Bachelorarbeit, 2017
37 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 „Marina Abramović - The Artist Is Present“
3 Die anvisierte Wirkung im europäischen Kontext
4 Wirksamkeit als Konsequenz in der daoistisch geprägten Philosophie
4.1 Das Prozessdenken als zentrales Merkmal
4.1.1 Die Prozesshaftigkeit in „The Artist Is Present“
4.2 wu wei: nichts tun und nichts wird nicht getan
4.2.1 Elemente des wu-wei-Prinzips in Marina Abramovićs „The Artist Is Present“
4.3 Das Potential der Leere
4.3.1 Die Funktion der Leere bei Marina Abramović
5 Schlussbetrachtung und Ausblick
Die Arbeit untersucht, inwiefern das Schweigen und Nichttun in Marina Abramovićs Performance „The Artist Is Present“ performativ wirksam wird, indem sie diese Praxis mit daoistischen Handlungskonzeptionen sowie westlichen Vorstellungen von Theorie und Praxis in einen analytischen Dialog setzt.
4.1.1 Die Prozesshaftigkeit in „The Artist Is Present“
Auch im MoMA werden im Rahmen der Performance narrative Strukturen aufgebrochen, wenn Marina Abramović bereits vor und bis nach Öffnungszeiten des MoMAs nahezu unverändert auf dem Stuhl sitzt und schweigt. Für die Besucherinnen und Besucher ist so weder ein Anfangs- noch ein Endpunkt der Performance auszumachen. Auch für die jeweilige Person, die sich Abramović gegenüber setzt, kann nicht im eigentlichen Sinne von einem Anfang oder Ende die Rede sein. Zwar ist es möglich den Zeitpunkt zu bestimmen, zu dem der- oder diejenige auf dem Stuhl Platz nimmt und diesen wieder verlässt. Dadurch, dass Abramović selbst allerdings bereits anwesend ist, wenn er oder sie sich hinsetzt und dies weiterhin der Fall ist, nachdem das Gegenüber wieder aufgestanden ist, wird dieses vielmehr eine Zeit lang Teil von etwas, was vorher bereits da war und auch hinterher weiter anhält. Dies verdeutlicht auf anschauliche Weise den fortlaufenden Wandlungsprozess, bei dem fließend Elemente ineinandergreifen und sich von innen heraus erneuern, anstatt auf ein Ziel hinzuarbeiten und zu geplantem Zeitpunkt eine geplante Handlung durchzuführen.
Wenngleich sich argumentieren ließe, dass der gesamten Performance gewiss eine akkurate Planung vorangegangen ist und somit ein Modell konstruiert und anschließend ins Reale umgesetzt wurde, was der westlich geprägten Sichtweise von Theorie auf der einen und Praxis auf der anderen Seite entspräche, trifft dies bei genauerem Hinsehen nur bedingt zu. Zwar ist es wohl so, dass „The Artist Is Present“ ursprünglich eine Idee zugrunde liegt, die geplant und umgesetzt wird und dass gewisse Rahmenbedingungen bestehen, wie die Vorgabe nicht mit Abramović zu sprechen. Allerdings reicht ein zielgerichtetes Planen nur bis zum 14. März, als sich Marina Abramović zum ersten Mal auf den Stuhl im MoMA setzt und die Performance beginnt. Ab diesem Zeitpunkt wird kein konkretes Ziel mehr verfolgt, sondern es wird dem Geschehen seinen Lauf gelassen.
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik des Nichttuns als performative Praxis ein und stellt die Performance „The Artist Is Present“ als zentrales Fallbeispiel vor.
2 „Marina Abramović - The Artist Is Present“: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Hintergründe der Performance und ordnet sie in das Gesamtwerk der Künstlerin ein.
3 Die anvisierte Wirkung im europäischen Kontext: Hier wird das westliche, oft von einer Trennung zwischen Theorie und Praxis geprägte Handlungsverständnis kritisch reflektiert.
4 Wirksamkeit als Konsequenz in der daoistisch geprägten Philosophie: Dieses Hauptkapitel entwickelt anhand daoistischer Konzepte wie Prozessdenken, wu wei und der Leere einen alternativen theoretischen Rahmen für die Wirksamkeit performativer Akte.
4.1 Das Prozessdenken als zentrales Merkmal: Untersuchung der zeitlichen und strukturellen Dynamik des Handelns aus daoistischer Perspektive.
4.1.1 Die Prozesshaftigkeit in „The Artist Is Present“: Anwendung des Prozessbegriffs auf die konkrete Begegnungssituation im MoMA.
4.2 wu wei: nichts tun und nichts wird nicht getan: Erläuterung des daoistischen Konzepts des mühelosen Handelns jenseits bloßer Passivität.
4.2.1 Elemente des wu-wei-Prinzips in Marina Abramovićs „The Artist Is Present“: Analyse, wie Abramović durch das Schaffen von Bedingungen eine indirekte Wirksamkeit erzeugt.
4.3 Das Potential der Leere: Diskussion der ontologischen und funktionalen Bedeutung der Leere in der chinesischen Philosophie.
4.3.1 Die Funktion der Leere bei Marina Abramović: Reflexion über die Rolle des Raums und der Abwesenheit von Aktion für die Transformation der Teilnehmenden.
5 Schlussbetrachtung und Ausblick: Zusammenfassung der Ergebnisse und Überlegungen zur zukünftigen Bedeutung des performativen Nichttuns.
Marina Abramović, The Artist Is Present, Performancekunst, wu wei, Daoismus, Wirksamkeit, Prozessdenken, Nichttun, Schweigen, Performativität, Potentialität, Leere, Handlungsstrategien, Präsenz, Transformation.
Die Arbeit untersucht die performative Wirksamkeit des Nichttuns und Schweigens, exemplarisch dargestellt am Werk „The Artist Is Present“ von Marina Abramović.
Die Arbeit verknüpft Performance-Theorie mit ostasiatischer Philosophie, insbesondere dem Daoismus, und setzt diese in Kontrast zu westlichen Modellen von Handlung und Wirksamkeit.
Die Forschungsfrage lautet, inwiefern Prinzipien des daoistischen Konzepts wu wei in Abramovićs Performance sichtbar werden und wie das scheinbare Nichttun performativ wirksam werden kann.
Die Arbeit stützt sich auf eine diskursive Analyse performativitätstheoretischer Ansätze und nutzt das philosophische Werk von François Jullien als theoretische Grundlage.
Der Hauptteil analysiert das Prozessdenken, das Prinzip des wu wei sowie die Bedeutung der Leere und wendet diese Konzepte detailliert auf die Struktur und Wirkung der Performance an.
Wichtige Begriffe sind insbesondere Performativität, Wirksamkeit, Prozessdenken, Leere und das daoistische wu-wei-Prinzip.
Während westliche Modelle oft von einer Trennung zwischen Theorie, Planung und Praxis ausgehen, betrachtet die daoistische Philosophie Handeln als Teil eines fortlaufenden, nicht-narrativen Transformationsprozesses.
Die Leere fungiert nicht als Nichts, sondern als notwendige Voraussetzung dafür, dass Wirksamkeit entstehen kann, indem sie Raum für Transformation und die eigene Wahrnehmung der Teilnehmenden bietet.
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