Bachelorarbeit, 2017
96 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
1 Theoretische Grundlagen
1.1 Aspekte von interkultureller Kompetenz
1.1.1 Definition der Grundbegriffe
1.1.1.1 Kultur
1.1.1.2 Interkulturelle Kompetenz
1.1.1.3 Interkulturelle Kommunikation
1.1.2 Interkulturelles Handeln
1.1.2.1 Kulturbedingtheit des Wahrnehmens und Handelns
1.1.2.2 Eigenkulturelles und fremdkulturelles Verständnis
1.1.2.3 Interkulturelle Handlungskompetenz
1.1.2.4 Kulturelle Differenzen im internationalen Geschäftsumfeld
1.1.2.5 Interkulturelle Trainings und Coachings
1.2 Messen – ein kommunikationspolitisch gefragtes Mittel
1.2.1 Arten und Interessengruppen
1.2.2 Messebeteiligungsziele und Erfolgsfaktoren
1.3 Delegationsreisen – eine wenig beforschte Praxis
1.3.1 Arten und Interessengruppen
1.3.2 Ziele von Delegationsreisen
2 Angewandte methodische Vorgehensweise
2.1 Forschungsfragen und Hypothesen
2.2 Leitfadengestütztes Experteninterview
2.2.1 Auswahl der Interviewpartner
2.2.2 Aufbau und Inhalt
2.2.3 Planung und Durchführung
2.3 Qualitative Analyse als Untersuchungsmethode
3 Auswertung der Forschungsergebnisse
3.1 Praktische Erfahrung der Experten
3.2 Notwendigkeit interkultureller Kompetenz
3.2.1 Begriffsdefinition und universelle Notwendigkeit
3.2.2 Kategoriengebundene Auswertung für Messen
3.2.3 Kategoriengebundene Auswertung für Delegationsreisen
4 Ergebnis und Handlungsempfehlungen
4.1 Erkenntnisgewinn und hypothesengestützte Ergebnisdiskussion
4.2 Kritische Betrachtung der Experteneinschätzungen
4.3 Konkrete Handlungsempfehlungen für Unternehmen
4.3.1 Handlungsempfehlungen für Messen
4.3.2 Handlungsempfehlungen für Delegationsreisen
4.4 Reflexion der Methodenauswahl
5 Fazit
Das primäre Ziel der Arbeit besteht darin, die Notwendigkeit interkultureller Kompetenz als Qualifikationsmerkmal für verschiedene Akteure bei Messen und Delegationsreisen kritisch zu beleuchten und daraus konkrete Handlungsempfehlungen für Unternehmen abzuleiten. Hierbei soll insbesondere untersucht werden, inwieweit eine interkulturelle Vorbereitung in der Praxis erfolgt und welche Bedeutung Experten dieser Fähigkeit für den Erfolg solcher Geschäftsaktivitäten beimessen.
1.1.2.1 Kulturbedingtheit des Wahrnehmens und Handelns
Inwiefern wird menschliches Wahrnehmen und Handeln durch unsere kulturelle Prägung beeinflusst? Während kulturelle Werte (z. B. Individualismus, Gleichheit) dem eigenen Bewusstsein zugänglich gemacht werden können, geht man davon aus, dass kulturelle Grundannahmen (z. B. Raum- und Zeitkonzept) unbewusst sind und nicht reflektiert werden (vgl. Stahl 1998: 38). Beim Verhalten spielt Kultur eine essenzielle Rolle, da sie dem Individuum die Mühe eines Entschlusses abnimmt und sozial gelernt ist (vgl. Hansen 2003: 123). Wahrnehmung ist erfahrungsabhängig und erfolgt auf Grundlage bestimmter Wissensvorräte eines Menschen, was in einer individuellen Realitätskonstruktion gipfelt (vgl. Bolten 2007a: 115). Dies kann zu Stereotypisierung bzw. der Bildung von Vorurteilen führen, wenn immer dieselben Erfahrungen in einem eingeschränkten Umfeld gemacht werden und Neues oder Unbekanntes folglich als falsch deklariert wird. Je vielfältiger die Erfahrungen einer Person, umso flexibler sind deren Handlungsschemata (vgl. Bolten 2007b: 35). Daher kann Bolten (2007a: 119) zufolge Schemaflexibilität als Bedingung interkultureller Kompetenz angesehen werden.
Auernheimer (2008: 58) erkennt: „Um Irritationen durch differente Kulturmuster gewachsen zu sein, ist primär ein Bewusstsein der eigenen Kulturgebundenheit notwendig.“ Denn Missverständnisse im interkulturellen Kontext resultieren häufig daraus, dass man sich der eigenen Kulturgebundenheit und der Wahrnehmung des fremdkulturellen Partners nicht ausreichend bewusst ist (vgl. Bolten 2007b: 29). Als Beispiel lässt sich anführen, dass ein Mitarbeiter, der geringfügig interkulturell kompetent ist, Schwierigkeiten haben könnte, eine Geschäftsbeziehung mit einem fremdkulturellen Partner erfolgreich aufzubauen. Wenn derjenige sich beispielsweise nicht über die Relevanz der Beziehungsebene bewusst ist, welche einen wesentlich höheren Stellenwert einnehmen kann als in seiner eigenen Kultur, erscheint ein Geschäftsabschluss auf Sachebene, wie er es bisher gewohnt ist, fast unmöglich. Dies mag ihm jedoch aufgrund seiner kulturellen Prägung und seines Verhaltens, die von der des fremdkulturellen Partners abweichen, nicht plausibel erscheinen. Bolten (2007b: 46) zufolge sollte daher das Ziel sein, „uneindeutige Sachverhalte in Frage zu stellen und auf diese Weise, [sic!] nach befriedigenden und in dem entsprechenden Kontext plausiblen Problemlösungen zu suchen“.
1 Theoretische Grundlagen: Aufarbeitung der zentralen Begriffe wie Kultur, interkulturelle Kompetenz und Kommunikation sowie die Einordnung von Messen und Delegationsreisen als geschäftliche Instrumente.
2 Angewandte methodische Vorgehensweise: Darstellung der Forschungsfrage, der Hypothesen sowie der methodischen Konzeption der Experteninterviews und der qualitativen Auswertung.
3 Auswertung der Forschungsergebnisse: Kategoriengebundene Analyse der Expertenmeinungen hinsichtlich praktischer Erfahrungen, Erfolgsfaktoren und der Notwendigkeit interkultureller Kompetenz.
4 Ergebnis und Handlungsempfehlungen: Kritische Diskussion der Ergebnisse, Überprüfung der Hypothesen sowie Formulierung praxisorientierter Empfehlungen für Unternehmen.
5 Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und Ausblick auf zukünftigen Forschungsbedarf.
Interkulturelle Kompetenz, Messen, Delegationsreisen, Qualitative Inhaltsanalyse, Experteninterview, Außenwirtschaftsförderung, Handlungskompetenz, Interkulturelles Training, Geschäftsbeziehungen, Kritische Vorfälle (Critical Incidents), Internationalisierung, Unternehmenskultur, Wissenscluster, Markterschließung, Personalqualifizierung.
Die Arbeit untersucht die Bedeutung von interkultureller Kompetenz als Qualifikationsmerkmal für Fachkräfte, die auf internationalen Messen oder bei Delegationsreisen tätig sind, und wie Unternehmen diese Kompetenz fördern können.
Der Fokus liegt auf der theoretischen Definition interkultureller Kompetenz, der praktischen Relevanz in internationalen Geschäftssituationen sowie der kritischen Analyse von Fördermaßnahmen wie Trainings und Coachings.
Die zentrale Frage ist, welche Rolle interkulturelle Kompetenz für Akteure auf Messen und Delegationsreisen spielt und wie notwendig diese als Qualifikationsmerkmal aus Sicht von Experten zu bewerten ist.
Es wurde ein qualitatives Forschungsdesign in Anlehnung an die Inhaltsanalyse nach Philipp Mayring gewählt, bei dem leitfadengestützte Experteninterviews mit vier Branchenexperten durchgeführt wurden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in kulturelle Konzepte, eine methodische Darlegung der Expertenbefragung sowie eine detaillierte, kategorienbasierte Auswertung der Experteninterviews.
Zu den prägenden Begriffen zählen interkulturelle Handlungskompetenz, Critical Incidents, Außenwirtschaftsförderung, Messestand, Delegationsreise, Cultural Awareness und interkulturelle Trainings.
Experten bestätigen, dass missverständliche Situationen durch mangelndes interkulturelles Verständnis häufig vorkommen und das Potenzial haben, Geschäftserfolge zu gefährden oder Termine scheitern zu lassen.
Die Experten befürworten interkulturelle Trainings als geeignetes Instrument zur Vorbereitung, weisen jedoch darauf hin, dass deren Nutzung stark vom Budget und der strategischen Priorisierung der jeweiligen Unternehmen abhängt.
Die befragten Experten heben hervor, dass in vielen Zielmärkten, wie etwa im arabischen Raum, ein persönliches Vertrauensverhältnis die Grundvoraussetzung für erfolgreiche, langfristige Geschäfte darstellt, die über reine Sachargumente hinausgeht.
AHKs fungieren als zentrale Ansprechpartner und Unterstützer vor Ort, die Unternehmen dabei helfen, länderspezifische kulturelle Hürden zu verstehen und Kontakte zu lokalen Akteuren aufzubauen.
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