Bachelorarbeit, 2017
78 Seiten
1. Einleitung
1.1. Fragestellung und Zielsetzung
1.2. Methode und Aufbau
1.2.1. Diskursanalyse und Filmanalyse
1.2.2. Aufbau
1.3. Forschungsstand
2. Politique des Auteurs
2.1. Entstehung und Entwicklung
2.2. Auteur-Konzept
2.2.1. Die Mise en Scène
2.2.2. Neorealismus
2.2.3. Biografismus
2.3. Die praktische Umsetzung der Politique des Auteurs
2.4. Resümee
3. Analyse
3.1. Formal und Stylistic System
3.1.1. Formal System
3.1.2. Stylistic System
3.1.2.1. Mise en Scène
3.1.2.2. Cinematographie
3.1.2.3. Editing
3.2. Thematische Aspekte
3.2.1. Migration
3.2.2. Fremdsein und Fremdheit
3.3. Produktionsrahmen
3.4. Resümee
4. Kulturelle Kontextualisierung
4.1. Einflüsse der europäischen und japanischen Kinos
4.2. New York und Lyrik
4.3. Wim Wenders
5. Schlusswort
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern Jim Jarmuschs Spielfilm Stranger Than Paradise als praktische Umsetzung der filmkritischen Politique des Auteurs betrachtet werden kann. Dabei wird analysiert, wie Jarmusch durch spezifische narrative und stilistische Entscheidungen sowie eine unabhängige Produktionsweise die Ziele der Politique des Auteurs – insbesondere die Emanzipation des Zuschauers und die Etablierung des Regisseurs als künstlerische Autorinstanz – im amerikanischen Independent-Kino reflektiert.
3.1.2.3. Editing
Die Grundstimmung von Stranger Than Paradise ist schon durch die Einstellung der Eröffnungssequenz von The New World gekennzeichnet: In Kombination mit hoher Schärfentiefe zeigt eine überlange statistische Einstellung (mit einer Dauer von etwa 50 Sekunden) in grobkörnigem Schwarzweiß Evas Ankunft in Amerika: Eine junge Frau als unbekannte Person steht in einiger Entfernung vom Flughafenfeld und blickt in die Ferne, neben sich einen schweren Koffer und eine Papiertragetasche; in der Ferne werden die startenden und landenden Flieger sichtbar. Während sie sich nach ungefähr zwei Dritteln der Einstellung zum Publikum dreht, kontrastieren ihr alter schwarzer Mantel und ihre Hose mit der hellen Landschaft und es entsteht ein anhaltender schweigsamer Moment, wodurch die dominierende Grundstimmung im Film – Trostlosigkeit und Schwermut – entsteht. Die Verwendung von überlangen Einstellungen mit homogener Schärfentiefe, an deren Ende und Anfang jeweils ein Schwarzbild steht, ist eins der auffälligsten Merkmale von Stranger Than Paradise und zugleich das Bemerkenswerteste an seinen Stil, während sich die durchschnittliche Schnittfrequenz des zeitgenössischen Mainstream-Films erheblich erhöht und die durchschnittliche Einstellungslänge sich entsprechend verringert. David Bordwell bestätigte das:
„In the mid-1960s, several filmmakers began accelerating their cutting rates. … In the 1980s the tempo continued to pick up … At the close of the 1980s, many films boasted 1,500 shots or more. There soon followed movies containing two to three thousand shots, … the ASL (average shot length) of a typical film in any genre would run 3 to 6 seconds.“ (Bordwell, 2006: 122)
1. Einleitung: Die Arbeit führt in das Thema ein, definiert die Forschungsfrage und begründet die Wahl von Stranger Than Paradise als Paradebeispiel für eine praktische Umsetzung der Politique des Auteurs.
2. Politique des Auteurs: Dieses Kapitel rekonstruiert die theoretischen Ursprünge und Facetten der Politique des Auteurs, einschließlich des Auteur-Konzepts, der Rolle der Mise en Scène und Einflüssen des Neorealismus.
3. Analyse: Es erfolgt eine detaillierte Untersuchung des Films auf formaler, stilistischer und thematischer Ebene sowie eine Betrachtung der Produktionsbedingungen, um die Hauptthese zu verifizieren.
4. Kulturelle Kontextualisierung: Hier werden die ästhetischen Einflüsse auf Jarmusch, insbesondere durch das europäische und japanische Kino sowie durch die Lyrik, analysiert.
5. Schlusswort: Das Fazit resümiert die Untersuchung und bestätigt, dass Stranger Than Paradise die Haltung der Politique des Auteurs reflektiert und erfolgreich als deren praktische Umsetzung gelten kann.
Politique des Auteurs, Jim Jarmusch, Stranger Than Paradise, Auteur-Konzept, Mise en Scène, Neorealismus, Independent-Film, Filmanalyse, Autorschaft, Realismus, Minimalismus, Zuschaueraktivierung, Nouvelle Vague, Produktionsrahmen, Fremdheit.
Die Arbeit untersucht, inwiefern der US-amerikanische Independent-Film Stranger Than Paradise von Jim Jarmusch als praktische Anwendung der französischen Theorie der Politique des Auteurs verstanden werden kann.
Zentrale Themen sind die Entwicklung des Auteur-Begriffs, die Bedeutung einer persönlichen künstlerischen Handschrift, die Rolle des Zuschauers sowie die ästhetischen und ökonomischen Bedingungen des unabhängigen Filmemachens.
Das Ziel ist es, durch eine systematische Analyse von Jarmuschs Film aufzuzeigen, dass dieser bewusst mit Konventionen des Mainstream-Kinos bricht, um eine authentische, regiegeführte Kunstform zu etablieren.
Es werden eine Diskursanalyse zur theoretischen Einordnung des Auteur-Begriffs sowie eine Filmanalyse nach Bordwell/Thompson zur Untersuchung von Narration und Stil angewendet.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in die Politique des Auteurs, eine empirische Analyse von Stranger Than Paradise (unterteilt in formale, stilistische und thematische Aspekte) sowie eine kulturelle Kontextualisierung durch Einflüsse auf Jarmusch.
Wichtige Begriffe sind Politique des Auteurs, Auteur, Mise en Scène, Unabhängigkeit, Realismus, Minimalismus und Zuschaueremanzipation.
Die "toten Momente" dienen dazu, die Erzählgeschwindigkeit zu drosseln, dramatische Konventionen zu unterlaufen und dem Zuschauer Freiräume für eigene Interpretationen zu geben, anstatt ihn manipulativ durch ständige Handlungsimpulse zu steuern.
Besonders japanische Regisseure wie Yasujiro Ozu und europäische Filmemacher wie Bresson oder Dreyer dienten Jarmusch als Vorbilder für eine Ästhetik der Reduktion und Stille, die er konsequent in seinem persönlichen Stil umsetzte.
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