Masterarbeit, 2016
97 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
1.1 Forschungsinteresse
1.2 Forschungsdesign
1.3 Aufbau der Masterthesis
2 Der Mensch als „Objekt“ – im psychiatrischen System
2.1 Was ist die Psychiatrie
2.2 Geschichte der Psychiatrie
2.3 Behandlungsgrundlage und Therapieformen
2.3.1 Diagnostik und Krankheitsverständnis
2.3.2 Psychopharmakotherapie und Psychotherapie
2.4 Institutionelle Rahmenbedingungen
2.4.1 Aufgaben und rechtliche Rahmenbedingungen
2.4.2 Macht, Zwang und Gewalt
2.4.3 Exkurs: Ökonomische Einflüsse
3 Der Mensch als Subjekt – im personzentrierten Ansatz
3.1 Wurzeln des personzentrierten Ansatzes
3.2 Philosophische Grundlagen und Menschenbild
3.3 Persönlichkeitstheorie
3.4 Störungstheorie / Carl Rogers Verhältnis zur Diagnostik
3.5 Beratungs- und Therapietheorie
4 Subjektorientierung in der (Gemeinde-)Psychiatrie
4.1 Der Paradigmenwechsel
4.1.1 Anthropologische Psychiatrie
4.1.2 Die Antipsychiatrie
4.1.3 Die Psychiatriereform
4.1.4 Exkurs: Soteria
4.2 Die Gemeindepsychiatrie
4.2.1 Warum Gemeindepsychiatrie?
4.2.2 Der gemeindepsychiatrische Verbund
4.2.3 Subjektorientierte Behandlungsansätze
4.3 Das Herner Modell
4.3.1 Verzicht auf Aufnahmestationen und Offene Türen
4.3.2 Heterogenität
4.3.3 Das Atelier
4.3.4 Die Delegiert_innen/ Krisenassistent_innen
4.3.5 Das Jakobus Weg Projekt
5 Auswertung und kritische Reflexion
5.1 Auswertung
5.2 Kritische Reflexion der Ergebnisse
6 Fazit und Ausblick
Die Arbeit analysiert die Entwicklung der (Gemeinde-)Psychiatrie vor dem Hintergrund des personzentrierten Ansatzes. Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede sowie subjektorientierte Tendenzen in der psychiatrischen Versorgung am Beispiel der Stadt Herne zu identifizieren und zu reflektieren.
2.3.1 Diagnostik und Krankheitsverständnis
„Der diagnostische Blick, der Blick auf den Anderen, kann etwas Einengendes und Festlegendes haben, das den Anderen zum Objekt des Urteilens macht, ihn auf bestimmte Eigenschaften, auf ein bestimmtes „Sosein“ festnagelt und ihm dadurch die Freiheit raubt“ (Sartre 1953).
Den Begriff Diagnose gibt es etwa seit dem 18. Jahrhundert – er lässt sich mit „Unterscheidung“ übersetzen. Diagnosen dienen sowohl der Identifikation als auch der Zuordnung zu einer Krankheit und sollen die Auswahl eines bestimmten Therapieverfahrens erleichtern. Die „Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme“ (ICD) ist heute das wichtigste und weltweit anerkannte Diagnoseklassifikationssystem. Dieses System entstand bereits 1893 und gründete sich auf der damaligen Sterbeursachenstatistik. 1948 übernahm die Weltgesundheitsorganisation die Verantwortung über das Klassifikationssystem ICD, welches mittlerweile in der 10. Fassung (ICD 10) vorliegt. Dieses Klassifikationssystem basiert auf dem biomedizinischen Krankheitsmodell der traditionellen Psychiatrie (vgl. Pfleger 2013).
Bei der Diagnostik psychischer Störungen treten vor allem zwei Schwierigkeiten in den Vordergrund: Es besteht zum einen eine grundsätzliche Gefahr, mit den Mitteln der diagnostischen Systeme falsche Diagnosen zu stellen und zum anderen den Menschen hinter den Diagnosen nicht mehr unmittelbar wahrzunehmen: Diagnosen sind idealtypisch konstruiert und sagen letztlich wenig über die Ausprägung der Symptome und noch weniger über die Bedeutung der Störung für das Leben des Individuums aus. Klaus Dörner kommt zu dem Schluss, dass angesichts der Unzuverlässigkeit der psychiatrischen Diagnostik und der unzureichenden Beziehung zwischen Diagnostik und Therapie, die ganze psychiatrische Diagnostik nach dem Modell der Biomedizin in Frage zu stellen sei und dem eigenen Anspruch Ordnung und Handlungsanweisungen zu geben nicht gerecht werden könne (vgl. Dörner 1975, S. 140 ff.). Besonders die psychiatrische Diagnostik erscheint sehr fehleranfällig: „Wenn sie die Gelegenheit haben, dann finden Psychiater überall Krankheit“, so die Medizin-Journalistin Lynn Payer.
1 Einleitung: Skizzierung des Forschungsinteresses, des Forschungsdesigns und des Aufbaus der Masterthesis.
2 Der Mensch als „Objekt“ – im psychiatrischen System: Vorstellung der traditionellen, objektivierenden psychiatrischen Systeme und deren historische sowie institutionelle Rahmenbedingungen.
3 Der Mensch als Subjekt – im personzentrierten Ansatz: Detaillierte Darstellung des personzentrierten Ansatzes nach Carl Rogers als subjektorientierter Gegenentwurf.
4 Subjektorientierung in der (Gemeinde-)Psychiatrie: Untersuchung der historischen Paradigmenwechsel, der Gemeindepsychiatrie und der praktischen Umsetzung anhand des „Herner Modells“.
5 Auswertung und kritische Reflexion: Zusammenführung der Ergebnisse aus den vorherigen Kapiteln und kritische Diskussion der Subjektorientierung im psychiatrischen Alltag.
6 Fazit und Ausblick: Zusammenfassendes Fazit der Arbeit und Aufzeigen weiterführender Forschungsansätze.
Psychiatrie, Gemeindepsychiatrie, Personzentrierter Ansatz, Subjektorientierung, Objektorientierung, Carl Rogers, Herner Modell, Empowerment, Salutogenese, Lebensweltorientierung, Partizipation, Trialog, Diagnostik, Menschlichkeit, Psychiatriereform.
Die Masterthesis befasst sich mit dem Übergang von einer objektivierenden traditionellen Psychiatrie hin zu einer subjektorientierten Psychiatrie, unter besonderer Berücksichtigung des personzentrierten Ansatzes.
Zentrale Themen sind die Kritik an der traditionellen Psychiatrie, die theoretischen Konzepte des personzentrierten Ansatzes und deren Übertragung auf moderne gemeindepsychiatrische Versorgungsformen.
Die Forschungsfrage lautet, wie sich die Entwicklung der (Gemeinde-)Psychiatrie vor dem Hintergrund des personzentrierten Ansatzes darstellt und welche Gemeinsamkeiten oder Unterschiede sich identifizieren lassen.
Die Arbeit basiert primär auf einer umfangreichen Literaturanalyse, ergänzt durch die langjährige Berufserfahrung des Autors im Bereich der Gemeindepsychiatrie.
Der Hauptteil analysiert die traditionelle Psychiatrie, führt den personzentrierten Ansatz als Gegenpol ein und untersucht die gemeindepsychiatrischen Entwicklungen sowie das „Herner Modell“ auf ihre Subjektorientierung hin.
Wesentliche Begriffe sind Subjektorientierung, personzentrierter Ansatz, Gemeindepsychiatrie, Herner Modell, Empowerment und Partizipation.
Das Herner Modell dient als konkretes, praktisches Fallbeispiel für eine konsequent gemeindeintegrierte Psychiatrie, die versucht, personzentrierte Werte in einem klinischen Kontext umzusetzen.
Soteria wird als beispielhafter alternativer Behandlungsansatz angeführt, der zeigt, wie psychiatrische Krisen ohne Zwangsmaßnahmen und mit Fokus auf das subjektive Erleben begleitet werden können.
Der Autor sieht in ihm einen wertvollen „Kompass“, stellt jedoch kritisch fest, dass er in der Praxis und in der psychiatrischen Literatur bisher noch zu wenig explizit verankert ist.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

