinzipiell gleichgestellt sind. Bei Mitgliedern der Mehrheitsgesellschaft löst dies jedoch Unverständnis aus, da es sich aus ihrer Sicht zu widersprechen scheint, dass auch anders Aussehende legitime Mitglieder der Mehrheitsgesellschaft sein könnten.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema des Alltagsrassismus und die prekäre Zugehörigkeitssituation junger Migrantinnen und Migranten in Deutschland ein und umreißt das Erkenntnisinteresse sowie den Aufbau der Arbeit.
2 Definition der Schlüsselbegriffe: In diesem Kapitel werden zentrale Termini wie Jugendliche mit Migrationshintergrund, Zugehörigkeit im Kontext von Migration, Alltagsrassismus und Lebensbewältigung wissenschaftlich definiert und in den thematischen Rahmen gesetzt.
3 Das Phänomen der Migration: Dieser Abschnitt bietet einen Rückblick auf die deutsche Migrationsgeschichte, analysiert Migration als gesellschaftliche Differenzlinie und beleuchtet den Zusammenhang zwischen Migration und sozialer Benachteiligung.
4 Lebenssituation von Jugendlichen mit Migrationshintergrund: Hier wird die komplexe Identitätsfindung in der Jugendphase unter dem Einfluss von (Nicht-)Zugehörigkeit und alltäglichen Rassismuserfahrungen detailliert erörtert.
5 Einfluss von Alltagsrassismus auf Lebensbewältigung und Zugehörigkeitsmanagement: Anhand der Kapitaltheorie nach Bourdieu wird analysiert, wie Rassismus auf die Ressourcen und Anerkennungschancen der Jugendlichen wirkt und welche Bewältigungsmuster daraus resultieren.
6 Unterstützungsmöglichkeiten der Sozialen Arbeit in Bezug auf die Bewältigung alltäglicher Rassismuserfahrungen junger Migrantinnen und Migranten: Dieses Kapitel arbeitet spezifische Interventionsmöglichkeiten und Schlüsselkompetenzen für Sozialarbeitende auf, um Jugendliche auf individueller und institutioneller Ebene zu unterstützen.
7 Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Ergebnisse zusammen und formuliert Handlungsempfehlungen für eine diskriminierungssensible Soziale Arbeit.
Alltagsrassismus, Zugehörigkeitsmanagement, Jugendliche mit Migrationshintergrund, Soziale Arbeit, Identitätsfindung, Migration, Diskriminierung, Prekäre Zugehörigkeit, Lebensbewältigung, Interkulturelle Kompetenz, Bourdieu, Ressourcenarbeit, Anti-Bias-Ansatz.
Die Arbeit behandelt die Lebensrealität von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Deutschland, insbesondere den Einfluss alltäglicher Rassismuserfahrungen auf deren Zugehörigkeitsgefühl und Identitätsentwicklung.
Die zentralen Felder umfassen Alltagsrassismus, das Zugehörigkeitsmanagement von Migranten, die Identitätsfindung im Jugendalter sowie Strategien der Sozialen Arbeit zur Unterstützung dieser Zielgruppe.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Jugendliche mit rassistischer Diskriminierung umgehen, welche Belastungen dies erzeugt und wie die Soziale Arbeit durch professionelle Ansätze zur Bewältigung beitragen kann.
Die Autorin stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse und arbeitet mit theoretischen Modellen, darunter die Kapitaltheorie nach Pierre Bourdieu, das Konzept des Zugehörigkeitsmanagements nach Mecheril und den Anti-Bias-Ansatz.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Verortung von Migration und Rassismus, die Analyse der Lebenssituation jugendlicher Migranten sowie die Ableitung von Unterstützungsmöglichkeiten für sozialpädagogische Fachkräfte.
Wichtige Schlagworte sind Alltagsrassismus, Zugehörigkeitsmanagement, Prekäre Zugehörigkeit, Identitätsdiffusion, Ressourcenarbeit, Intersektionalität und Lebensweltorientierung.
Die Arbeit differenziert präzise zwischen individueller, institutioneller, struktureller und diskursiver Diskriminierung, um die vielschichtigen Barrieren aufzuzeigen, denen Jugendliche im Alltag begegnen.
Es beschreibt die aktiven Strategien, mit denen Menschen mit Migrationshintergrund ihre Zugehörigkeit in einer Gesellschaft aushandeln, in der ihnen diese aufgrund ihrer Herkunft oder Merkmale permanent in Frage gestellt wird.
Der Ansatz wird als präventive Strategie in Schulen und der Jugendarbeit empfohlen, um durch Sensibilisierung für gesellschaftliche Machtverhältnisse und Vorurteile aktiv gegen Rassismus vorzugehen.
Die Autorin schlussfolgert, dass Soziale Arbeit nicht nur intervenieren, sondern vermehrt präventiv tätig werden muss, indem sie Jugendliche als Individuen stärkt und die Fachkräfte durch rassismuskritische Bildung schult.
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